Downsizing

Die Vorstellung, Probleme durch Verkleinerung zu lösen, hat etwas Verführerisches. Weniger Raum, weniger Verbrauch, weniger Last für einen Planeten, der an seine Grenzen stößt. Alexander Payne greift diesen Gedanken auf und verlegt ihn in die Nachbarschaft des amerikanischen Mittelstands. „Downsizing“ verhandelt eine Utopie mit den Mitteln der Alltagsbeobachtung. Zwischen Laborjubel und Vorstadtküche entsteht ein Tonfall, der zwischen Satire und Melancholie schwankt. Der Film stellt die Frage nach dem guten Leben in einer Welt knapper Ressourcen. Er sucht seine Antworten dort, wo die großen Ideen auf kleine Biografien treffen.

Downsizing [dt./OV]
Dauer: 135 Min.
Jahr:
Regie: Alexander Payne
Produzenten: Mark Johnson, Alexander Payne, Jim Taylor
Hauptdarsteller: Matt Damon, Christoph Waltz, Hong Chau
Nebendarsteller: Rolf Lassgård, Søren Pilmark, Joaquim de Almeida
Studio: Paramount Pictures
Sprachen: Deutsch, English

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Payne hat sich für dieses Projekt Zeit gelassen, länger als für jeden anderen Stoff seiner Laufbahn. Das Ergebnis eröffnete 2017 die Filmfestspiele von Venedig und kam im Januar 2018 in die deutschen Kinos. Die Ausgangsidee stammt aus einem Familienscherz und wuchs zu einer Sozialsatire mit gemäldehaftem Anspruch. Zwischen Science-Fiction und Kammerspiel bleibt das Vorhaben in der Schwebe. Wer schrumpft, gewinnt Komfort und verliert womöglich mehr, als die Werbeprospekte versprechen. Was bleibt vom Menschen übrig, wenn sein Maßstab sich ändert?

Besetzung, Drehorte & Infos

Der US-amerikanische Spielfilm „Downsizing“ entstand 2017 unter der Regie von Alexander Payne. Das Originaldrehbuch schrieb Payne gemeinsam mit Jim Taylor, mit dem ihn eine lange Arbeitsbeziehung verbindet. Zuvor hatten beide bereits Election, About Schmidt und Sideways verantwortet. Die Musik stammt von Rolfe Kent, die Kamera führte Phedon Papamichael. Für den Schnitt zeichnete Kevin Tent verantwortlich. Payne trat zusätzlich als Produzent auf, Megan Ellison wirkte als Executive Producer mit. Produziert wurde der Film von Ad Hominem Production und Gran Via Productions.

Matt Damon spielt den Physiotherapeuten Paul Safranek aus Omaha. Kristen Wiig verkörpert dessen Ehefrau Audrey. Christoph Waltz übernimmt die Rolle des Nachbarn Dušan, Udo Kier steht ihm als Kapitän Konrad zur Seite. Hong Chau spielt die vietnamesische Reinigungskraft Ngoc Lan, eine Figur, die dem Film seine zweite Hälfte gibt. Rolf Lassgård ist als Forscher Jorgen Asbjørnsen zu sehen, Søren Pilmark und Joaquim de Almeida ergänzen das Ensemble. In weiteren Rollen wirkten Laura Dern, Neil Patrick Harris, Margo Martindale, Niecy Nash, Patrick Gallagher und Pepe Serna mit.

Die Laufzeit beträgt 135 Minuten, die FSK gab den Film ohne Altersbeschränkung frei. Den Vertrieb übernahm Paramount Pictures, wie zuvor schon bei Nebraska. Am 30. August 2017 eröffnete der Film die 74. Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Im Wettbewerb um den Goldenen Löwen blieb er ohne Auszeichnung. Das National Board of Review führte ihn dennoch unter den besten Kinofilmen des Jahres. Hong Chau erhielt Nominierungen für den Golden Globe und den Screen Actors Guild Award. Der US-Start erfolgte am 22. Dezember 2017.

Inhalt & Handlung vom Film „Downsizing“

Paul Safranek arbeitet als Physiotherapeut in Omaha und führt dort ein Leben ohne große Ausschläge. Gemeinsam mit seiner Frau Audrey träumt er jedoch von einem besseren Leben. Unterdessen entwickelt in Norwegen ein Forscherteam um Dr. Jorgen Asbjørnsen ein Verfahren, das den Menschen auf zwölf Komma sieben Zentimeter schrumpfen lässt. Die zellulare Miniaturisierung soll dabei den Ressourcenverbrauch einer wachsenden Weltbevölkerung dauerhaft senken. In Skandinavien entsteht daraufhin eine erste Kolonie, deren Bewohner ebenfalls kleinen Nachwuchs bekommen. Gleichzeitig sinken die Lebenshaltungskosten enorm, weil geschrumpfte Menschen sehr viel weniger verbrauchen. In den Vereinigten Staaten wird das Verfahren deshalb als Weg zum sorgenfreien Wohlstand vermarktet. Schließlich lassen sich auch Paul und Audrey von diesem Versprechen überzeugen, denn ihre Entscheidung folgt vor allem der Verlockung eines Lebens ohne Geldsorgen.

Teile der Bevölkerung fürchten allerdings schon früh, dass sich das Verfahren missbrauchen lässt. Ihre Sorge bestätigt sich später, als afrikanische Diktatoren rivalisierende Volksgruppen zwangsweise schrumpfen lassen. Auch das Heimatschutzministerium schlägt deshalb Alarm, weil verkleinerte Terroristen die Grenzen der USA mühelos passieren können. Dennoch bleibt die Vermarktung von alledem weitgehend unberührt. Da die klinische Schrumpfung getrennt nach Geschlechtern erfolgt, bekommt Paul zudem nicht mit, dass Audrey kurz vor dem Eingriff einen Rückzieher macht. Dadurch erwacht er schließlich in einer neuen Größe, allerdings ohne seine Frau. Allein bezieht er daraufhin die luxuriös eingerichtete Villa in der abgeschirmten Miniaturstadt Leisureland in New Mexico. Doch bereits ein Jahr später ist von diesem Luxus nur noch wenig geblieben. Denn die teure Scheidung zwingt ihn in eine kleine Wohnung und zugleich zurück in die Erwerbsarbeit. Weil außerdem seine Therapeutenlizenz abgelaufen ist, berät er schließlich Kunden im Callcenter eines Möbelhändlers.

Hinter der Mauer von Leisureland

Auf einer Party lernt Paul seinen Nachbarn Dušan und dessen Geschäftspartner Kapitän Konrad kennen. Die beiden Europäer feiern ausschweifend mit Alkohol, Drogen und Frauen. Nach einer durchzechten Nacht begegnet Paul der vietnamesischen Reinigungskraft Ngoc Lan. Sie war in ihrer Heimat Dissidentin und wurde deshalb von der Regierung zwangsverkleinert. Gemeinsam mit anderen politischen Gefangenen gelangte sie in einer Postbox in die USA. Als Einzige überlebte sie den Transport, verlor dabei jedoch ihr linkes Bein. Als Paul erkennt, dass ihre Prothese schlecht sitzt, bietet er eine Reparatur an, die Ngoc Lan bei sich zu Hause durchführen lassen will.

Jenseits der Mauer von Leisureland lebt sie zwischen verrosteten Baucontainern, die armen Immigranten als Wohnungen dienen. Dort kümmert sie sich um eine krebskranke Frau und versorgt Bedürftige mit Lebensmitteln und Medikamenten. Paul hilft ihr, zerstört beim Reparaturversuch jedoch versehentlich die Prothese. Zur Wiedergutmachung unterstützt er Ngoc Lan bei ihrer Arbeit. Unterdessen planen Dušan und Konrad eine Reise zur norwegischen Ursprungskolonie und nehmen Paul mit. Da Ngoc Lan eine Einladung Asbjørnsens besitzt, reist sie ebenfalls mit. Auf Konrads Boot kommen sich Paul und Ngoc Lan näher und beginnen eine Liebesbeziehung.

In der norwegischen Kolonie herrscht Weltuntergangsstimmung. Wegen austretenden Methans in der Antarktis rechnen die Bewohner mit dem Ende der Menschheit. Deshalb wollen sie sich dauerhaft in ein unterirdisches Gewölbesystem zurückziehen. Dušan und Konrad halten den Plan für das Hirngespinst einer Sekte. Dennoch entscheidet sich Paul zunächst mitzugehen und Ngoc Lan zurückzulassen. Im letzten Moment ändert er jedoch seine Meinung, kehrt zu ihr zurück und reist mit ihr nach Leisureland. Dort kümmern sich beide fortan gemeinsam um die armen Bewohner der Baucontainer.

Filmkritik und Fazit zum Film „Downsizing“

Payne inszeniert die Prämisse mit einer Ruhe, die dem Stoff zunächst guttut. Die Sequenz der klinischen Schrumpfung, nach Geschlechtern getrennt und routiniert abgewickelt, gehört zu den präzisesten Momenten des Films. Papamichaels Kamera nimmt die verschobenen Maßstäbe ernst und findet in ihnen einen leisen Witz. Matt Damon hält „Downsizing“ in der Mitte zusammen, gerade weil seine Figur so wenig heldenhaft angelegt ist. Hong Chau gibt Ngoc Lan eine Direktheit, die den Film aus seiner Behaglichkeit reißt. Das Drehbuch verliert nach dem ersten Drittel jedoch seinen Fokus. Was als Satire beginnt, wird zur Milieustudie, deren Größenverhältnisse kaum noch eine Rolle spielen.

Das Tempo bleibt gemächlich, 135 Minuten sind für diese Geschichte reichlich bemessen. Rolfe Kents Musik hält sich angenehm zurück und überlässt den Bildern die Führung. Am stärksten wirkt der Film in der Busfahrt durch den Tunnel, wenn die polierte Oberfläche von Leisureland hinter der Mauer zurückbleibt. Die Kontraste zwischen Villa und Baucontainer sind allerdings so deutlich gesetzt, dass der Zuschauer wenig eigene Arbeit leisten muss. Payne traut seinem Publikum die Zwischentöne nicht recht zu. Wer eine konsequente Science-Fiction-Satire erwartet, wird von der zweiten Hälfte überrascht sein. Die Tragikomödie gewinnt an Wärme, was sie an Schärfe einbüßt.

Wer Alexander Paynes Blick auf durchschnittliche Leben schätzt, findet hier reichlich davon, verpackt in ein ungewöhnliches Szenario. Freunde konsequenter Science-Fiction dürften mit der Verschiebung ins Sozialdrama hadern. Sehenswert bleibt der Film wegen Hong Chau, wegen der handwerklichen Sorgfalt und wegen einiger Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Für Liebhaber der Tragikomödie lohnt sich der Weg nach Leisureland. Von einem Meisterwerk trennt ihn eine zweite Hälfte, die ihr eigenes Versprechen aus den Augen verliert.