Wie ein wilder Stier
Boxen interessierte Martin Scorsese nicht, er hielt den Sport für langweilig. Robert De Niro ließ nicht locker, bis aus dieser Abneigung „Wie ein wilder Stier“ wurde. Der Film kam 1980 in die Kinos, überwiegend in Schwarz-Weiß gedreht. Erzählt wird vom Aufstieg und vom Niedergang des Mittelgewichtlers Jake LaMotta. Bei der Premiere gab es Kritik an Sprache und Gewaltdarstellung. Heute steht das Werk auf den vorderen Plätzen fast jeder Bestenliste des amerikanischen Kinos. 1990 nahm das National Film Registry es auf.
| Dauer: | 124 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 16 Jahren |
| Jahr: | 1980 |
| Regie: | Martin Scorsese |
| Produzenten: | Robert Chartoff, Irwin Winkler |
| Hauptdarsteller: | Robert De Niro, Joe Pesci, Cathy Moriarty |
| Nebendarsteller: | Nicholas Colasanto, Frank Vincent, Theresa Saldana |
| Studio: | MGM |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Paul Schrader und Mardik Martin schrieben das Drehbuch, wobei die Zusammenarbeit knirschte. Scorsese und De Niro zogen sich für zweieinhalb Wochen auf die Insel Saint Martin zurück, um den Stoff neu aufzubauen. Michael Chapman stellte die Kamera direkt in den Ring. De Niro brachte sein Gewicht von 66 auf 97 Kilogramm. Thelma Schoonmaker schnitt den Film und erhielt dafür einen Oscar. Wie erzählt man von einem Mann, der jeden Schlag verdient zu haben glaubt?
Besetzung, Drehorte & Infos
Das Boxerdrama „Wie ein wilder Stier“ entstand 1980 in den Vereinigten Staaten. Regie führte Martin Scorsese, der Originaltitel lautet Raging Bull. Das Drehbuch schrieben Paul Schrader und Mardik Martin. Die Kamera führte Michael Chapman, den Schnitt übernahm Thelma Schoonmaker. Als musikalische Klammer für Vor- und Abspann dient das Intermezzo aus Pietro Mascagnis Oper Cavalleria rusticana. Gedreht wurde der Film hauptsächlich in Schwarz-Weiß. Die deutsche Synchronfassung entstand 1980 nach Dialogbuch und Dialogregie von Ivar Combrinck.
Robert De Niro spielt Jake LaMotta und setzte sich selbst für die Entstehung des Films ein. Joe Pesci übernimmt die Rolle des Bruders Joey und war zu dieser Zeit noch weitgehend unbekannt. Cathy Moriarty spielt Vickie, Nicholas Colasanto den Mafiaboss Tommy Como. Frank Vincent, Theresa Saldana, Lori A. Flax und Frank Adonis ergänzen das Ensemble. John Turturro hat als Gast des Clubs Webster Hall einen Kurzauftritt. Jake LaMotta selbst stand als fachlicher Berater zur Verfügung. Er begleitete De Niros Boxtraining und bescheinigte ihm Talent.
Die Laufzeit beträgt 124 Minuten, die FSK gab den Film ab sechzehn Jahren frei. Bei der Oscarverleihung 1981 gewannen De Niro als bester Hauptdarsteller und Thelma Schoonmaker für den Schnitt. Sechs weitere Nominierungen kamen hinzu, darunter bester Film, beste Regie und beste Kamera. Einen Golden Globe erhielt ebenfalls De Niro. Das American Film Institute führte den Film 2007 auf Platz vier seiner Bestenliste. 2008 stand er an der Spitze der zehn besten Sportfilme. Eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung endete 2015 mit einer Einigung.
Inhalt & Handlung vom Film „Wie ein wilder Stier“
Der Film beginnt 1964, als Jake LaMotta, längst kein Boxer mehr, sich auf einen Auftritt als Entertainer vorbereitet. Anschließend springt die Erzählung zurück ins Jahr 1941. Jake und sein Bruder Joey leben in der Bronx und verfolgen dabei ein gemeinsames Ziel: den Weltmeistertitel im Mittelgewicht. Über Joey lernt Jake an einem Swimmingpool die minderjährige Vickie kennen, und aus der Begegnung wird schließlich eine Beziehung. Seine Ehe mit Irma ist zu diesem Zeitpunkt längst zerrüttet. Deshalb lässt er sich nach endlosen Streitereien scheiden und heiratet 1945 Vickie. Dabei geraten sportlicher Aufstieg und Privatleben von Anfang an miteinander in Konflikt.
In der Bronx kontrolliert Mafiaboss Tommy Como die Boxkämpfe im Mittelgewicht. Deshalb drängt Joey Jake zu einem Zweckbündnis, denn ohne Comos Zustimmung führt kein Weg zum Titel. Jake lässt sich daraufhin auf den Wettbetrug ein und verliert im November 1947 absichtlich gegen Billy Fox. Zwar kostet ihn das den Respekt des Publikums, doch zugleich verschafft es ihm den erhofften Titelkampf. Am 15. Juni 1949 besiegt er schließlich Marcel Cerdan durch technischen K. o. Damit ist Jake LaMotta Weltmeister im Mittelgewicht. Doch was er im Ring gewinnt, verliert er anderswo.
Die Eifersucht als Gegner
Die Titelverteidigung fällt Jake schwer, zumal er sich während der Vorbereitung gehen lässt und zunimmt. Zugleich entwickelt er eine krankhafte Eifersucht gegenüber Vickie. Obwohl es keine Belege für einen Betrug gibt, sieht er dennoch überall Bestätigungen seines Verdachts. Als Vickie sarkastisch behauptet, sie habe Verhältnisse mit seinem Bruder und der halben Nachbarschaft, nimmt er ihre Worte deshalb als Geständnis. Daraufhin verprügelt Jake Joey und schlägt auch Vickie nieder. Doch die Versöhnung mit seinem Bruder, der ihn bis dahin durch jede Runde begleitet hat, scheitert. So hat seine Eifersucht schließlich die Familie zerstört.
1951 verliert Jake gegen Sugar Ray Robinson den Weltmeistertitel, wobei der Kampf zu den grausamsten Passagen des Films gehört. Am Rande der Bewusstlosigkeit nimmt Jake die Schläge mit gesenkter Deckung hin, denn offenbar will er etwas beweisen. Mit dem Titel verliert er jedoch zugleich das einzige Ziel, das er je hatte. Nach dem Ende seiner Karriere zieht der schwer übergewichtige Mann schließlich nach Florida und eröffnet eine Bar. Dort tritt er außerdem als Conférencier mit schlüpfrigen Ansagen auf. Als Vickie sich von ihm scheiden lässt, bleibt schließlich ein Leben ohne Struktur zurück.
In seiner Bar verkuppelt Jake Minderjährige mit anderen Männern und landet dafür schließlich im Gefängnis. Damit ist der Tiefpunkt seines Lebens erreicht. Nach der Haft versöhnt er sich jedoch mit Joey und beginnt anschließend ein zweites Berufsleben als Entertainer. So kehrt der Film zu seinem Ausgangspunkt zurück: Vor einem Auftritt rezitiert Jake Marlon Brandos berühmte Rede aus der Taxi-Szene von Die Faust im Nacken. Dabei spricht ein Mann die Worte eines Boxers, der es hätte schaffen können. Mehr braucht dieser Schluss nicht, und mehr gibt er auch nicht her.
Filmkritik und Fazit zum Film „Wie ein wilder Stier“
Scorsese inszeniert „Wie ein wilder Stier“ gegen jede Konvention des Sportfilms. Michael Chapmans Kamera steht im Ring, nicht am Ring, und der Unterschied ist alles. Die Kämpfe wirken dadurch weniger wie Sport, eher wie Rituale mit Publikum. Thelma Schoonmakers Schnitt dehnt Sekunden und rafft Jahre, oft im selben Abschnitt. Robert De Niro gibt LaMotta eine körperliche Wahrheit, die weit über die berühmte Gewichtszunahme hinausgeht. Joe Pesci hält als Joey den einzigen erträglichen Ton in dieser Familie. Das Schwarz-Weiß, ursprünglich eine Entscheidung wegen der Farbe der Boxhandschuhe, wird zur Haltung des ganzen Films.
Das Tempo folgt keiner Dramaturgie des Triumphs. Jeder Sieg zieht eine Szene in der Küche nach sich, jede Niederlage eine im Ring. Der Kampf gegen Sugar Ray Robinson ist keine Actionsequenz, er ist ein Selbstgericht in Zeitlupe. Das Intermezzo aus Cavalleria rusticana legt sich über die ersten Bilder und behauptet eine Erhabenheit, die die Figur nie erreicht. Der Ton der Kämpfe arbeitet mit Tierlauten und Kamerablitzen statt mit Publikumsjubel. Manche Passagen im Privaten ziehen sich, das gehört zum Konzept. Als Drama über Selbstzerstörung hat der Film seither wenig Vergleichbares gefunden.
Wer Sportfilme wegen ihrer Aufbruchsgeschichten sieht, ist hier falsch. Freunde des harten Charakterdramas finden einen der genauesten Filme des amerikanischen Kinos. De Niros Oscar war keine Überraschung, Schoonmakers ebenso wenig. Die 124 Minuten verlangen Geduld und geben nichts zurück, was tröstet. Genau darin liegt ihr Wert in dem Film. Ein Klassiker, der sich nicht gemütlich anschauen lässt. Wer sich auf „Wie ein wilder Stier“ einlässt, sieht danach anders auf Boxfilme.

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