100 Dinge
Verzicht als Wettkampfdisziplin, das ist eine deutsche Idee mit Selbstironie. „100 Dinge“ nimmt ein finnisches Selbstexperiment und macht daraus ein Duell zweier Männer, die einander seit der Kindheit nichts gönnen. Florian David Fitz schrieb das Drehbuch, führte Regie und stellte sich zugleich vor die Kamera. An seiner Seite steht Matthias Schweighöfer, mit dem er zwei Jahre zuvor schon einmal gearbeitet hatte. Berlin liefert die Kulisse, der Winter die Härte. Der Film kam im Dezember 2018 in die Kinos, mitten ins Weihnachtsgeschäft.
| Dauer: | 106 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 6 Jahren |
| Jahr: | 2018 |
| Regie: | Florian David Fitz |
| Produzenten: | Daniel Sonnabend, Dan Maag, Marco Beckmann |
| Hauptdarsteller: | Florian David Fitz, Matthias Schweighöfer, Miriam Stein |
| Nebendarsteller: | Hannelore Elsner, Wolfgang Stumph, Katharina Thalbach |
| Studio: | Warner Bros. |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Die Vorlage stammt von Petri Luukkainen, der ein Jahr lang täglich nur einen Gegenstand aus einem Lagerhaus in Helsinki holte. Fitz baute daraus einen Wettkampf, weil ein Asket allein für ihn keinen Spielfilm trägt. Hundert Tage, hundert Gegenstände, zwei Konsumenten im Entzug. Gedreht wurde an fünfunddreißig Tagen, überwiegend in Berlin und Brandenburg. Die Deutsche Film- und Medienbewertung vergab das Prädikat wertvoll. Wie viel bleibt von einer Freundschaft übrig, wenn beide bei null anfangen?
Besetzung, Drehorte & Infos
Die Komödie „100 Dinge“ entstand 2018 in Deutschland und trägt im Original denselben Titel. Es handelt sich um die dritte Regiearbeit von Florian David Fitz, der auch das Drehbuch schrieb. Die Musik verantworteten Arne Schumann, Josef Bach, Chester Travis und Jonathan Kluth. Hinter der Kamera stand Bernhard Jasper, den Schnitt übernahmen Ana de Mier y Ortuño und Denis Bachter. Produziert wurde der Film von Matthias Schweighöfers Pantaleon Entertainment, gemeinsam mit Warner Bros. Deutschland, der Erfttal Film- und Fernsehproduktion sowie der WS Filmproduktion. Die Laufzeit beträgt 106 Minuten.
Florian David Fitz spielt Paul, Matthias Schweighöfer übernimmt Toni. Miriam Stein verkörpert Lucy, die weibliche Hauptrolle, mit der Fitz bereits 2014 in Hin und weg gedreht hatte. Hannelore Elsner und Wolfgang Stumph geben Pauls Eltern Renate und Wolfgang Konaske, ein Paar, das Fitz wegen der gegensätzlichen Persönlichkeiten früh vor Augen hatte. Katharina Thalbach spielt Oma Konaske und wurde dafür deutlich älter geschminkt. Artjom Gilz übernimmt den US-Milliardär David Zuckerman. Zum Ensemble zählen außerdem Johannes Allmayer und Sarah Viktoria Frick.
Gedreht wurde vom 27. Februar bis 30. April 2018 an 35 Drehtagen, vor allem in Berlin und Brandenburg. Eine Aikido-Schule auf dem Dach einer ehemaligen Fabrik in Steglitz diente als Wohnung der beiden Hauptfiguren, ein Parkhaus in Kreuzberg als Lagerhalle. Weitere Motive lieferten der Flughafen Tempelhof, die Oberbaumbrücke, das Kottbusser Tor und die East Side Gallery. Die Schlussszene entstand im Mai auf einer Düne im polnischen Łeba. Die FSK gab den Film ab sechs Jahren frei. Bei der Romyverleihung 2019 gewann Fitz die Auszeichnung für das beste Buch.
Inhalt & Handlung vom Film „100 Dinge“
Paul und Toni kennen sich bereits seit Kindertagen und konkurrieren seitdem um nahezu alles. Während es früher um die Aufmerksamkeit von Pauls Eltern und die Liebe einer Mitschülerin ging, kämpfen sie heute um das Ansehen in ihrem gemeinsamen Berliner IT-Start-up. Paul ist chaotisch, hortet teure Sneaker, fährt eine Schrottkarre und konsumiert vor allem aus Frust. Toni hingegen lebt bewusster, trainiert regelmäßig und besitzt eine hochwertige Espressomaschine. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensweisen entwickeln sie gemeinsam die App Nana, ein persönliches Assistenzsystem fürs Smartphone, das maßgeschneiderte Kaufempfehlungen liefert. Über Antonietta Kärcher erhalten sie schließlich ein Angebot ihres Auftraggebers David Zuckerman, der vier Millionen Euro für das Unternehmen bietet.
Die beiden nehmen das Angebot grundsätzlich an und feiern deshalb gemeinsam mit ihrer Belegschaft. Während der Feier erfährt Paul jedoch, dass Toni die Software absatzorientiert programmiert und ihn dabei unwissentlich als Testobjekt benutzt hat. Weil ihn dieser Vertrauensbruch zutiefst enttäuscht, schlägt er eine ungewöhnliche Wette vor: Beide lagern ihren gesamten Besitz ein und dürfen anschließend hundert Tage lang täglich nur einen Gegenstand zurückholen. Wer allerdings vorzeitig aufgibt, muss seine Firmenanteile den Mitarbeitern überlassen. Der Verzicht beginnt entsprechend radikal, denn beide erwachen nackt in einer leeren Wohnung. Da im winterlichen Berlin eisige Temperaturen herrschen, entscheiden sie sich zunächst für einen wärmenden Mantel und einen begehbaren Schlafsack.
Hundert Tage ohne alles
Danach setzen Paul und Toni unterschiedliche Prioritäten. Während einer zunächst Kleidung auswählt, bevorzugt der andere Hygiene- und Schönheitsartikel. Später folgen Möbel und Haushaltsgegenstände. Bei ihren Besuchen im Lagerhaus begegnen sie Lucy, die selbst unter einer Konsumkrankheit leidet. Zwischen ihr und Toni entwickelt sich eine Romanze. Trotz seiner wenigen Besitztümer organisiert er ein Date, bei dem sie ihm Teebeutel auf die Augen legt. Gleichzeitig sprechen die Männer mit Pauls Eltern und seiner Großmutter über Glück und Besitz. Deren Ansichten unterscheiden sich deutlich von ihren eigenen Vorstellungen. Während die Wette weiterläuft, verliert der Wettbewerb zunehmend seinen ursprünglichen Ernst.
Vier Wochen nach Wettbeginn stehen die Verkaufsverhandlungen an. Paul und Toni treten selbstbewusster auf als geplant und handeln den Kaufpreis von vier auf vierzehn Millionen Euro hoch. Doch der finanzielle Erfolg löst ihre persönlichen Probleme nicht. Die Wette hat längst gezeigt, dass ihre Rivalität weit über das gemeinsame Unternehmen hinausreicht. Auch die Gespräche mit Pauls Familie verändern ihre Vorstellungen von Glück und Besitz. Schließlich übersteht ihre Freundschaft die hundert Tage, entwickelt sich jedoch weiter. Am Ende gewinnt das private Glück an Bedeutung, während Toni und Lucy ein Paar werden.
Dann folgt eine überraschende Nachricht: David Zuckerman hat die App Nana eigenständig veröffentlicht. Damit ist der ausgehandelte Deal wertlos, und das Start-up steht ohne sein Produkt da. Der Milliardär hat sich genommen, was er wollte, ohne dafür zu bezahlen. Paul und Toni erkennen dadurch erneut, dass Geld und Besitz nicht alles bedeuten. Schließlich endet der Film am Meer, wo Paul, Toni und Lucy gemeinsam am Strand sitzen. Gedreht wurde die Szene auf einer Düne im polnischen Łeba. Während die drei den Moment genießen, überlegt Paul bereits, wie sich Nana gegen Zuckerman einsetzen lässt.
Filmkritik und Fazit zum Film „100 Dinge“
Fitz inszeniert seinen dritten Film als Buddykomödie mit klarer Arbeitsteilung. „100 Dinge“ lebt vom Zusammenspiel zweier Hauptdarsteller, die einander seit dem gemeinsamen Vorgängerfilm blind kennen. Schweighöfer spielt Toni als kontrollierten Selbstoptimierer, Fitz gibt Paul als schlampigen Gegenentwurf, und beide setzen ihre Rollen mit hörbarer Selbstironie an. Bernhard Jaspers Kamera hält Berlin im Winter in kühlen, klaren Bildern, was der leeren Wohnung ihre Wirkung sichert. Das Drehbuch von Fitz arbeitet mit doppelten Böden und kommentiert seine eigenen Kitschmomente. Hannelore Elsner, Wolfgang Stumph und Katharina Thalbach bringen als Familie ein Gegengewicht ein, das der Konstruktion Halt gibt.
Das Tempo bleibt über 106 Minuten hoch, ohne je gehetzt zu wirken. Die Parallelmontage der ersten Minuten, in der zwei Morgenroutinen gegeneinander geschnitten werden, erklärt beide Figuren schneller als jeder Dialog. Auch der Auftritt der nackten Wettpartner im verschneiten Berlin funktioniert, weil der Gag aus der Prämisse folgt statt aus Kalkül. Der Soundtrack von Arne Schumann, Josef Bach, Chester Travis und Jonathan Kluth treibt an, wo die Handlung stockt. Die Konsumkritik bleibt weich, das Ende arrangiert alles zum Besten. Als Großstadtmärchen ist das schlüssig, als Streitschrift wäre mehr drin gewesen.
Wer deutsche Komödien mit Herz und Timing sucht, liegt hier richtig. Der Film hält, was das Plakat verspricht, und liefert nebenbei eine Frage, die über den Abspann hinaus arbeitet. Freunde bissiger Gesellschaftssatire sollten ihre Erwartungen dämpfen, denn dafür ist die Grundstimmung zu freundlich. Für einen Kinoabend im Dezember, mit vollen Einkaufstaschen im Foyer, taugt das ausgezeichnet. Rund 1,46 Millionen Zuschauer haben sich darauf eingelassen, mit gutem Grund.

