Das Verhältnis von Film und sozialer Wirklichkeit in Deutschland
Wir leben im sogenannten Cinematic Age, in der Filme nicht nur auf der großen Leinwand, sondern überall im Land und auf der Welt gezeigt werden. Das führt dazu, dass sie einen universellen Anspruch erhalten. Gleichzeitig gibt es eine Omnipräsenz der Medien, die im Kinosaal beginnt, aber auch zu Hause durch Streaming-Dienste nicht aufhört. Daher ist aus filmsoziologischer Sicht die Frage berechtigt, inwiefern eine Gesellschaft und ihre Filme aufeinanderwirken.
Es zeigt sich schnell, dass Filme nicht einfach nur passiv die Realität widerspiegeln, sondern in einem wechselseitigen Bedingungsverhältnis mit der Gesellschaft stehen. Beide Seiten prägen jeweils die andere. Entsprechend können Filme auch als soziale Prozesse verstanden werden, die bestimmte Kulturen abbilden. Mehr zum soziologischen Blick auf das Thema Film und Gesellschaft gibt es in diesem Artikel zu erfahren.
Mehr als nur ein Spiegel der Gesellschaft
Ein Film ist immer ein sozialer Prozess, da dahinter Menschen stehen und diese erstellen, daran arbeiten und ihre Ideen und Persönlichkeiten einfließen lassen. Das weiß man auch in der Filmsoziologie und auf Seiten wie film-und-gesellschaft.de. In jedem Film lassen sich ganze Gesellschaftsbilder erkennen, die mit sozialen Bedeutungen aufgeladen sind und diese Perspektiven mit spezifischen Bildern an den Zuschauer weiterreichen. Damit werden Filme zu Trägern bedeutungsvoller Diskurse, denn sie schaffen Sinnmuster und können das gesellschaftliche Wissen veranschaulichen. Umso wichtiger ist es, Filme auch aus soziologischer Sicht zu betrachten.
Filme als Wertekompass
Beobachter aus der Disziplin der Filmsoziologie haben vier Kernfunktionen des Films ausgemacht, die sich auf die Alltagskultur ausdehnen lassen. Große Blockbuster, auch aus Deutschland, vermitteln kollektives Wissen. Die Beispiele können ganz unterschiedlich sein und umspannen ein Spektrum von “Fack ju Göhte” bis hin zu “Das Leben der Anderen”. Dabei lassen sich die folgenden vier Kernfunktionen entdecken: Ersatzkirche, Kulturkitt, Vergemeinschaftungsagentur und fixierte Geschichtsbilder. Wenn von Ersatzkirche die Rede ist, dann werden durch Filme Themen wie Normen, Werte und Moralvorstellungen angesprochen, die somit die gesellschaftliche Orientierung erleichtern können.
Von der Vergemeinschaftsagentur ist die Rede, wenn es um Deutungen und Alltragsrollen sowie Relevanzstrukturen geht, die integrierend auf eine Gesellschaft wirken können. Eine ähnliche Funktion erfüllt der Film auch als “Kulturkitt”, wobei es hier auch um eine Form der kollektiven Identität geht. Diese entsteht auch durch gemeinsame nationale Mythen und Symbole, was schon immer stärker für die Gemeinschaft gewirkt hat als eine reine Zugehörigkeit zu einer Nation oder einem Volk. Auch hinsichtlich des Rückblicks auf Geschichte entfalten Filme eine starke Wirkung. Sie sorgen für fixierte Geschichtsbilder und dokumentieren einerseits den Wandel, den Gesellschaften durchmachen, aber deuten auch historische Ereignisse und sorgen so für eine Erinnerungskultur.
Unabhängigkeit vs. Förderung
Entsprechend muss gerade auch in Deutschland, wo es die Filmförderung gibt, genauer geschaut werden, unter welchen Umständen Filme entstehen und vielleicht auch prämiert werden. Daher muss es auch offene Diskussionen um die Deutungshoheit der Filme geben. Es muss klar sein, welche Filme es tatsächlich auf die Leinwand schaffen und welche vielleicht durch das System ausgefiltert werden. Es muss genauer auf die Arbeitsbedingungen und die medienpolitischen Vorgaben geschaut werden, die das Selbstverständnis der Branche prägen. Diese Aufgabe fällt nicht nur Kritikern mit soziologischem Blick zu, sondern jedem, der Filme und Fernsehen anschaut und mehr als nur ein passiver Konsument sein will.
Fazit zu Film und soziale Wirklichkeit
