Filmrezensionen und Vorstellungen – Die wunderbare Welt des Kinos

Anomalisa

Ein Motivationstrainer landet in einem Hotel in Cincinnati und hält einen Vortrag über Kundenservice. Sein Problem reist mit, denn jeder Mensch um ihn herum trägt dasselbe Gesicht und spricht mit derselben Stimme. Charlie Kaufman und Duke Johnson bauen daraus einen Stop-Motion-Film für Erwachsene, der 2016 für den Oscar nominiert wurde. Neunzig Minuten lang bleibt die Kamera dicht an Puppen aus dem 3D-Drucker. Was passiert, wenn plötzlich eine einzige Stimme anders klingt als alle anderen?

Chaos Walking

Im Jahr 2257 hört jeder Mann auf dem Planeten New World die Gedanken aller anderen. Sie kreisen als bunter Strom aus Bildern und Wörtern um seinen Kopf, und die Siedler nennen ihn schlicht den Lärm. Frauen gibt es in Prentisstown keine mehr. Als eine junge Fremde mit einer Raumkapsel abstürzt, gerät die ganze mühsam aufrechterhaltene Ordnung ins Wanken. Tom Holland, Daisy Ridley und Mads Mikkelsen spielen die Hauptrollen. Was passiert, wenn niemand mehr etwas für sich behalten kann?

Obsession – Du sollst mich lieben

Ein junger Mann, seit Jahren verliebt und zu schüchtern für ein Geständnis, kauft in einem Esoterikshop einen Wunschstab. Er zerbricht ihn und verlangt, seine Angebetete möge ihn mehr lieben als alles andere auf der Welt. Der Wunsch geht in Erfüllung, restlos und ohne Kompromiss. Curry Barker macht daraus einen Horrorfilm, der sein Grauen aus einer Zweierbeziehung zieht. Zwischen Musikgeschäft, Esoterikladen und einer Wohnung, die immer enger wird, verschiebt sich die Machtfrage laufend. Was geschieht mit einem Menschen, dessen Gefühle jemand anderes bestellt hat?

Geostorm

Ein Netz aus Satelliten überwacht das Weltklima und greift ein, wenn ein Sturm zu groß wird. Dutch Boy heißt das System, und es funktioniert seit Jahren zuverlässig. Dann erfriert ein Dorf in der afghanischen Wüste. Gerard Butler spielt den Konstrukteur, der einst gefeuert wurde und nun in den Orbit zurückkehren soll, um den Fehler zu finden. Sein Bruder ermittelt zur selben Zeit in Washington, wo das Wort Zeus die Runde macht.

The Woman in the Yard

Ein Sommertag auf dem Land, gleißendes Licht, ein Haus ohne Strom und ohne Anschluss an die Welt. Auf dem Rasen davor sitzt eine Frau in Schwarz, den Kopf verhüllt, vollkommen reglos. Sie klingelt nicht, sie ruft nicht, sie wartet einfach. Drinnen versucht eine Witwe, ihre beiden Kinder zu beruhigen und die eigene Panik zu verbergen. Was macht eine Bedrohung mit einer Familie, wenn sie nichts weiter tut als dazusitzen?

Ruf der Wildnis

Ein Hund wird in Kalifornien aus seinem bequemen Leben gerissen, auf einen Frachter verladen und im Yukon vor einen Postschlitten gespannt. Chris Sanders erzählt Jack Londons Klassiker von 1903 als großes Abenteuer mit Harrison Ford, weiten Panoramen und einem Helden, der vollständig aus dem Computer stammt. Es ist zugleich das Realfilm-Debüt eines Regisseurs, der bislang nur animierte. Der Goldrausch der 1890er-Jahre liefert die Kulisse, die Frage nach Zugehörigkeit den Kern. Wohin gehört ein Tier, das zwischen Kaminfeuer und Wolfsrudel wählen muss?

Downsizing

Die Menschheit verbraucht mehr, als der Planet hergibt. Norwegische Forscher haben darauf eine Antwort gefunden, die so einfach klingt wie ein Kinderbuchgedanke. Sie machen Menschen zwölf Zentimeter groß. Alexander Payne baut daraus eine Tragikomödie, in der ein Physiotherapeut aus Omaha sein Leben gegen eine Villa in der Miniaturstadt tauscht. Was zunächst nach Wellness klingt, entpuppt sich als Reise in die Schattenseiten einer Utopie.

The Little Things

Kalifornien im Jahr 1990: Ein ausgebrannter Polizist aus der Provinz soll eigentlich nur Beweisstücke abholen und steht wenig später am Tatort eines Mordes, der ihn an seinen eigenen ungelösten Fall erinnert. John Lee Hancock schickt Denzel Washington und Rami Malek als ungleiches Ermittlerpaar durch ein Los Angeles ohne DNA-Datenbanken. Jared Leto spielt den Mann, auf den sich ihr Verdacht richtet. Wie viel Beweis braucht es, bevor aus einem Verdacht Gewissheit wird?

Der Geschmack von Rost und Knochen

Ein Gelegenheitsarbeiter mit einem Kind, das er kaum versorgen kann, und eine Orca-Trainerin, deren Beruf über Nacht endet: Jacques Audiard bringt in Antibes zwei Menschen zusammen, die einander nichts schuldig sind. Marion Cotillard und Matthias Schoenaerts spielen dieses ungleiche Paar ohne einen einzigen Moment der Rührseligkeit. Vier Césars und zwei Golden-Globe-Nominierungen kamen dabei heraus, dazu eine Einladung in den Wettbewerb von Cannes.

The Autopsy of Jane Doe

Ein Bestattungsunternehmen in einer Kleinstadt in Virginia, spät in der Nacht. Auf dem Tisch liegt eine junge Frau, die niemand identifizieren kann, gefunden halb vergraben im Keller eines Hauses voller Toter. Vater und Sohn beginnen eine Obduktion, die eigentlich Routine sein sollte. Jeder Befund widerspricht dem vorherigen, und keiner passt zu einem Körper, der äußerlich unverletzt geblieben ist. Was tut man, wenn die Erklärung schlimmer ausfällt als das Rätsel?