Inferno

Dante Alighieri beschrieb vor mehr als siebenhundert Jahren neun Höllenkreise, und die Literaturgeschichte zehrt bis heute davon. Ron Howards Thriller „Inferno“ aus dem Jahr 2016 greift diese Zahlensymbolik auf. Die Vorlage lieferte Dan Brown, dessen gleichnamiger Roman 2013 erschien. Es ist die dritte Verfilmung aus der Langdon-Reihe nach The Da Vinci Code und Illuminati. Sieben Jahre lagen zwischen dem zweiten und dem dritten Teil. Howard legte diesmal deutlich mehr Wert auf Action. Premiere feierte der Film in Florenz, der Geburtsstadt des Dichters.

Inferno (4K UHD)
Dauer: 122 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Ron Howard
Produzenten: Ron Howard, Brian Grazer
Hauptdarsteller: Tom Hanks, Felicity Jones, Omar Sy
Nebendarsteller: Irrfan Khan, Ben Foster, Sidse Babett Knudsen
Studio: Columbia Pictures
Sprachen: Deutsch, English

Jetzt online anschauen (öffnet neues Fenster)

Die Dreharbeiten fanden ausschließlich an jenen Orten statt, die der Roman beschreibt. Venedig, Florenz, Padua, Istanbul und Budapest bilden die Stationen dieser Jagd quer über den Kontinent. Hans Zimmer nennt seine Filmmusik experimentell und unkonventionell. Tom Hanks kehrt als Harvard-Professor Robert Langdon zurück, an seiner Seite Felicity Jones. Im Deutschen sprach nach dem Tod von Arne Elsholtz erstmals Thomas Nero Wolff die Hauptrolle. Wie viel Rätsel verträgt ein Film, der vor allem rennen will?

Besetzung, Drehorte & Infos

Der Thriller „Inferno“ entstand 2016 in den Vereinigten Staaten. Regie führte Ron Howard, der bereits The Da Vinci Code und Illuminati inszeniert hatte. Das Drehbuch schrieb David Koepp nach dem Roman von Dan Brown. Die Musik stammt von Hans Zimmer und wurde unter der Leitung von Johannes Vogel in der Synchron Stage Vienna eingespielt. Hinter der Kamera stand Salvatore Totino. Den Schnitt besorgten Tom Elkins und Daniel P. Hanley. Der Soundtrack umfasst siebzehn Stücke und erschien am 14. Oktober 2016.

Tom Hanks schlüpft zum dritten Mal in die Rolle des Harvard-Professors Robert Langdon. Felicity Jones spielt die Ärztin Dr. Sienna Brooks, die ihm bei der Rückkehr seiner Erinnerung helfen will. Omar Sy übernahm die Rolle des Christophe Bouchard, Ben Foster die des Bertrand Zobrist. Irrfan Khan ist als Harry zu sehen, Sidse Babett Knudsen als WHO-Chefin Dr. Elizabeth Sinskey. Ana Ularu und Paul Ritter vervollständigen das Ensemble. Die deutsche Synchronbearbeitung entstand bei der Interopa Film in Berlin. Axel Malzacher schrieb das Dialogbuch und führte Dialogregie.

Gedreht wurde vom 27. April bis zum 21. Juli 2015. In Venedig entstanden Aufnahmen vor dem Markusdom, auf dem Canal Grande sowie vor Dogenpalast und Seufzerbrücke. Florenz steuerte die Uffizien, den Palazzo Vecchio und den Boboli-Garten bei. In Istanbul drehte man vor der Hagia Sophia, in Budapest in der Innenstadt. Die Laufzeit beträgt 122 Minuten, die FSK gab den Film ab zwölf Jahren frei. Die Deutschlandpremiere fand am 10. Oktober 2016 im Berliner Sony Center statt. Der Kinostart folgte drei Tage später.

Inhalt & Handlung vom Film „Inferno“

Bertrand Zobrist warnt in einer Rede vor der Überbevölkerung der Erde. Kurz darauf wird er von Christophe Bouchard verfolgt und stürzt sich von einem Kirchturm in den Tod. Unterdessen erwacht Robert Langdon mit einer Kopfwunde in einem Krankenhaus in Florenz. Er leidet unter Gedächtnisverlust und verstörenden Visionen. Als eine bewaffnete Polizistin auftaucht, flieht er mit Dr. Sienna Brooks in deren Wohnung. Dort entdecken sie einen Behälter, der sich nur mit Langdons Fingerabdruck öffnen lässt. Ein darin verborgenes Rollsiegel projiziert Botticellis Karte der Hölle. Versteckte Buchstaben führen zum Vecchio-Palast, doch die WHO hat bereits Langdons Spur aufgenommen.

Am nächsten Morgen versuchen Langdon und Sienna, die amerikanische Botschaft einzuschalten. Allerdings misstraut Sienna deren Mitarbeitern, während die Polizistin Vayentha erneut auftaucht. Beide fliehen deshalb in den Giardino di Boboli, wo sie von einer Drohne verfolgt werden. Über den Vasari-Korridor erreichen sie schließlich den Vecchio-Palast. Dort erfahren sie, dass Dantes Totenmaske gestohlen wurde. Überwachungsvideos zeigen ausgerechnet Langdon als Täter. Während WHO-Mitarbeiter den Palast durchsuchen, kommt es auf dem Dachboden zur Konfrontation. Sienna stößt Vayentha von den Balken, woraufhin diese durch die Decke stürzt und stirbt. Anschließend entkommen Langdon und Sienna.

Die Spur der Totenmaske

Eine Nachricht von Ignazio Busoni führt Langdon und Sienna zum Baptisterium San Giovanni, wo die verschwundene Maske versteckt liegt. Weitere Hinweise verweisen auf die Dogen von Venedig und einen unterirdischen Kanal. Als Bouchard die beiden stellt, behauptet er, WHO-Chefin Elizabeth Sinskey arbeite mit Zobrist zusammen. Deshalb reisen sie gemeinsam nach Venedig. Unterdessen erkennt Harry Sims, dass Zobrist mit einem Virus die Menschheit mindestens halbieren will. Er stellt sich gegen seine Organisation und kontaktiert Sinskey. Schließlich entpuppt sich Bouchard als Verräter, weshalb Langdon und Sienna den Zug in Padua verlassen und ihm entkommen.

Im Markusdom erkennen Langdon und Sienna, dass Enrico Dandolos Grabmal in Istanbul liegt. Als Bouchard sie aufspürt, verrät Sienna ihren Begleiter und flieht. Sie war Zobrists Geliebte und möchte dessen Plan vollenden. Allerdings kannte sie das Versteck der Biowaffe nicht, weshalb Zobrist die Hinweise eigens für sie hinterlassen hatte. Während Bouchard Langdon verhört, wird er von Sims erstochen. Dieser erklärt, dass die Verfolgung in Florenz inszeniert war, damit Langdon Sienna vertraut. Auch seine Kopfwunde war lediglich ein Schnitt, während sein Gedächtnisverlust durch chemische Mittel ausgelöst wurde.

Schließlich führt die Spur nach Istanbul in ein unterirdisches Zisternensystem, in dem gerade ein Orchesterkonzert stattfindet. Dort befindet sich der Behälter mit Zobrists gefährlichem Virus. Während Langdon und die WHO versuchen, die Katastrophe zu verhindern, erreicht auch Sienna das Versteck. Sie will Zobrists Werk vollenden und zündet deshalb einen Sprengsatz. Bei der Explosion kommt sie ums Leben, doch der Behälter mit der Biowaffe bleibt unbeschädigt. Somit wird das Virus nicht freigesetzt und die drohende Katastrophe verhindert.

Filmkritik und Fazit zum Film „Inferno“

Howard inszeniert „Inferno“ als Dauerlauf. Salvatore Totinos Kamera reist mit, hält die Städte im Bild und lässt ihnen kaum Zeit, sich zu entfalten. David Koepps Drehbuch verzichtet auf die verschachtelten Erzählstränge der Vorgänger und bleibt fast durchgehend bei zwei Figuren. Das schärft die Bedrohung und nimmt dem Stoff zugleich seine Verwinkelung. Tom Hanks spielt Langdon müder als früher, was der Rolle guttut. Felicity Jones hält dagegen mit einer Kühle, die spät ihren Zweck offenbart. Der Schnitt zerlegt die Fluchten in kleine Einheiten, etwa wenn Langdon kurz nach dem Erwachen aus dem Krankenhaus rennt, ohne zu wissen, wovor.

Das Tempo hält bis zum Schluss, was der Film mit Genauigkeit bezahlt. Hans Zimmers Musik arbeitet mit rauen, verzerrten Flächen und schiebt sich stellenweise vor die Bilder. Die Visionen der ersten Minuten gehören zu den stärksten Passagen, wenn sich Gesichter verzerren und Straßen in Feuer stehen. Danach dominiert Bewegung. Der Drohneneinsatz im Boboli-Garten ist handwerklich sauber und dramaturgisch beliebig. Die Rätsel lösen sich schneller, als das Publikum mitdenken kann, weshalb aus Symbolkunde eher Stichwortgeberei wird. Als Reiseprospekt funktioniert der Film zuverlässiger denn als Thriller.

Wer die ersten beiden Langdon-Filme mochte, bekommt hier eine schnellere, schlankere Variante desselben Prinzips. Freunde vertrackter Verschwörungsrätsel werden weniger Futter finden als früher. Die Schauwerte sind beträchtlich, von Florenz bis zur Zisterne unter Istanbul. Hanks und Jones tragen den Film durch seine dünneren Passagen. Zwei Stunden vergehen dabei ohne Längen. Für einen Abend im Kino reicht das gut. Als Höhepunkt der Reihe wird „Inferno“ nicht in Erinnerung bleiben.