Ruf der Wildnis
Jack Londons Roman erschien 1903 und hat seither Generationen von Lesern in den hohen Norden geschickt. Chris Sanders verfilmte den Stoff 2020 unter dem Titel „Ruf der Wildnis„. Für den Regisseur bedeutete die Arbeit das Debüt im Realfilm. Zuvor hatte er ausschließlich im Animationsfach gearbeitet, und diese Herkunft prägt jede Einstellung, denn sämtliche Hunde des Films entstanden am Rechner. Harrison Ford steht als einziger großer Name vor der Kamera. Der Klondike-Goldrausch der 1890er-Jahre bildet den Hintergrund. Das Budget lag bei geschätzten 135 Millionen US-Dollar.
| Dauer: | 100 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 6 Jahren |
| Jahr: | 2020 |
| Regie: | Chris Sanders |
| Produzenten: | James Mangold, Erwin Stoff |
| Hauptdarsteller: | Harrison Ford, Omar Sy, Dan Stevens |
| Nebendarsteller: | Karen Gillan, Bradley Whitford, Colin Woodell |
| Studio: | 20th Century Fox |
| Sprachen: | Deutsch, English |
20th Century Studios brachte den Film am 20. Februar 2020 in die deutschen Kinos. Es war die erste Veröffentlichung des Studios unter diesem Namen. Eine Pointe der Firmengeschichte: Die Verfilmung von 1935 war der letzte Film unter dem Namen 20th Century Pictures. Michael Green schrieb das Drehbuch, John Powell die Musik, Janusz Kamiński führte die Kamera. Weltweit spielte die Produktion 107,6 Millionen US-Dollar ein und blieb damit unter ihren Kosten. Was bleibt von literarischer Härte, wenn der Held eine Rechenoperation ist?
Besetzung, Drehorte & Infos
Der Abenteuerfilm „Ruf der Wildnis“ entstand 2020 als amerikanisch-kanadische Produktion. Regie führte Chris Sanders, bekannt aus dem Animationsfach. Das Drehbuch verfasste Michael Green nach dem Roman von Jack London aus dem Jahr 1903. Die Musik komponierte John Powell, hinter der Kamera stand Janusz Kamiński. Den Schnitt übernahmen David Heinz und William Hoy. Beteiligt waren 3 Arts Entertainment, TSG Entertainment und 20th Century Studios. Die deutsche Fassung entstand nach einem Dialogbuch von Klaus Bickert unter der Dialogregie von Katrin Fröhlich.
Harrison Ford spielt John Thornton, den Einsiedler, der Bucks Weg mehrfach kreuzt. Omar Sy übernimmt die Rolle des Postboten Perrault, Cara Gee die seiner Partnerin Françoise. Dan Stevens ist als Hal zu sehen, dem korrupten Goldsucher. Bradley Whitford, Jean Louisa Kelly, Michael Horse und Karen Gillan ergänzen das Ensemble. Die eigentliche Hauptfigur steht auf keiner Besetzungsliste. Buck, ein Mischling aus Bernhardiner und Scotch Collie, entstand vollständig im Computer. Dasselbe gilt für alle übrigen Hunde des Films.
Die Hauptdreharbeiten begannen Ende September 2018 in Los Angeles. Gedreht wurde unter anderem in Yukon, in British Columbia und in Santa Clarita. Vor Ort im hohen Norden entstand der Film überwiegend nicht, den Rest übernahm die Computeranimation. Die Laufzeit beträgt 100 Minuten, die FSK gab den Film ab sechs Jahren frei. Ursprünglich war der Start für den 25. Dezember 2019 geplant. Nach der Übernahme von Fox durch Disney verschob man ihn auf Februar 2020. In Deutschland zählte man 210.477 Besucher.
Inhalt & Handlung vom Film „Ruf der Wildnis“
Im späten 19. Jahrhundert lebt Buck bei Richter Miller in Santa Clara, Kalifornien, wo der große Mischling aus St. Bernard und Scotch Collie ein zufriedenes Leben führt. Doch eines Nachts wird er plötzlich entführt und anschließend an Bord eines Frachters zum Yukon verschifft. Während der Überfahrt misshandelt ihn zudem ein Besatzungsmitglied. Nach seiner Ankunft begegnet Buck kurz John Thornton und bringt ihm dabei eine fallengelassene Mundharmonika zurück. Wenig später wird Buck schließlich an Perrault und dessen Partnerin Françoise verkauft. Gemeinsam liefern die beiden mit einem Hundeschlitten Post über den Yukon. Dabei hofft Perrault, den langen Weg zum Postdepot mithilfe eines starken Hundes noch vor Ablauf der Frist zu schaffen. Im Rudel wartet allerdings bereits der bösartige Anführer, ein Husky namens Spitz.
Während der Fahrten gewinnt Buck zunehmend das Vertrauen von Françoise, und auch die übrigen Schlittenhunde nehmen ihn nach und nach in ihre Gemeinschaft auf. Spitz sieht darin jedoch eine wachsende Bedrohung seiner Stellung. Zugleich beginnt Buck, immer wieder Visionen seiner Vorfahren zu erleben, wobei ihn fortan ein schwarzer Wolf durch die verschneite Landschaft des Nordens begleitet. Eines Nachts fängt Buck schließlich ein Kaninchen, lässt es jedoch wieder frei. Daraufhin tötet Spitz das Tier und greift anschließend Buck an, um seine Dominanz zu behaupten. Doch Buck bezwingt ihn, woraufhin Spitz in der Wildnis verschwindet. Perrault macht Buck deshalb widerwillig zum neuen Anführer, weil kein anderer Hund die Position übernehmen will. Dank seiner Geschwindigkeit und seiner Kraft erreicht der Schlitten schließlich pünktlich das Depot, sodass für einen Moment alles an seinem Platz zu sein scheint.
Der Weg ins offene Tal
Vor der Rückreise stoppt Buck den Schlitten unerwartet und nimmt einen Brief von Thornton an, dem er erneut begegnet. Auch Perrault erhält eine Nachricht: Der Telegraph ersetzt künftig die Postroute. Deshalb muss er die Hunde verkaufen, die schließlich Hal übernimmt. Der reiche Goldsucher treibt das Rudel mit einem viel zu schweren Schlitten bis zur Erschöpfung. Als Buck sich weigert, einen instabilen gefrorenen See zu betreten, bedroht Hal ihn mit dem Gewehr. Thornton greift ein und rettet den Rüden, während Hal mit den übrigen Hunden weiterzieht.
Unter Thorntons Obhut erholt sich Buck. Wenig später kehrt Hal zurück und greift Thornton in einer Bar an, weil er ihm die Schuld am Verlust der Hunde gibt. Buck verteidigt Thornton, woraufhin Hal flieht. Anschließend ziehen Mann und Hund gemeinsam in die Wildnis. In einem Tal finden sie eine verlassene Hütte und verbringen ihre Tage mit Angeln und Goldwaschen. Gleichzeitig fühlt sich Buck immer stärker zu einer weißen Wölfin und ihrem Rudel hingezogen. Hal verfolgt die beiden unterdessen, weil er bei Thornton eine Goldader vermutet.
Als Thornton nach Hause zurückkehren will, verbringt Buck die Nacht bei der Wölfin. Dann hört er einen Schuss und eilt zur Hütte, wo Hal Thornton angeschossen hat. Buck greift Hal an und drängt ihn in die brennende Hütte, wo er stirbt. Der tödlich verletzte Thornton wünscht sich, dass Buck sein eigenes Leben führt. Daraufhin kehrt Buck zum Rudel zurück. Mit der weißen Wölfin bekommt er zahlreiche Nachkommen und wird schließlich zum Rudelführer, der den Ruf der Wildnis vollständig annimmt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Ruf der Wildnis“
Sanders inszeniert „Ruf der Wildnis“ als Animationsfilm, der sich zugleich als Realfilm ausgibt. Dabei findet Janusz Kamińskis Kamera für die Weiten des Nordens Bilder von großer Wucht. Zwischen diesen Panoramen bewegt sich jedoch ein Hund mit menschlicher Mimik, dem Trotz und Schadenfreude ins Gesicht geschrieben stehen. Beide Register vertragen sich nur bedingt. Harrison Ford hält die Konstruktion trotzdem zusammen, weil er seinen animierten Partner konsequent anspielt und glaubwürdig in die Szenen einbindet. Michael Greens Drehbuch wiederum reduziert Jack Londons Härte auf eine Kernidee. Sichtbar wird das etwa am Postdepot, wo ein ganzer Berufsstand durch einen einzigen Brief erledigt wird.
Auch das Tempo schwankt erheblich, denn auf ruhige Passagen im Goldsuchertal folgen abrupt Szenen, in denen ein schießender Widersacher die Handlung vorantreibt. Dan Stevens spielt Hal zudem mit großen Gesten, die neben dem sentimentalen Grundton fremd wirken. Gleichzeitig unterstreicht John Powells Musik die Gefühle mit breiten Streicherbögen. Besonders die Lawinensequenz zeigt jedoch die Grenzen der Animation, weil der Schnee deutlich als Rechenprodukt erkennbar bleibt.
Wer Abenteuerkino mit großen Landschaften sucht, wird in dem Film bedient. Freunde des Romans sollten dagegen wissen, dass von dessen Rauheit wenig übrig bleibt. Die Freundschaft zwischen Ford und dem animierten Buck trägt dennoch erstaunlich weit, während Kamińskis Bilder die große Leinwand rechtfertigen. Als Familienfilm ist das Ergebnis zu hart, als Erwachsenenkino dagegen zu weich. Für einen Sonntagnachmittag mit älteren Kindern funktioniert es dennoch. Wer Jack London im Original kennt, ist mit dem Buch allerdings besser bedient.

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