Stargate
Alte Bauwerke geben Rätsel auf, und manchmal führt der Versuch einer Erklärung weit über die Erde hinaus. „Stargate“ verbindet diese Vorstellung mit einem Science-Fiction-Abenteuer, in dem ägyptische Mythologie auf außerirdische Technik trifft. Zwischen Pyramiden, fremden Sternen und militärischen Befehlen geraten vertraute Gewissheiten ins Wanken. Denn was Menschen für göttliche Macht halten, könnte einen ganz anderen Ursprung haben. Zugleich verbindet der Film die Begegnung mit einer fremden Welt mit einer alten menschlichen Erfahrung: Herrschaft braucht Gehorsam, während Freiheit oft mit einem Zweifel beginnt.
| Dauer: | 116+ Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 12 Jahren |
| Jahr: | 1994 |
| Regie: | Roland Emmerich |
| Produzenten: | Dean Devlin, Oliver Eberle, Joel B. Michaels |
| Hauptdarsteller: | Kurt Russell, James Spader, Jaye Davidson |
| Nebendarsteller: | Viveca Lindfors, John Diehl, Mili Avital |
| Studio: | MGM |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Der Ägyptologe Daniel Jackson soll für das US-Militär die Inschriften eines geheimnisvollen Fundes übersetzen. Seine Arbeit ermöglicht den Zugang zu einem fernen Planeten, den er gemeinsam mit Colonel O’Neil und dessen Team betritt. Dort begegnen die Besucher einem Volk, das unter dem vermeintlichen Sonnengott Ra lebt. Aus der Erkundung entsteht ein Konflikt, der auch die persönlichen Bindungen der Männer verändert. Wie begegnet man einem Herrscher, dessen Untertanen ihn für einen Gott halten?
Besetzung, Drehorte & Infos
Der Science-Fiction-Film „Stargate“ entstand 1994 als Koproduktion der USA und Frankreichs und dauert 116 Minuten. Regie führte der deutsche Filmemacher Roland Emmerich. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit Dean Devlin. David Arnold komponierte die Musik und erhielt dafür 1995 den BMI Film Music Award. Karl Walter Lindenlaub übernahm die Kamera, den Schnitt besorgten Derek Brechin und Michael J. Duthie. Der Ägyptologe Stuart Tyson Smith beriet das Team bei den altägyptischen Dialogen. Die Sprache im Film beruht auf einem rekonstruierten Proto-Koptisch.
Kurt Russell und James Spader spielen die Hauptrollen, den Colonel Jack O’Neil und den Ägyptologen Dr. Daniel Jackson. Jaye Davidson übernahm die Rolle des Sonnengottes Ra. Der Schauspieler wollte nach seinem Erfolg mit The Crying Game eigentlich ablehnen und forderte deshalb eine Million Dollar, die man ihm bewilligte. Erick Avari, Alexis Cruz, Viveca Lindfors, Mili Avital und John Diehl ergänzen die Besetzung. Für French Stewart war es das Filmdebüt, für Roger Til der letzte Film. Ras glühende Augen entstanden erst in der Postproduktion.
Die Filmhandlung führt von einem geheimen Militärstützpunkt unter dem fiktiven Creek Mountain auf einen Wüstenplaneten. Das erste Design des Tores war komplett schwarz, was Emmerich an einen Autoreifen erinnerte. Danach wurde es silbern lackiert und einer Wählscheibe angeglichen. Die pferdeähnlichen Kreaturen auf dem Planeten waren echte Pferde in Gewändern, für Aufnahmen aus der Ferne dienten Hunde. Die FSK gab den Film ab zwölf Jahren frei. 1995 folgten die Goldene Leinwand und drei Universe Reader’s Choice Awards. Eine geplante Neuverfilmung wurde 2016 aufgegeben.
Inhalt & Handlung vom Film „Stargate“
Dr. Daniel Jackson vertritt eine unbequeme These. Denn nach seiner Überzeugung sind die ägyptischen Pyramiden erheblich älter als bisher angenommen. Doch die Fachwelt lacht ihn aus, während ein Zuhörer über Außerirdische als Erbauer spottet. Ohne Lehrauftrag steht der Ägyptologe deshalb bald auf der Straße. Dann jedoch tritt das US-Militär an ihn heran und bittet um Hilfe. Daraufhin bringt man ihn in eine geheime Anlage, in der ein 1928 auf dem Gizeh-Plateau gefundenes Artefakt lagert. Der Fund liegt dabei seit Jahrzehnten unter Verschluss. Die Inschriften auf den Abdecksteinen ergeben jedoch nach der Übersetzung ein klares Bild. Demnach handelt es sich um ein Sternentor, offenbar von Außerirdischen erbaut, das Reisen zu einem Gegenstück in einer anderen Galaxie ohne nennenswerten Zeitverlust erlaubt.
Bei der weiteren Analyse kommt Jackson schließlich auf die entscheidende Idee. Denn Zeichen, die bislang als nicht übersetzbar galten, entpuppen sich als Sternenkonstellationen. Sie dienen dem Tor somit als Ausgangs- und Zieladresse. Mit dieser Adresse gelingt daraufhin die Aktivierung, und es entsteht eine Verbindung zu einem Wüstenplaneten in einer fremden Galaxie. Ein Militärteam unter Colonel Jack O’Neil soll nun die Erkundung übernehmen, wobei Jackson als Übersetzer mitkommt. O’Neil trägt allerdings den Unfalltod seines Sohnes Tyler mit sich herum und wirkt entsprechend verschlossen. Für den Fall einer Bedrohung führt das Team außerdem eine Atombombe mit, die das dortige Tor zerstören soll. Die Reise durch das Wurmloch dauert hingegen nur Augenblicke. Auf der anderen Seite liegt dann eine Wüste unter fremdem Himmel. Dort richtet das Team zunächst ein Lager ein.
Ein Gott aus dem All
Beim Kontakt mit den Einheimischen erfahren die Besucher, dass das Volk in Sklaverei lebt und dem ägyptischen Sonnengott Ra dient. Jackson entschlüsselt die Zusammenhänge und entdeckt dessen wahre Herkunft: Ra ist ein Außerirdischer, der den frühen Ägyptern Technik, Astronomie und das Wissen um den Pyramidenbau brachte. Über das irdische Sternentor versorgte er seine Minen mit Sklaven von der Erde. Doch um 2000 vor Christus erhoben sich die Menschen in Ägypten, töteten die Aufseher und vergruben das Tor in der Wüste. Danach kehrte Ra nie zurück. Die Einheimischen nehmen die Besucher freundlich auf, und erste Freundschaften entstehen.
Während Jackson der jungen Sha’uri näherkommt, bleibt die Mission für O’Neil ein Auftrag mit klarem Endpunkt. Beim Rückweg zum Sternentor geraten sie jedoch an Ra, der das Team gefangen nehmen lässt. Seine glühenden Augen und sein Raumschiff demonstrieren seine Macht. Dennoch helfen die neuen Freunde den Gefangenen zur Flucht. Anschließend zetteln Jackson und O’Neil unter den Sklaven eine Revolte an. Die Aufseher verlieren die Kontrolle, als sich das Volk gegen seinen Herrn erhebt. Ra erkennt, dass seine Herrschaft auf dem Planeten zusammenbricht, und sucht einen Ausweg.
Der Aufstand zwingt Ra schließlich zum Rückzug. Er will mit seinem Raumschiff in den Orbit fliehen und die Angelegenheit von oben regeln. Doch Jackson und O’Neil kommen ihm zuvor, indem sie die mitgebrachte Atombombe an Bord teleportieren. Die Explosion vernichtet das Schiff samt seinem Herrscher. Damit ist das Volk frei, und das Sternentor bleibt unversehrt. Zurück bleibt eine Welt, die ihren Gott verloren hat und nun ohne seine Herrschaft weiterleben kann. O’Neil findet durch die Mission zu einem Rest von Frieden mit sich selbst. Jackson dagegen hat sich in Sha’uri verliebt und entscheidet sich, auf dem fremden Planeten zu bleiben. Die übrigen Teammitglieder kehren durch das Tor zur Erde zurück.
Filmkritik und Fazit zum Film „Stargate“
Roland Emmerich baut „Stargate“ aus zwei Hälften, die kaum zusammenpassen. Der erste Teil lebt von Jacksons Entzifferungsarbeit, von Kreide, Tafeln und plötzlichen Einsichten. Der zweite Teil folgt den Regeln des Abenteuerfilms, mit Wüste, Waffen und Aufstand. Karl Walter Lindenlaubs Kamera nutzt die Weite der Sandflächen und die Enge der Grabkammern gleichermaßen. David Arnolds Partitur trägt den Film mit einem Hauptthema, das an klassische Monumentalfilme erinnert. James Spader gibt seinem Wissenschaftler eine nervöse Beflissenheit, Kurt Russell setzt dagegen auf steinerne Zurückhaltung. Jaye Davidson spielt Ra als androgyne Erscheinung, die mehr durch Auftreten als durch Text wirkt.
Das Tempo bleibt über 116 Minuten gleichmäßig, ohne große Beschleunigung. Die Aktivierung des Tores, bei der eine Wasserfläche senkrecht in den Ring schlägt und wieder zurückfällt, gehört zu den einprägsamsten Effekten des Jahrzehnts. Ihr steht eine kleine Szene gegenüber, in der Jackson vor einer Wand voller Hieroglyphen den Schlüssel zu einer toten Sprache findet. Die Kostüme und Masken zeigen erkennbaren Aufwand, was die Nominierung beim Saturn Award erklärt. Die Figurenzeichnung bleibt dagegen schematisch, besonders auf Seiten des Militärs. Der Schluss löst alles mit einer einzigen Bombe.
Der Film gewann 1994 den Saturn Award als bester Science-Fiction-Film und legte den Grundstein für gleich drei Fernsehserien. Wer Prä-Astronautik als Erzählspielzeug mag, findet hier den bekanntesten Vertreter dieser Idee. Die Mischung aus Sprachwissenschaft und Militäraktion bleibt bis heute ungewöhnlich reizvoll. Freunde des klassischen Science-Fiction-Abenteuers sollten zugreifen, allein wegen der Bildwelt und der Musik von David Arnold. Wer wissenschaftliche Genauigkeit erwartet, wird an anderer Stelle glücklicher.

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