Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel

Wenn ein Film es schafft, eine ganze Generation an die Fliegerbrille und das Lederjacken-Gefühl zu erinnern, dann hat er mehr getroffen als nur den Zeitgeschmack. „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ von Tony Scott aus dem Jahr 1986 gehört zu den Werken, die ihre Wirkung bis heute behalten haben. Tom Cruise fliegt darin als junger Navy-Pilot durch sonnendurchflutete Himmel und durch eine Geschichte, die Mut, Verlust und Ehrgeiz miteinander verknüpft. Der Film wurde ein Phänomen weit über das Kino hinaus.

Top Gun
Dauer: 109 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Jahr:
Regie: Tony Scott
Produzenten: Don Simpson, Jerry Bruckheimer
Hauptdarsteller: Tom Cruise, Kelly McGillis, Val Kilmer
Nebendarsteller: Anthony Edwards, Tom Skerritt, Michael Ironside
Studio: Paramount Pictures
Sprachen: Deutsch, English

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Schon der deutsche Untertitel verspricht Pathos, und genau das liefert dieser Streifen in jeder Sekunde seiner 109 Minuten. Die Kameras sitzen in echten Cockpits, die Maschinen drehen reale Kurven, und der Soundtrack pumpt Adrenalin in jede Szene. Hinter der glänzenden Oberfläche steckt mehr Handwerk, als der erste Blick vermuten lässt. Wer genauer hinschaut, entdeckt eine sorgfältig kalkulierte Mischung aus Werbefilm und Heldenepos, getragen von einem damals noch jungen Tom Cruise. Bleibt also die Frage, ob hinter dem Hochglanz auch echte Substanz auf das Publikum wartet?

Besetzung, Drehorte & Infos

„Top Gun“ entstand 1986 unter der Regie von Tony Scott, einem Filmemacher mit ausgeprägtem Sinn für Bildwirkung. Das Drehbuch verfassten Jim Cash und Jack Epps Jr., die Produktion übernahmen Don Simpson und Jerry Bruckheimer. Die Musik komponierte Harold Faltermeyer, dessen Synthesizer-Klänge zum Markenzeichen des Films wurden. Für die Kamera waren Jeffrey L. Kimball und Bob Carmichael verantwortlich, den Schnitt besorgten Chris Lebenzon und Billy Weber. Das Produktionsbudget lag bei 15 Millionen US-Dollar, eine vergleichsweise schlanke Summe für ein solches Spektakel.

Im Mittelpunkt steht Tom Cruise als Lieutenant Pete „Maverick“ Mitchell, an seiner Seite Kelly McGillis als zivile Ausbilderin Charlotte „Charlie“ Blackwood. Anthony Edwards spielt den treuen RIO Nick „Goose“ Bradshaw, Val Kilmer verkörpert den kühlen Rivalen Tom „Iceman“ Kazanski. Tom Skerritt gibt den Chefausbilder „Viper“, Michael Ironside den strengen „Jester“. In kleineren Rollen tauchen später berühmte Namen auf, darunter Meg Ryan als Carol Bradshaw und Tim Robbins als „Merlin“.

Gedreht wurde größtenteils auf dem Flugzeugträger Ranger, obwohl die Handlung auf der Enterprise spielt. Nur in den Totalen erscheint das namensgebende Schiff. Die Laufzeit beträgt 109 Minuten, die FSK-Freigabe liegt heute bei zwölf Jahren, ursprünglich war der Film ab sechzehn eingestuft. Der Song „Take My Breath Away“ gewann 1987 den Oscar als bester Song, dazu kamen drei weitere Oscar-Nominierungen sowie die Goldene Leinwand. In den USA startete der Film am 16. Mai 1986, in Deutschland erst im August. Mehr als drei Jahrzehnte später erhielt der Film mit „Top Gun: Maverick“ eine Fortsetzung. Tom Cruise kehrte darin als Pete „Maverick“ Mitchell zurück. Der zweite Teil kam 2022 in die Kinos und knüpfte sowohl inhaltlich als auch mit zahlreichen Anspielungen an den Film von 1986 an.

Inhalt & Handlung vom Film „Top Gun“

Die Geschichte beginnt irgendwo über dem Indischen Ozean. Maverick und sein Waffensystemoffizier Goose patrouillieren als Flügelmann von Cougar und dessen RIO Merlin, als zwei feindliche Maschinen vom fiktiven Typ MiG-28 in den Luftraum des Trägers eindringen. Zwar schüchtert Maverick die Eindringlinge ein und dreht sie ab, doch Cougar erleidet eine Panikattacke und kann deshalb dem Befehl zur Rückkehr nicht mehr folgen. Obwohl der Treibstoff knapp wird, widersetzt sich Maverick dem Kommandeur Stinger und leitet seinen Kameraden sicher zurück. Cougar gibt danach erschüttert seinen Abschied, sodass Maverick und Goose zur Eliteflugschule Top Gun in Miramar abkommandiert werden.

An der Schule gerät Maverick rasch in Rivalität mit dem ehrgeizigen Iceman. Seine rücksichtslose Flugweise bringt ihm zwar Erfolge, doch zugleich verletzt sie wiederholt die Einsatzregeln und untergräbt den Teamgeist. Bei einem simulierten Luftkampf verlässt er seinen Partner Hollywood, um eigenmächtig den Chefausbilder Viper zu jagen, woraufhin er prompt von dessen Flügelmann simuliert abgeschossen wird. Abseits des Stützpunkts lernt er unterdessen in einer Bar Charlie kennen, ohne zu ahnen, dass sie als zivile Ausbilderin bei Top Gun arbeitet. Mit seinem geheimen Wissen über die Flugeigenschaften der MiG-28 beeindruckt er sie, und schließlich beginnen die beiden eine heimliche Affäre.

Schuld, Trauer und Rückkehr

Beim nächsten Einsatz jagen Maverick und Iceman gemeinsam Jester. Maverick will sein Feuerleitradar auf dessen A-4 Skyhawk aufschalten, doch Iceman versperrt die Schussbahn. Als dieser abdreht, gerät Mavericks F-14 in seinen Abgasstrahl. Beide Triebwerke fallen aus, sodass die Maschine unkontrolliert trudelt. Beim Ausstieg mit dem Schleudersitz prallt Goose gegen das Cockpitdach und stirbt. Zwar macht seine Witwe Carol Maverick keine Vorwürfe, und auch die Unfallkommission spricht ihn frei, doch seine Schuldgefühle bleiben. Deshalb dreht er bei der nächsten Übung trotz günstiger Schussposition ab und zweifelt daran, ob er noch Pilot sein will.

Daraufhin sucht Maverick Rat bei Viper, der seine Karriere riskiert, um ihm die verschwiegene Wahrheit über seinen Vater zu erzählen. Duke Mitchell wurde 1965 bei einem Luftkampf über Vietnam getroffen, kämpfte jedoch weiter und rettete drei Piloten, bevor er abstürzte. Seine Tat hätte die Medal of Honor verdient, wurde aber geheim gehalten, weil das Gefecht außerhalb des vietnamesischen Luftraums stattgefunden hatte und Washington einen internationalen Zwischenfall verhindern wollte. Das Wissen um den Mut seines Vaters gibt Maverick neue Kraft, sodass er zur Flugschule zurückkehrt.

Nach dem Abschluss werden Maverick, Iceman, Hollywood und weitere Piloten auf die Enterprise abkommandiert, um ein antriebslos in feindlichen Gewässern treibendes Spionageschiff zu schützen. Während der Patrouille greifen sechs MiGs an. Hollywood wird abgeschossen, während Iceman mit beschädigter Maschine weiterkämpft. Mavericks Start verzögert sich durch eine defekte Startanlage, doch schließlich gelingt der Katapultstart. Im Gefecht gerät seine F-14 erneut ins Trudeln, diesmal kann er sie jedoch abfangen. Mit Gooses Erkennungsmarke in der Hand überwindet er seine Angst, schießt drei MiGs ab und deckt zugleich Iceman, der ebenfalls einen Gegner trifft. Die gemeinsame Bewährungsprobe beendet ihre Rivalität, sodass aus Konkurrenten Freunde werden. Schließlich kehrt Maverick als Ausbilder nach Miramar zurück, wo er Charlie wiedertrifft.

Filmkritik und Fazit zum Film „Top Gun“

Tony Scott inszeniert „Top Gun“ als reines Gefühlskino, in dem das Bild über dem Wort steht. Seine Regie setzt auf Tempo, Sonnenlicht und glänzende Oberflächen, während die Figurenzeichnung schlank bleibt. Tom Cruise trägt den Film mit jugendlichem Charisma, Val Kilmer kontert ihn als kühler Gegenspieler wirkungsvoll. Die Kameraarbeit in den echten Cockpits zählt zum Beeindruckendsten, was das Action-Kino jener Jahre hervorgebracht hat. Der Ton arbeitet präzise mit dem Dröhnen der Triebwerke und dem Zischen der Raketen, und Harold Faltermeyers Musik verleiht selbst ruhigen Momenten einen pulsierenden Unterbau.

Das Tempo zieht im Wechsel zwischen Flugszenen und Bodenhandlung an, auch wenn die romantischen Passagen den Schwung gelegentlich bremsen. Die Bildsprache lebt von goldenen Gegenlichtern, etwa wenn die Silhouetten der Piloten gegen den Abendhimmel stehen. Eine Szene auf dem sonnenheißen Rollfeld zeigt, wie Scott Stimmung aus bloßem Licht formt, während die Maschinen im Hitzeflimmern stehen. Der Eröffnungsflug mit den abdrehenden MiGs entfaltet bis heute eine enorme Sogkraft, und die Musik treibt die Manöver vorwärts. Spannung und Schauwert stehen klar über psychologischer Tiefe, was die packende Wirkung der Flugmanöver kaum schmälert.

Am Ende bleibt ein Film, der seine Schwächen in der Figurenzeichnung durch handwerkliche Klasse und mitreißende Energie aufwiegt. Wer Action mit Herzschlag, echten Flugbildern und einem unverwechselbaren Soundtrack sucht, findet hier einen Klassiker, der seinen Ruf zu Recht trägt. Ich empfehle „Top Gun“ allen, die sich auf ein Stück reines Kinogefühl einlassen möchten, ohne tiefe Charakterstudien zu erwarten. Wer dagegen psychologische Vielschichtigkeit sucht, wird hier weniger fündig. Als sinnliches Erlebnis aus Tempo, Klang und Bild bleibt das Werk ein Ereignis für den Adrenalinkick.