Wish
Zum hundertsten Firmenjubiläum stellten die Walt Disney Animation Studios 2023 einen Film vor, der ihr ureigenes Motiv bereits im Titel trägt. „Wish“ ist die 62. Produktion der Meisterwerke-Reihe und lief am 22. November 2023 in den US-amerikanischen Kinos an, gut eine Woche später in den deutschsprachigen. Die Arbeit daran begann bereits 2018, angekündigt wurde das Projekt erst im Januar 2022. Regie führten Chris Buck und Fawn Veerasunthorn. Gewidmet ist der Film dem im März 2023 verstorbenen Animator und Drehbuchautor Burny Mattinson.
| Dauer: | 95 Min. |
|---|---|
| Jahr: | 2023 |
| Regie: | Chris Buck, Fawn Veerasunthorn |
| Produzenten: | Peter Del Vecho, Juan Pablo Reyes Lancaster-Jones |
| Hauptdarsteller: | Ariana DeBose, Alan Tudyk, Natasha Rothwell |
| Nebendarsteller: | Stefan Kaminski, Patricia Meeden, Rubina Nath |
| Studio: | Disney |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Produziert wurde im CinemaScope-Verfahren mit dem Seitenverhältnis 2,55:1, das die Walt Disney Studios seit Dornröschen von 1959 nicht mehr eingesetzt hatten. Ein Format aus einer anderen Ära, für ein Jubiläum bewusst gewählt. Die Weltpremiere fand am 8. November 2023 im El Capitan Theatre auf dem Hollywood Boulevard statt. Ein Königreich, in dem Wünsche zentral verwaltet werden, klingt zunächst nach einem Versprechen. Der Film stellt diese Frage von der ersten Minute an. Was geschieht, wenn ein Einzelner die Verwaltung des Sehnens übernimmt?
Besetzung, Drehorte & Infos
Der US-amerikanische Animations- und Musicalfilm „Wish“ läuft 95 Minuten und ist ohne Altersbeschränkung freigegeben. Regie führten Chris Buck und Fawn Veerasunthorn, das Drehbuch schrieben Jennifer Lee und Allison Moore. Die Musik stammt von Dave Metzger. Für die Kamera zeichnen Rob Dressel und Adolph Lusinsky verantwortlich, den Schnitt übernahm Jeff Draheim. Der Song This Wish von Julia Michaels, Benjamin Rice und JP Saxe wurde mehrfach nominiert, unter anderem bei den Critics’ Choice Movie Awards 2024 und den Hollywood Music in Media Awards 2023.
Ariana DeBose spricht die 17-jährige Asha im Original und wurde dafür bei den Black Reel Awards, den NAACP Image Awards und den Nickelodeon Kids’ Choice Awards 2024 nominiert. Die Alliance of Women Film Journalists führte Asha als beste weibliche Animationsfigur. Grace C. Kim erhielt eine Nominierung bei den Artios Awards für das Casting. Die deutsche Fassung entstand bei der Berliner Interopa Film GmbH, übersetzt von Andreas Pohr, mit Dialogbuch und Dialogregie von Axel Malzacher. Zur deutschen Premiere kamen die Synchronsprecherinnen Patricia Meeden und Hazel Brugger.
Die Liedtexte bearbeitete Christopher Tobias Noodt, die musikalische Leitung lag bei Andreas Hommelsheim. Die deutsche Premiere fand am 14. November 2023 im Berliner Zoo Palast statt, im Beisein beider Regisseure und des Produzenten Peter Del Vecho. Vorab liefen Previews, in Deutschland am 25. und 26. November, mit dem Kurzfilm Once Upon A Studio im Vorprogramm. Weltweit spielte der Film 255 Millionen Dollar ein, in Deutschland sahen ihn gut zwei Millionen Menschen. Seit April 2024 steht er im Abonnement von Disney+ bereit.
Inhalt & Handlung vom Film „Wish“
Vor vielen Jahren gründeten König Magnifico und seine Frau Amaya das Königreich Rosas auf einer Insel im Mittelmeer. Da Magnifico ein studierter Zauberer ist, kann er die größten Wünsche seiner Untertanen erfüllen. Allerdings ist der Preis dafür ungewöhnlich, denn jeder gibt die Erinnerung an seinen Wunsch ab, damit der König ihn versiegelt und bewahrt, bis eine Erfüllung möglich wird. Einmal im Monat wählt Magnifico schließlich bei einer feierlichen Zeremonie einen Wunsch aus. In der Gegenwart bereitet sich die 17-jährige Asha darauf vor, sich als Lehrling zu bewerben, und das ausgerechnet am hundertsten Geburtstag ihres Großvaters Sabino. Dabei hofft sie, dass der König dessen Wunsch erfüllen wird, die Menschen zu inspirieren. Sabino hat ihn bereits vor Jahrzehnten abgegeben und wartet seither auf seine Erfüllung. Deshalb hängt für die Familie besonders viel von diesem Tag ab.
Zunächst verläuft das Vorstellungsgespräch gut, doch die Stimmung ändert sich, als Asha um die Erfüllung von Sabinos Wunsch bittet. Magnifico lehnt jedoch ab, weil ihm die Unbestimmbarkeit dieses Wunsches als Bedrohung seiner Macht erscheint. Dadurch begreift Asha schließlich, dass er die nicht erfüllten Wünsche niemals an ihre Besitzer zurückgeben will. Als sie daraufhin seine Methoden hinterfragt, verweigert er ihr sowohl die Ausbildung als auch jede Wunscherfüllung für ihre Familie. Zu Hause versucht sie anschließend vergeblich, Sabino und ihre Mutter Sakina von ihrer Sichtweise zu überzeugen. Doch ihr Großvater reagiert entrüstet und wirft ihr vor, ihm damit das Herz gebrochen zu haben. Verzweifelt läuft Asha deshalb zum Wunschbaum, an dem sie früher gemeinsam mit ihrem verstorbenen Vater die Sterne beobachtet hat. Dort spricht sie schließlich einen Wunsch aus, der diesmal ihr selbst gilt, und verlangt nach einem Stern. Was daraufhin geschieht, hat sie jedoch nicht erwartet.
Ein Stern verändert alles
Tatsächlich fällt eine Lichtkugel vom Himmel, die Asha Stern nennt. Dessen Magie verleiht den Waldtieren und Ashas Hausziege Valentino die Fähigkeit zu sprechen, woraufhin Asha um Hilfe bittet, die Wünsche ihrer Familie zurückzuholen. Im ganzen Königreich ist Sterns Anwesenheit zu spüren, weshalb Magnifico sich bedroht fühlt. Gegen Amayas Bitten greift er deshalb zu verbotener dunkler Magie, während seine Untertanen zunehmend an seiner Herrschaft zweifeln. Asha holt unterdessen Sabinos Wunsch zurück, sodass der alte Mann sich endlich wieder erinnern kann. Als Magnifico von Ashas Rolle bei Sterns Erscheinen erfährt, will er sie verhaften, wodurch der Konflikt offen ausbricht.
Von der dunklen Magie korrumpiert, zerstört Magnifico Sakinas Wunsch und plant, Sterns Kraft sowie die Wünsche von Rosas für seine eigene Macht zu nutzen. Während Sabino und Sakina auf eine nahe Insel fliehen, bleiben Asha, Stern und Valentino zurück, um die Wünsche der Bürger zu befreien. Allerdings hat Simon Asha an den König verraten, weil er sich davon die Erfüllung seines Wunsches erhofft, Ritter zu werden. Magnifico erfüllt ihn und macht Simon zugleich zu seinem Handlanger. Daraufhin versammelt Asha Dahlia, Bazeema, Dario, Gabo, Hal und Safi um sich. Auch Amaya schließt sich ihnen an, nachdem sie die Korruption ihres Mannes erkannt hat.
Während die Freunde mit Stern und Valentino in Magnificos Arbeitszimmer eindringen, um die Wünsche zu befreien, lenkt Asha den König ab. Zwar überlistet der verzauberte Simon sie zunächst, doch mithilfe der Tiere setzt sie sich durch. Magnifico steigt schließlich auf den Schlossturm, nimmt die Kraft aller Wünsche an sich und fängt Stern ein. Obwohl er den Himmel verdunkelt und die Bürger lähmt, ermutigt Asha sie zu einem gemeinsamen Wunsch. Dessen Kraft wendet Magnificos Magie gegen ihn und sperrt ihn in seinen Spiegel. Anschließend wird Amaya alleinige Herrscherin, Simon wird verziehen und Stern schenkt Asha einen Zauberstab, bevor er zum Himmel zurückkehrt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Wish“
Chris Buck und Fawn Veerasunthorn inszenieren „Wish“ als Rückblick auf die eigene Studiogeschichte. Die Hintergründe wirken wie Aquarelle aus einem Bilderbuch, die Figuren bleiben erkennbar computeranimierte Körper. Diese Mischung braucht ein paar Minuten Eingewöhnung und entwickelt dann einen eigenen Reiz, zumal das lange nicht mehr verwendete Breitwandformat den Bildern ungewohnte Weite gibt. Das Drehbuch von Jennifer Lee und Allison Moore folgt einer sehr vertrauten Ordnung: mutige Heldin, komische Freunde, sprechendes Tier, gemeinsamer Sieg im Finale. Ariana DeBose gibt Asha im Original einen hellen, drängenden Ton, der die Figur über manche Drehbuchlücke trägt.
Dave Metzgers Musik trägt die Nummern zuverlässig, ohne einen Ohrwurm von der Wucht früherer Studioerfolge zu hinterlassen. Zwei Momente bleiben haften: die Zeremonie, bei der ein einzelner Wunsch aus einem Meer schwebender Lichter ausgewählt wird, und der nächtliche Gang zum Wunschbaum, in dem der Film seine schönste Ruhe findet. Das Tempo der 95 Minuten ist hoch, mitunter zu hoch für die eigenen Themen. Der Herrscher bleibt die interessantere Figur, weil seine Motive einmal ehrenwert waren. Die Heldin dagegen wirkt auffallend glatt. Der Schnitt von Jeff Draheim hält die Nummern eng beieinander.
Für Familien mit jüngeren Kindern eignet sich der Film gut, die düsteren Passagen bleiben dosiert und die Freigabe ohne Altersbeschränkung ist nachvollziehbar. Wer die Studiohistorie kennt, wird an den zahllosen Verweisen seine Freude haben. Wer erzählerische Überraschungen sucht, findet davon wenig. Als Jubiläumsarbeit erfüllt der Film seinen Zweck, als eigenständiges Werk bleibt er hinter den stärkeren Produktionen des Hauses zurück. Für einen Kinoabend mit der Familie reicht das allemal, für eine Wiederentdeckung in zehn Jahren vermutlich nicht.

