Kap der Angst
Rache ist ein alter Stoff, der im Kino selten seine Wirkung verliert. 1962 erzählte Hollywood ihn als Schwarzweißthriller unter dem Titel Ein Köder für die Bestie. Fast dreißig Jahre später nahm sich Martin Scorsese denselben Roman von John D. MacDonald noch einmal vor. „Kap der Angst“ kam 1991 in die amerikanischen Kinos und teilte die Rollen neu. Robert De Niro spielte den Entlassenen, Nick Nolte den Anwalt. Freddie Francis stand an der Kamera, Thelma Schoonmaker schnitt den Film. Die Musik stammt von Bernard Herrmann, arrangiert von Elmer Bernstein.
| Dauer: | 128 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 16 Jahren |
| Jahr: | 1991 |
| Regie: | Martin Scorsese |
| Produzenten: | Barbara De Fina, Kathleen Kennedy, Frank Marshall |
| Hauptdarsteller: | Robert De Niro, Nick Nolte, Jessica Lange |
| Nebendarsteller: | Joe Don Baker, Robert Mitchum, Juliette Lewis |
| Studio: | NBC Universal |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Scorsese verwischt die Linie zwischen Täter und Opfer. Der Anwalt hat vor Jahren ein entlastendes Gutachten zurückgehalten, der Häftling hat vierzehn Jahre gesessen und daraus eine Mission gemacht. Robert Mitchum und Gregory Peck, die Gegenspieler der ersten Verfilmung, treten in kleinen Rollen auf. Auch Martin Balsam aus dem Original ist zu sehen. Wer verdient Schutz, wenn der Verteidiger sein Amt verraten hat und der Verurteilte das Gesetz besser kennt als die Gerichte?
Besetzung, Drehorte & Infos
Der US-amerikanische Psychothriller „Kap der Angst“ erschien 1991 und dauert 128 Minuten. Der Originaltitel lautet Cape Fear, die Vorlage ist John D. MacDonalds Roman The Executioners. Martin Scorsese führte Regie, das Drehbuch schrieb Wesley Strick. Die Musik stammt von Bernard Herrmann und wurde von Elmer Bernstein arrangiert. Freddie Francis übernahm die Kamera, Thelma Schoonmaker den Schnitt. Der Soundtrack enthält zudem Stücke von Guns N‘ Roses, Aretha Franklin, The Cramps und Jane’s Addiction. Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor ist ebenfalls zu hören.
Robert De Niro spielt Max Cady, den frisch entlassenen Häftling. Nick Nolte verkörpert seinen früheren Pflichtverteidiger Sam Bowden. Jessica Lange übernimmt die Rolle der Ehefrau Leigh, Juliette Lewis die der Tochter Danielle. Joe Don Baker ist als Detektiv Claude Kersek zu sehen. Robert Mitchum und Gregory Peck, die Kontrahenten der Verfilmung von 1962, absolvieren Gastauftritte, Peck als Anwalt vor Gericht und Mitchum als Polizist. Martin Balsam, im Original der Polizeichef, spielt hier einen Richter. Für Scorsese war es die siebte Zusammenarbeit mit De Niro.
Die Dreharbeiten begannen am 19. November 1990 am Dania Beach und in Fort Lauderdale in Florida. Am 17. März 1991 waren sie abgeschlossen. Es war der erste von sechs Filmen, die Scorsese für Universal Pictures drehte. Die Premiere fand am 6. Oktober 1991 im Lincoln Center in New York statt, der reguläre US-Start folgte am 15. November. In Deutschland lief der Film ab dem 27. Februar 1992, zuvor wurde er auf der Berlinale gezeigt. Die FSK gab ihn ab sechzehn Jahren frei.
Inhalt & Handlung vom Film „Kap der Angst“
Vierzehn Jahre saß Max Cady wegen Vergewaltigung im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er sich deshalb an seinem damaligen Pflichtverteidiger Samuel Bowden rächen. Dieser hatte ein entlastendes Gutachten unterschlagen und damit zu Cadys Verurteilung beigetragen. Daher macht Cady den Anwalt für seine Haft und das erlittene Leid verantwortlich. Bowden weist ihn jedoch zurück und versucht gleichzeitig, seine Familie zu schützen. Kurz darauf vergiftet Cady den Familienhund.
Bowden bietet Cady Geld an, doch dieser lehnt das Angebot entschieden ab. Stattdessen vergewaltigt und misshandelt er Lori Davis, eine Bekannte des Anwalts. Obwohl Bowden sie zur Anzeige drängt, weigert sich Lori aus Angst vor öffentlicher Bloßstellung. Unterdessen vermutet seine Frau Leigh eine Affäre und stellt ihn deshalb zur Rede. Dabei kommt auch eine frühere Untreue zur Sprache, wodurch sich der Konflikt weiter verschärft. Tochter Danielle leidet zunehmend unter den familiären Spannungen.
Ein Gegner ohne Angriffsfläche
Cady kontaktiert Danielle, wobei er sich als ihr neuer Schauspiellehrer ausgibt. Anschließend lockt er sie in einen leeren Theaterraum, gewinnt ihr Vertrauen und küsst sie. Selbst nachdem Danielle seine wahre Identität erkennt, bleibt sie bei ihm und setzt das Gespräch fort. Als Bowden von der Begegnung erfährt, folgt er schließlich dem Vorschlag des Detektivs Claude Kersek, drei Schläger auf Cady anzusetzen.
Bowden bedroht Cady, während dieser das Gespräch heimlich aufzeichnet. Als drei Männer ihn daraufhin angreifen, überwältigt er sie jedoch. Anschließend nutzt er die Aufnahme, um juristisch gegen Bowden vorzugehen. Sein Anwalt Lee Heller informiert daraufhin die Anwaltskammer. Infolgedessen verpflichtet ein Gericht Bowden, Abstand zu halten. Zusätzlich droht ihm der Ausschluss aus der Kammer. Dabei nutzt Cady seine im Gefängnis erworbenen Rechtskenntnisse geschickt aus.
Kersek plant, Cady durch eine vorgetäuschte Abreise in eine Falle zu locken. Allerdings durchschaut Cady den Plan, woraufhin er die Haushälterin und anschließend den Detektiv ermordet. Bowden flieht deshalb mit seiner Familie auf ein Hausboot, auf dem Cady bereits wartet. Während eines Unwetters überwältigt er den Anwalt und bedroht dessen Familie. Danielle verletzt ihn zwar mit Feuer, doch Cady kehrt trotzdem zurück. Nach einem heftigen Kampf zerbricht schließlich das aufgelaufene Boot. Dabei versinkt Cady mit Handschellen am Mast im Wasser, während Bowden seine Frau und Tochter lebend wiederfindet.
Filmkritik und Fazit zum Film „Kap der Angst“
Scorsese inszeniert „Kap der Angst“ als Genrestück und als Familienstudie zugleich. Freddie Francis fotografiert Florida in einem gelblichen Licht, das schon vor der ersten Bedrohung ungesund wirkt. Die Bildsprache arbeitet mit Verzerrungen und ungewöhnlichen Perspektiven. Thelma Schoonmaker schneidet diese Effekte so sparsam, dass sie nie zur Manier werden. Robert De Niro spielt Max Cady mit predigender Sprache und lauernder Ruhe, halb Prophet, halb Raubtier. Nick Nolte gibt den Anwalt als Mann, der ständig zu spät begreift, was er selbst angerichtet hat. Bernard Herrmanns Musik in Elmer Bernsteins Arrangement zitiert das Kino der sechziger Jahre und zieht es ins Grelle.
Das Tempo zieht langsam an, über zwei Stunden hinweg. Die Begegnung im Kinosaal, in der Cady lachend hinter der Familie sitzt, während auf der Leinwand eine Komödie läuft, gehört zu den unangenehmsten Szenen des Films. Ihr steht das Gespräch im leeren Theaterraum gegenüber, das ohne einen einzigen lauten Ton auskommt und trotzdem kaum auszuhalten ist. Genau dort liegt die Stärke der Inszenierung. Der Schluss auf dem Hausboot kippt dagegen ins Übergroße, mit Sturm, Feuer und Wasser. Wer den nüchternen Ton des Originals von 1962 schätzt, wird diesen Überschwang bemerken.
Scorsese liefert einen Thriller, der seine Spannung aus Schuld bezieht und nicht aus Überraschungen. Wer psychologisches Genrekino mag, in dem beide Seiten beschädigt sind, findet hier einen der Hauptvertreter der neunziger Jahre. Die Freigabe ab sechzehn Jahren hat ihren Grund, denn der Film zeigt sexualisierte Gewalt ohne Beschönigung. Liebhaber des Fachs sollten zugreifen, schon wegen De Niros Auftritt und der Gastrollen von Mitchum und Peck. Wer einen geradlinigen Rachethriller sucht, greift besser zur Fassung von 1962.

