Obsession – Du sollst mich lieben
Der Wunsch als Falle gehört zu den ältesten Motiven des fantastischen Erzählens. Wer sich etwas ausbedingt, bekommt es, und zahlt dafür. Curry Barker, im Netz als Sketch-Komiker bekannt geworden, greift dieses Motiv in seinem zweiten Langfilm auf. „Obsession – Du sollst mich lieben“ feierte im September 2025 beim Toronto International Film Festival Premiere und arbeitete sich von dort über ein gutes Dutzend Festivals bis in die Kinos vor. In Deutschland lief der Film Ende Juni 2026 an, ein Jahr nach der ersten Vorführung.
| Dauer: | 109 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 16 Jahren |
| Jahr: | 2026 |
| Regie: | Curry Barker |
| Produzenten: | James Harris, Haley Nicole Johnson, Christian Mercuri |
| Hauptdarsteller: | Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson |
| Nebendarsteller: | Megan Lawless, Andy Richter, Haley Fitzgerald, |
| Studio: | Focus Features |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Barker schrieb das Drehbuch, führte Regie und übernahm den Schnitt, eine Personalunion, die man dem Ergebnis anmerkt. Michael Johnston und Inde Navarrette tragen die Zweierkonstellation, um die sich alles dreht. Die Auszeichnungen häuften sich rasch, vom Publikumspreis in Sitges über den Sonderpreis der Jury bis zu den Critics’ Choice Super Awards 2026. Am Ende steht ein Horrorfilm über Verliebtheit, Kontrolle und Einverständnis. Was bleibt von einem Gefühl übrig, wenn es nicht freiwillig entstanden ist?
Besetzung, Drehorte & Infos
Der US-amerikanische Horrorfilm „Obsession – Du sollst mich lieben“ entstand 2025 und läuft 109 Minuten. Curry Barker verantwortet Regie, Drehbuch und Schnitt in Personalunion. Bekannt wurde er als eine Hälfte des Internet-Sketch-Duos „that’s a bad idea“, davor entstanden die Kurzfilme Real World, Meanwhile Outside the Bank und Drywall. Sein erster Langfilm war der Found-Footage-Horrorthriller Milk & Serial von 2024. Die Kamera führte Taylor Clemons. Die Musik stammt von Rock Burwell, dem Sohn von Carter Burwell, für den es die erste Filmkomposition war.
Michael Johnston spielt Bear, bekannt geworden ist er durch die Fernsehserie Teen Wolf. Inde Navarrette verkörpert seinen Schwarm Nikki, sie war unter anderem in Tote Mädchen lügen nicht zu sehen. Cooper Tomlinson tritt als Bears bester Freund und Arbeitskollege Ian auf, Megan Lawless als seine gute Freundin Sarah. Andy Richter spielt Carter, Haley Fitzgerald Vivian, Darin Toonder Harry und Chloe Breen Ruthie. Die deutsche Synchronisation entstand bei der Iyuno Germany GmbH in Berlin, Dialogbuch und Dialogregie übernahm Nico Sablik.
Nach der Premiere in Toronto folgten Stationen beim South by Southwest Film Festival, beim Overlook Film Festival als Eröffnungsfilm sowie in Istanbul, Miami, Atlanta und Seattle. Focus Features sicherte sich die US-Vertriebsrechte, der dortige Kinostart lag am 15. Mai 2026, der deutsche am 25. Juni. Die FSK gab den Film ab 16 Jahren frei und verwies auf drastische Gewaltdarstellungen, einen Suizid und eine beklemmende Atmosphäre. In den USA erhielt er ein R-Rating. Das Soundtrack-Album mit 26 Stücken erschien bei Back Lot Music.
Inhalt & Handlung vom Film „Obsession – Du sollst mich lieben“
Sieben Jahre nach dem Schulabschluss arbeiten Bear, Ian, Nikki und Sarah gemeinsam im Musikgeschäft von Sarahs Vater. Dabei ist Bear seit Jahren in Nikki verliebt, ohne jedoch je den Mut gefunden zu haben, es auszusprechen. Als seine Katze an unsicher gelagertem Oxycodon stirbt, trifft ihn das deshalb schwer. Auf der Suche nach einem Geschenk für Nikki betritt er schließlich einen Esoterikshop und kauft dort einen Gegenstand namens One Wish Willow, der Wünsche erfüllen soll. Nach einem gemeinsamen Abend mit den Freunden fährt er die angehende Schriftstellerin anschließend nach Hause. Doch wieder bringt er kein Geständnis zustande. Verzweifelt zerbricht er deshalb den Wunschstab und wünscht sich, Nikki möge ihn mehr lieben als alles andere auf der Welt.
Der Wunsch erfüllt sich prompt. Nikki erzählt Bear daraufhin, ihr Vater sterbe an Krebs, damit er sie mit zu sich nach Hause nimmt. Im Bett küsst sie ihn zunächst, fährt dann jedoch schreiend zurück und jagt ihm einen Schrecken ein. Am nächsten Morgen errichtet sie sogar einen Schrein für die tote Katze. Ihr Verhalten erklärt sie später allerdings mit der Einnahme von MDMA. Bear hält ihre Gefühle dennoch für aufrichtig, und die beiden beginnen deshalb eine vorerst glückliche Beziehung. Ian, verdutzt über die plötzliche Verbindung, berichtet ihm jedoch, dass Nikkis Vater kerngesund sei und sie Bear noch vor Kurzem eher als kleinen Bruder gesehen habe. Als Bear sie daraufhin in einem Restaurant mit der Wahrheit konfrontiert, macht sie eine Szene. Dadurch zweifelt er erstmals an ihrem Zustand.
Wenn Nähe zur Bedrohung wird
Nikkis Verhalten wird zunehmend besitzergreifend, was auch Ian und Sarah auffällt. Nachts entdeckt Bear sie in einer dunklen Ecke des Schlafzimmers, wo sie ihn beim Schlafen beobachtet. An ihrem freien Tag versiegelt sie zudem die Haustür mit Duct Tape. Bear geht trotzdem zur Arbeit und stellt entsetzt fest, dass sein Sandwich aus den Überresten seiner Katze besteht. Daraufhin ruft er die Nummer auf der Verpackung an und fragt, ob Nikkis Liebe echt sei. Der Mitarbeiter erklärt, der Wunsch mache das Gefühl nicht weniger echt und Bear trage nun eine moralische Verpflichtung. Den Bann breche allein sein eigener Tod.
Widerwillig nimmt Bear Nikki zu einer Party bei Ian mit. Bei einem Jenga-Trinkspiel eskaliert die Lage: Nikki liest eine gewaltvolle Version von Hänsel und Gretel vor und drängt sich zwischen Bear und Sarah, die heimlich in ihn verliebt ist. Nach einer Rede über ihre Liebe verletzt sie sich mit einer Glasflasche. Später bittet sie Bear, sie zu töten. Als er sich mit Sarah im Auto trifft und von einer zweijährigen Affäre zwischen Nikki und Ian erfährt, erschlägt Nikki Sarah mit einem Ziegelstein.
Blutverschmiert kauft Bear im Esoterikshop die restlichen Wunschstäbe, kann aber keinen zerbrechen. Ian glaubt ihm nicht und wünscht sich eine Milliarde Dollar, worauf Geldbündel in seiner Wohnung regnen. Zu Hause findet Bear einen Schrein und Sarahs skalpierte Leiche. Nikki will ihn mit einem Revolver zur Liebe zwingen und erschießt Ian. Bear entwaffnet sie und schluckt Oxycodon. Als Nikki sich seine Gegenliebe wünscht, setzt er sich wie in Trance zu ihr und stirbt an der Überdosis. Dadurch bricht der Bann, und Nikki erkennt entsetzt das Blutbad.
Filmkritik und Fazit zum Film „Obsession – Du sollst mich lieben“
Curry Barker inszeniert „Obsession – Du sollst mich lieben“ mit einem Gespür für Räume, die kippen. Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer bleiben dieselben, verlieren aber Stück für Stück ihre Selbstverständlichkeit, weil eine Gestalt zu lange am Bildrand verharrt oder ein Lächeln einen Moment zu lang stehen bleibt. Taylor Clemons fotografiert das ohne Effekthascherei, mit präzisen Kompositionen und sparsam gesetztem Licht, das die Wohnung zusehends enger wirken lässt. Inde Navarrette spielt Nikki nicht als Karikatur, sondern als jemanden, dem der eigene Wille abhandengekommen ist. Michael Johnston hält mit einer Sanftheit dagegen, die im Verlauf selbst fragwürdig wird.
Rock Burwells erste Filmmusik arbeitet mit Zurückhaltung und schiebt sich selten vor die Bilder. Zwei Momente zeigen die Methode: der Gang durch den Esoterikshop, in dem der Film seine Prämisse fast beiläufig auslegt, und eine Haustür, die von innen mit Klebeband versiegelt wird, ohne dass jemand ein Wort darüber verliert. Das Tempo lässt in der Mitte nach, 109 Minuten fordern Geduld. Der Schnitt, ebenfalls von Barker, hält Groteske und Schrecken dicht beieinander. Der Humor ist böse und sitzt. Wo andere Regisseure einen Schockmoment platzieren würden, lässt Barker eine Einstellung einfach stehen.
Wer Horror schätzt, der aus Beziehungsdynamik statt aus Monstern entsteht, findet hier in dem Film eine der eigenwilligeren Arbeiten der letzten Jahre. Die Prämisse ist vertraut, die Ausführung nicht. Freunde des harten Genrekinos werden bedient, dosiert und an unerwarteten Stellen. Wer klassische Schockmomente im Minutentakt erwartet, dürfte enttäuscht aus dem Saal gehen. Für alle anderen lohnt der Kinobesuch, und zwar möglichst ohne Vorwissen über den Verlauf. Der Preisregen von Toronto bis Sitges kommt nicht von ungefähr.

