Dallas Buyers Club

Mitte der achtziger Jahre war eine Diagnose in den Vereinigten Staaten gleichbedeutend mit einem Urteil. AIDS galt als Krankheit der anderen, und wer sie hatte, verlor oft zuerst seine Bekannten und danach sein Leben. In diese Zeit führt „Dallas Buyers Club“ seine Zuschauer, ohne den Umweg über große Erklärungen zu nehmen. Jean-Marc Vallée erzählt die Geschichte eines texanischen Elektrikers, der von alldem nichts wissen wollte und dann keine Wahl mehr hatte. Der Stoff beruht auf einem realen Fall. Gedreht wurde in nur fünfundzwanzig Tagen.

Dallas Buyers Club
Dauer: 117 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Jean-Marc Vallee
Produzenten: Robbie Brenner, Rachel Winter
Hauptdarsteller: Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Jared Leto
Nebendarsteller: Denis O'Hare, Steve Zahn, Michael O'Neill
Studio: Ascot Elite
Sprachen: Deutsch, English

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Das Ergebnis kostete rund 5,5 Millionen US-Dollar und räumte bei der Oscarverleihung 2014 drei Trophäen ab. Zwei davon gingen an die Hauptdarsteller, die dritte an Maske und Frisuren. Matthew McConaughey nahm für seine Rolle einundzwanzig Kilogramm ab, Jared Leto ließ sich von der Aktivistin Calpernia Addams auf seine Figur vorbereiten. Die Vorbereitungsphase des Projekts lag bereits Jahre vor dem Drehbeginn. Wie erzählt man von einer Seuche, ohne den Kranken zum Denkmal zu machen?

Besetzung, Drehorte & Infos

„Dallas Buyers Club“ entstand 2013 in den Vereinigten Staaten unter der Regie von Jean-Marc Vallée. Das Drehbuch schrieben Craig Borten und Melisa Wallack, die dafür eine Oscar-Nominierung erhielten. Hinter der Kamera stand Yves Bélanger, den Schnitt besorgten Martin Pensa und der Regisseur selbst, ebenfalls mit einer Nominierung bedacht. Beteiligt waren die Produktionsgesellschaften Voltage Pictures und Truth Entertainment. Die Vorlage bildet die Lebensgeschichte des AIDS-Patienten Ron Woodroof, der in den achtziger Jahren nicht zugelassene Medikamente von Mexiko nach Texas brachte.

Matthew McConaughey spielt Ron Woodroof und verlor für die Rolle einundzwanzig Kilogramm, von 83 auf 62. Jared Leto verkörpert die transidente Rayon und wurde dafür von der Schauspielerin, Musikerin und Aktivistin Calpernia Addams gecoacht, die er bei seiner Dankesrede zur Oscarverleihung erwähnte. Zum Ensemble gehören außerdem Jennifer Garner, Michael O’Neill, Denis O’Hare, Steve Zahn, Dallas Roberts und Kenneth Kynt Bryan. Bei den Screen Actors Guild Awards war dieses Ensemble nominiert, McConaughey und Leto gewannen dort in ihren Einzelkategorien.

Gedreht wurde in New Orleans, obwohl die Handlung in Dallas angesiedelt ist, und zwar ab dem 11. November 2012 innerhalb von fünfundzwanzig Tagen. Der Film läuft 117 Minuten und ist ab zwölf Jahren freigegeben. Die Premiere fand am 7. September 2013 beim Filmfestival von Toronto statt, der deutsche Kinostart folgte am 6. Februar 2014. Neben den drei Oscars gab es zwei Golden Globes sowie Preise der Critics‘ Choice Movie Awards. Robin Mathews und Adruitha Lee gewannen für Maske und Frisuren.

Inhalt & Handlung vom Film „Dallas Buyers Club“

Dallas, Texas, im Jahr 1985. Ron Woodroof arbeitet als Elektriker auf einem Ölfeld, reitet leidenschaftlich Rodeo und lebt ansonsten für Alkohol, Kokain und schnelle Bekanntschaften. Homosexuelle sind ihm ein Feindbild. Nach einem Arbeitsunfall landet er in einer Klinik, wo ihm die Ärzte eine HIV-Infektion und eine AIDS-Erkrankung bescheinigen. Der behandelnde Arzt gibt ihm noch dreißig Tage. Woodroof nimmt die Diagnose nicht an und flieht aus dem Krankenhaus. Kurz zuvor ist der Schauspieler Rock Hudson an derselben Krankheit gestorben, und weil dieser homosexuell war, hält Woodroof sich als Heterosexueller für unangreifbar. Er beginnt zu recherchieren und kommt zu dem Schluss, dass eine seiner zahlreichen Nächte mit einer Heroinkonsumentin der Auslöser gewesen sein muss.

Seine Freunde wenden sich ab, weil sie ihn nun für schwul halten. Zur gleichen Zeit bringt ein großes Pharmaunternehmen das Mittel AZT in die Erprobung, und Woodroof sieht darin seine einzige Chance. Er erfährt, dass in der Studie neben dem Wirkstoff auch Placebos verteilt werden. Also besticht er eine Reinigungskraft der Klinik, ihm die Pillen zu beschaffen, was funktioniert, bis die Bestände unter Verschluss kommen. Der Raumpfleger nennt ihm daraufhin einen amerikanischen Arzt ohne Zulassung, der in Mexiko praktiziert. Dort erhält Woodroof Präparate, die in den USA nicht zugelassen sind und bei anderen Patienten wirken. Der Arzt erklärt ihm, dass eine Infektion nicht zwangsläufig zum Tod führt und dass AZT auch gesunde Zellen angreift.

Ein Club statt eines Verkaufstresens

Woodroofs Zustand bessert sich, und er beschließt, die Mittel auch anderen Kranken zu verschaffen, aus Geschäftssinn ebenso wie aus Überzeugung. Der Verkauf nicht zugelassener Präparate steht unter hohen Strafen, erlaubt bleiben jedoch die Einfuhr einer Dreimonatsration für den Eigenbedarf und das Verschenken. Auf Rat eines befreundeten Rechtsanwalts gründet Woodroof deshalb einen Club: Gegen vierhundert Dollar Monatsbeitrag erhalten die Mitglieder Präparate wie ddC, T-Peptid und Interferon kostenlos. Zur Geschäftspartnerin und besten Freundin wird die ebenfalls erkrankte Rayon, die er in der Klinik kennengelernt hat. Ihre Kontakte erschließen ihm eine Kundschaft, die er kurz zuvor noch verachtet hat.

Rayon stirbt in der Klinik, während Woodroof gerade wieder in Mexiko Nachschub besorgt. Danach ist er ein anderer. Zum ersten Mal lässt er Mitglieder zu, die den vollen Beitrag nicht aufbringen können. Parallel dazu verfolgt der Film die junge Ärztin Eve Saks, die Woodroof und andere Patienten behandelt. Ihr Chef verpflichtet sie darauf, alternative Präparate zu verurteilen. Die sichtbaren Erfolge lassen sie zweifeln, und schließlich unterstützt sie Woodroofs illegale Arbeit. Diese Entscheidung kostet sie ihre Stelle. Woodroof reist derweil immer weiter, um Nachschub zu beschaffen, und die Wege werden riskanter.

Die Behörden setzen dem Club immer stärker zu, verhängen Geldbußen und beschlagnahmen die Bestände. Woodroof zieht daraufhin vor ein Bezirksgericht in San Francisco. Der Richter kritisiert die Zulassungspraxis der Behörde deutlich, im Fall des T-Peptids, dessen Ungefährlichkeit sie selbst annimmt. Die Klage weist er trotzdem ab. Kurz darauf ändert die Behörde ihre Linie und erlaubt das Mittel für den Eigengebrauch. Das letzte Bild zeigt Woodroof bei einer Rodeo-Veranstaltung auf einem Bullen, im Kampf gegen den Abwurf, wie er es sich immer gewünscht hatte. Sieben Jahre nach seiner Diagnose stirbt er, weit jenseits der dreißig Tage, die ihm ein Arzt einst zugestanden hatte.

Filmkritik und Fazit zum Film „Dallas Buyers Club“

Jean-Marc Vallée inszeniert „Dallas Buyers Club“ mit einer Nüchternheit, die dem Stoff guttut. Yves Bélanger filmt in New Orleans mit vorhandenem Licht und beweglicher Kamera, oft ein Stück zu nah an den Gesichtern. Die fünfundzwanzig Drehtage sind dem Ergebnis anzumerken, allerdings im positiven Sinn: Nichts wirkt ausgestellt, kein Bild sucht die Rührung. Matthew McConaughey spielt Woodroof als hageren Sturkopf, der seine Wut über die eigene Lage in Geschäftssinn umlenkt. Jared Leto gibt Rayon eine Würde, die dem Drehbuch an manchen Stellen fehlt. Beide Darsteller verzichten dabei konsequent auf jede Form von Sentimentalität.

Das Tempo hält sich hoch, ohne gehetzt zu wirken. Zwei Momente stehen für die Machart. Die Diagnoseszene in der Klinik, in der ein Arzt eine Frist von dreißig Tagen nennt wie eine Wetterprognose. Und die erste Begegnung mit dem Arzt in Mexiko, dessen Praxis aussieht wie eine Garage und der ruhig erklärt, warum der Körper des Besuchers so schnell nachgegeben hat. Die Nebenfiguren bleiben dünn gezeichnet, besonders die Ärztin, deren Wandlung das Drehbuch eher behauptet als zeigt. Der Schnitt springt gelegentlich härter, als der Erzählfluss verträgt, und einzelne Zeitsprünge bleiben unklar. Der Verzicht auf einen tragenden Orchesterklang hält die Szenen dennoch angenehm trocken.

Wer Dramen nach realen Vorlagen schätzt, findet hier eines der stärkeren Beispiele der letzten Jahre. Der Film verzichtet auf Heldenverehrung und lässt seine Hauptfigur unangenehm bleiben, auch dann noch, wenn sie längst Gutes tut. Zwei Schauspielleistungen tragen die 117 Minuten mühelos. Wer sanfte Krankheitsgeschichten mit versöhnlichem Schluss sucht, ist hier an der falschen Stelle. Alle anderen bekommen ein Zeitbild der achtziger Jahre, das ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Ein Abend, der nachwirkt.