Straight Outta Compton

Compton, ein Vorort im Süden von Los Angeles, stand in den achtziger Jahren für alles, was der amerikanische Traum nicht einlöste. Aus diesem Ort kam eine Gruppe junger Männer, die ihre Umgebung so direkt in Reime setzte, dass Radiosender und Polizeibehörden gleichermaßen reagierten. „Straight Outta Compton“ erzählt ihre Geschichte, dreißig Jahre nach der Gründung und in einem Land, in dem dieselben Konflikte weiterhin ausgetragen werden. F. Gary Gray führte Regie. Zwei der Beteiligten saßen als Produzenten mit am Tisch.

Straight Outta Compton
Dauer: 147 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: F. Gary Gray
Produzenten: F. Gary Gray, Ice Cube, Dr. Dre
Hauptdarsteller: O'Shea Jackson Jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell
Nebendarsteller: Jr. Neil Brown, Aldis Hodge, Paul Giamatti
Studio: Universal Pictures
Sprachen: Deutsch, English

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Das prägt den Film, im Guten wie im Zweifelhaften. Wer seine eigene Biografie mitverantwortet, entscheidet auch darüber, welche Kapitel im Schnittraum bleiben. Herausgekommen sind 147 Minuten über Aufstieg, Verträge, Verrat und Krankheit, getragen von einem Ensemble ohne große Namen. Der Kinostart in den Vereinigten Staaten fiel auf den 14. August 2015, die deutschsprachigen Kinos folgten knapp zwei Wochen später. Wie ehrlich kann eine Filmbiografie sein, an der die Porträtierten selbst mitschreiben?

Besetzung, Drehorte & Infos

Straight Outta Compton“ entstand 2015 in den Vereinigten Staaten und porträtiert die Hip-Hop-Crew N.W.A. Regie führte F. Gary Gray, das Drehbuch schrieben Jonathan Herman und Andrea Berloff, die dafür 2016 eine Oscar-Nominierung erhielten. Hinter der Kamera stand Matthew Libatique, den Schnitt besorgten Billy Fox und Michael Tronick. Die Filmmusik stammt von Joseph Trapanese, der dafür bei den Black Reel Awards ausgezeichnet wurde. Später erschien auf Blu-ray ein Director’s Cut, der rund zwanzig Minuten länger ausfällt.

Das Ensemble besteht aus O’Shea Jackson Jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell, Neil Brown Jr., Aldis Hodge, Paul Giamatti, Marlon Yates Jr. und R. Marcos Taylor. Als Gruppe wurde diese Besetzung mehrfach geehrt, unter anderem bei den Black Film Critics Circle Awards, den Black Reel Awards und mit einer Nominierung bei den Critics‘ Choice Movie Awards. O’Shea Jackson Jr. gewann bei den Image Awards den Preis als bester Nebendarsteller und war bei den MTV Movie Awards als bester Newcomer nominiert. Corey Hawkins stand bei den Image Awards ebenfalls auf der Liste.

Der Film läuft in der Kinofassung 147 Minuten und ist ab zwölf Jahren freigegeben. Bei den Image Awards 2015 wurde er als bester Film ausgezeichnet, bei den MTV Movie Awards 2016 als bester Film nach einer wahren Geschichte. Dass eine Nominierung als bester Film bei der Oscarverleihung ausblieb, führte im Zuge des damaligen Boykotts durch mehrere afroamerikanische Schauspieler zu erheblicher Kritik. Dr. Dre veröffentlichte parallel das Album Compton, das mehrere Länderchartsspitzen erreichte.

Inhalt & Handlung vom Film „Straight Outta Compton“

Los Angeles im Jahr 1986. Dort gründen fünf junge Männer aus Compton die Crew N.W.A: Dr. Dre, Ice Cube, Eazy-E, DJ Yella und MC Ren. Vertragspartner ist dabei Ruthless Records, ein Label, das Eazy-E mit Geld aus dem Drogenhandel aufgebaut hat. Schon die erste Single Boyz-n-the-Hood schlägt ein, sodass auch der Musikmanager Jerry Heller aufmerksam wird. Daraufhin überzeugt er Eazy-E davon, dass er die Gruppe managen sollte. Über das Plattenlabel Priority Records kommt schließlich die Ausrüstung ins Haus, mit der das erste Album entsteht. Ein entscheidendes Detail bleibt jedoch zunächst unbemerkt: Nur Eazy-E hat zu diesem Zeitpunkt einen Vertrag unterschrieben, während alle anderen noch auf ihre Papiere warten. Gerade aus diesem Ungleichgewicht wächst später der gesamte Konflikt der Gruppe heran.

Das Album wird schließlich ein enormer Erfolg, sodass die Gruppe auf Tournee durch die Vereinigten Staaten geht. Unterwegs schlagen ihnen allerdings Proteste entgegen, während Behörden versuchen, einzelne Auftritte zu verhindern. Bei einer Show spielt die Crew dennoch trotz ausdrücklichen Verbots den Song Fuck tha Police, worauf der Abend in einem Tumult endet. Danach beginnt Ice Cube zunehmend, Hellers Rolle und dessen Nähe zu Eazy-E zu hinterfragen. Auf seine Nachfrage hört er schließlich, die Verträge der anderen würden gerade aufgesetzt. Als er jedoch kurz vor der Heimreise unterschreiben soll, erfährt er, dass Eazy-E deutlich mehr bekommt als alle übrigen, obwohl die Arbeit gleich verteilt ist, und dass er selbst zugleich der Letzte ohne Unterschrift ist. Deshalb verzichtet er auf den Vertrag und verlässt schließlich die Gruppe.

Vier gegen einen ehemaligen Freund

Ice Cubes Solodebüt verkauft sich besser als das gemeinsame Album. N.W.A reagiert mit 100 Miles and Runnin‘ und greift den Aussteiger offen an. Ice Cube antwortet mit einem Disstrack gegen die Crew und Jerry Heller. Gleichzeitig nähert sich Suge Knight Dr. Dre und schlägt eine eigene Firma vor. Dre erkennt zunehmend Hellers Einfluss, fordert von Eazy-E einen neuen Vertrag und verlässt schließlich die Gruppe. Suge Knight setzt Eazy-E anschließend gewaltsam unter Druck, um Dres Freigabe zu erreichen.

Dre veröffentlicht The Chronic und produziert unter anderem Snoop Dogg und Tupac Shakur. Zugleich wächst sein Misstrauen gegenüber der Gewaltbereitschaft seines neuen Partners. Auch Eazy-E zweifelt immer stärker an Heller. In einem Club trifft er Ice Cube, beide beenden ihren Streit. Cube stellt eine Wiedervereinigung in Aussicht, sobald Heller verschwunden ist. Damit rückt eine Rückkehr der ursprünglichen Crew erstmals wieder näher.

Eazy-E entdeckt Belege dafür, dass Heller Geld veruntreut hat, und entlässt ihn. Danach fragt er Dre nach einer Rückkehr, der zustimmt. Während der Arbeit im Studio bricht Eazy-E zusammen. Im Krankenhaus diagnostizieren die Ärzte HIV. Die Mitglieder der Crew besuchen ihn noch einmal, bevor er am 26. März 1995 stirbt. Zum Schluss verlässt Dr. Dre Suge Knights Label und gründet Aftermath. Im Abspann sind Originalaufnahmen von N.W.A sowie Ausschnitte aus Ice Cubes Filmkarriere und Interviews mit von Dre geförderten Künstlern zu sehen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Straight Outta Compton“

F. Gary Gray inszeniert „Straight Outta Compton“ als klassische Aufstiegserzählung und folgt dabei weitgehend dem bekannten Genremuster. Matthew Libatique filmt Compton in staubigem Sonnenlicht und die Konzerte in körperlichen Nahaufnahmen. Joseph Trapaneses Musik hält sich zurück und gibt den Originalstücken Raum. Das junge Ensemble trägt die 147 Minuten sicher, besonders O’Shea Jackson Jr. überzeugt durch seine Präsenz und Ähnlichkeit mit Ice Cube. Paul Giamatti verleiht Manager Jerry Heller eine Mischung aus Fürsorge und Kalkül.

Besonders stark sind die frühen Studioszenen, in denen fünf junge Männer mit einfacher Technik ihr erstes Album aufnehmen. Ebenso funktioniert der Konzertabend, an dem die Gruppe trotz Verbots einen Song spielt und die Situation eskaliert. Schwächer fällt die zweite Hälfte aus. Der Film entwickelt sich zunehmend zum Vertragsdrama, während die Musik stärker in den Hintergrund rückt. Auch die Beteiligung zweier Porträtierter an der Produktion macht sich durch auffällige Auslassungen bemerkbar. Frauenfiguren bleiben weitgehend Randerscheinungen. Dennoch sorgen Billy Fox und Michael Tronick mit ihrem Schnitt dafür, dass die vielen Jahre und Entwicklungen nachvollziehbar bleiben.

Für Hip-Hop-Interessierte ist der Film ohnehin sehenswert, doch auch ohne Vorkenntnisse funktioniert er als temporeiche Musikerbiografie. Eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Beteiligten liefert er allerdings kaum. Als Zeitbild eines Umfelds, in dem Polizeikontrollen und soziale Spannungen zum Alltag gehörten, besitzt der Film dennoch Gewicht. Vor allem die Entstehung einer einflussreichen Musikgruppe und deren Zerfall werden wirkungsvoll dargestellt. Die längere Blu-ray-Fassung bietet zusätzliche Szenen und lohnt sich besonders für Zuschauer, die tiefer in die Geschichte von N.W.A einsteigen möchten.

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