Legend of Tarzan

Edgar Rice Burroughs veröffentlichte seinen Roman Tarzan bei den Affen im Jahr 1912. Seither hat das Kino die Figur immer wieder aufgegriffen. David Yates versucht es 2016 mit einer ernsten, düsteren Variante. „Legend of Tarzan“ verlegt den Stoff in den historischen Kongo unter belgischer Herrschaft. Aus dem Lianenschwinger wird ein Adliger, der ein Kolonialverbrechen aufdecken soll. Der Film kostete 180 Millionen US-Dollar und setzt fast ausschließlich auf digitale Tiere. Die Vorlage bekommt damit einen Rahmen, den ihre frühen Leser kaum erwartet hätten.

Legend of Tarzan
Dauer: 109 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: David Yates
Produzenten: David Barron, Mike Richardson, Alan Riche
Hauptdarsteller: Alexander Skarsgård, Rory J Saper, Christian Stevens
Nebendarsteller: Djimon Hounsou, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson
Studio: Warner Broth.
Sprachen: Deutsch, English

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Yates arbeitete während der Nachbearbeitung bereits an Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Die Produktionskosten stiegen von geplanten 65 auf 180 Millionen US-Dollar. Gedreht wurde nicht in Afrika, sondern in britischen Studios und an Drehorten im Vereinigten Königreich. Ein künstlicher Wasserfall und ein hundert Meter langer Pier ersetzten den Kongo. Sämtliche im Film sichtbaren Tiere entstanden im Rechner, abgesehen von einigen Ziegen aus einem Dorf. Was bleibt von einem Dschungel, den niemand betreten hat?

Besetzung, Drehorte & Infos

Der US-amerikanische Abenteuerfilm „Legend of Tarzan“ entstand 2016 unter der Regie von David Yates. Als Drehbuchautoren werden Stuart Beattie, Craig Brewer, John Collee und Adam Cozad geführt, die Vorlage lieferte Edgar Rice Burroughs mit seinem Roman Tarzan bei den Affen. Die Kamera führte Henry Braham, den Schnitt verantwortete Mark Day. Rupert Gregson-Williams komponierte die Filmmusik. Produziert haben Jerry Weintraub, David Barron, Alan Riche und Tony Ludwig. Als ausführende Produzenten wirkten unter anderen Susan Ekins, Nikolas Korda und Bruce Berman mit.

Alexander Skarsgård spielt John Clayton III., Lord Greystoke, den einstigen Tarzan. Vor ihm waren Tom Hardy, Henry Cavill und Charlie Hunnam für die Rolle im Gespräch. Rory J. Saper verkörpert sein jüngeres Ich. Margot Robbie übernimmt die Rolle der Jane Porter, für die zunächst Jessica Chastain gehandelt wurde. Ella Purnell diente als Körperdouble der jungen Jane, deren Gesicht per CGI ersetzt wurde. Christoph Waltz spielt den belgischen Captain Léon Rom, Samuel L. Jackson den Amerikaner George Washington Williams. Djimon Hounsou ist Chief Mbonga, Jim Broadbent der britische Premierminister.

Die Dreharbeiten begannen im Juni 2014 in den Warner Bros. Studios in Leavesden. Weitere Drehorte lagen im Vereinigten Königreich, im Oktober 2014 war alles im Kasten. Die Laufzeit beträgt 109 Minuten, die FSK gab den Film ab zwölf Jahren frei. Die Weltpremiere fand am 27. Juni 2016 in Los Angeles statt. In Deutschland lief er ab dem 28. Juli 2016, in 2D, 3D und im IMAX-Format. Bei den Saturn Awards 2017 gab es eine Nominierung als bester Action- und Abenteuerfilm.

Inhalt & Handlung vom Film „Legend of Tarzan“

Ende des 19. Jahrhunderts stranden John Clayton II., Lord Greystoke, und seine Frau Alice im Kongo. Dort kommt anschließend ihr Sohn John Clayton III. zur Welt. Während die Mutter eines natürlichen Todes stirbt, fällt der Vater im Kampf gegen die Mangani, eine gorillaähnliche Spezies. Daraufhin nimmt das Manganiweibchen Kala den Jungen an und zieht ihn neben ihrem leiblichen Sohn Akut auf. Als Kind übersteht Tarzan einen Angriff des brutalen Anführers Kerchak. Mit der Zeit lernt er die Sprachen der Tiere und wird zum Herrn des Dschungels. Als Erwachsener begegnet er schließlich Jane Porter, die mit ihrem Vater bei einem Eingeborenenstamm lebt. Nachdem der Sohn des Häuptlings Mbonga bei einer Männlichkeitsprüfung Kala getötet hat, tötet Tarzan ihn aus Rache.

Acht Jahre später kontrolliert der belgische König Leopold II. den Kongo. Weil er seine Darlehen nicht mehr bedienen kann, schickt er Captain Léon Rom zu den Diamantminen von Opar. Dort überfallen Mbongas Krieger Roms Trupp, wobei nur der Captain überlebt. Daraufhin handelt er mit dem Häuptling einen Tausch aus: die Diamanten gegen Tarzan, an dem Mbonga sich rächen will. Unterdessen lebt der frühere Dschungelheld als John Clayton III. in London ein geordnetes Leben. Eine Einladung des Königs, als Sonderbotschafter für Handelsfragen in den Kongo zu reisen, lehnt er jedoch zunächst ab. Der amerikanische Diplomat George Washington Williams wundert sich derweil, wie ein mittelloser König eine Kolonie unterhält. Deshalb vermutet er Sklaverei und will Beweise sammeln. Sein Zureden überzeugt schließlich John, der daraufhin gemeinsam mit Williams und seiner Frau Jane aufbricht.

Rückkehr in den Kongo

Die Reisenden erreichen Janes Heimatdorf, wo Kinder von Tarzan singen. Doch Rom, der die Einladung arrangiert hat, überfällt den Ort, erschießt den Häuptling und nimmt John gefangen. Williams befreit ihn, während Jane und Wasimbu auf Roms Flussboot verschleppt werden. Der Captain setzt auf eine Rettungsaktion, um John anzulocken. Nach der Bestattung verfolgen John, Williams und einige Krieger die Entführer. An Lianen schwingen sie sich auf einen Zug, entdecken gefangene Eingeborene und erfahren, dass Rom Generalgouverneur werden soll.

Mit den Diamanten will Rom eine Söldnerarmee bezahlen. Deshalb nimmt John eine Abkürzung durch das Gebiet der Mangani, begleitet von Williams. Ihr Anführer Akut betrachtet John als Verräter und verletzt ihn im Zweikampf. Jane erfährt unterdessen beim erzwungenen Abendessen von Roms Vorhaben. Gemeinsam mit Wasimbu entkommt sie ins Wasser. Beide überstehen Beschuss und einen Flusspferdangriff. Während Wasimbu die Krieger verständigt, erreicht Jane die Mangani.

Rom lässt zahlreiche Mangani erschießen. John rettet Akut, doch Jane gerät erneut in Gefangenschaft. Ihre Spur führt nach Opar. Dort stellt John sich Mbonga und erfährt dessen Rachemotiv: Tarzan hat seinen Sohn getötet. Als Akut erscheint, erklärt Williams dem Häuptling, dass Rom ihn benutzt hat. Anschließend löst John mit Akut und einigen Löwen eine Gnu-Stampede aus, die Roms Vorhaben durchkreuzt. Während Wasimbu die Sklaven befreit, rettet John Jane und verfolgt Rom auf dessen sinkendem Boot. Mit einem Krokodil-Paarungsruf lockt er die Tiere an und besiegelt Roms Ende. Williams legt dem Parlament später Beweise für die Sklaverei vor. John und Jane bleiben in Afrika und bekommen ein Kind. Zuletzt schwingt John wieder an den Lianen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Legend of Tarzan“

David Yates erzählt die Vorgeschichte in Rückblenden, wodurch „Legend of Tarzan“ Ursprungsgeschichte und Fortsetzung zugleich ist. Henry Brahams Kamera verleiht dem Dickicht eine spärliche, fast melancholische Beleuchtung. Alexander Skarsgård verkörpert eine wortkarge Hauptfigur, deren Entschlossenheit sich eher körperlich als durch Dialoge vermittelt. Christoph Waltz spielt Rom hingegen mit gedämpfter Bosheit, wodurch die Figur an Kontur verliert. Margot Robbies Jane behauptet sich dagegen mehrfach selbst – eine erfreuliche Abweichung von der Vorlage. Dennoch lässt das Drehbuch die Motive der Nebenfiguren häufig im Ungefähren.

Die Effekte schwanken erheblich, weil bis auf einige Ziegen sämtliche Tiere aus dem Rechner stammen. Während das in schnellen Actionszenen kaum auffällt, wird es in den Zeitlupen sofort sichtbar. Die Zugsequenz, in der sich die Retter an Lianen auf die Waggons schwingen, gehört dennoch zu den überzeugendsten Momenten. Auch der Dorfüberfall sitzt, weil Yates ohne digitale Bestien auskommt. Rupert Gregson-Williams‘ Musik trägt allerdings kräftig auf und nimmt den Bildern bisweilen die Luft. Zwar passt der graue Grundton zum Film, doch über 109 Minuten ermüdet er auch. Das Finale setzt schließlich auf ein Effektgewitter, dem die Erdung fehlt.

Wer klassische Abenteuerfilme schätzt, findet ordentliches Handwerk und eine ungewöhnlich ernste Grundstimmung. Die Einbettung in den Kongo unter Leopold II. hebt den Stoff über bloße Dschungelromantik hinaus und verleiht ihm einen politischen Hintergrund. Wer visuelle Bestmarken erwartet, dürfte von den Tieranimationen allerdings enttäuscht sein. Für Freunde großen Ausstattungskinos lohnt sich der Ausflug dennoch, vor allem wegen Brahams Bildgestaltung und Robbies selbstbewusster Jane. Als Neuerfindung einer über hundert Jahre alten Figur bleibt der Film jedoch hinter seinem Budget zurück.