Under the Tree

Nachdem Atli von seiner Frau aus der Wohnung geschmissen wird, zieht er zu seinen Eltern in ein typische Vorstadtsiedlung: langweilig, spießig, mit Gartenzwergen. Nebenan leben Eybjorg und Konrad, die sich über den Schatten beschweren, die der Baum von Atlis Eltern in ihren Garten wirft. Damit beginnt im Film „Under the Tree“ ein Konflikt, der zunächst als typischer Nachbarschaftsstreit beginnt und der auch vor Atlis Alltagsleben nicht haltmacht.

Under the Tree
Dauer: 89 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson
Produzenten: Grímar Jónsson, Sindri Páll Kjartansson, Thor Sigurjonsson
Hauptdarsteller: Steintór Hróar Steintórsson, Edda Björgvinsdóttir, Sigurður Sigurjónsson
Nebendarsteller: Lára Jóhanna Jónsdóttir, Dóra Jóhannsdóttir
Studio: farbfilm verleih / Lighthouse Home Entertainment
Sprachen: Deutsch

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Währenddessen befindet dieser sich noch im Sorgerechtsstreit und hat mit den eigenen unterdrückten Problemen zu kämpfen. Ob zwischen den Nachbarn oder innerhalb der Familien: Was gesagt werden muss wird verschwiegen, während die Stimmung zwischen allen Beteiligten zunehmend eskaliert.

Under the Tree – Besetzung, Drehorte & Infos zum Film

Regie führte der isländische Nachwuchsregisseur und Schauspieler Hafsteinn Gunnar Sigurðsson („Klapperschlangen“, „Ein anderer Weg“), der sich nach eigenen Aussagen bei seinen Filmen „am Leben inspiriert“. Das Drehbuch zum Film schrieb er zusammen mit Huldar Breidfjöd („Niceland“, „Villiljos“). Unterstützt wurde die Produktion ferner vom dänischen Filminstitut (Det Danske Filminstitut).

Passend zur Stimmung zwischen den Protagonisten wurde der Film 2017 im kalten, eher kargen Island gedreht. In den Hauptrollen spielen Steinþór Hróar Steinþórsson als Atli, Edda Björkvinsdóttir als Inga, Sigurdur Sigurjónnson als Baldvin, Borstein Bachmann als Konrad, sowie in den Nebenrollen Selma Björnsdottir (Eyborg), Lara Johanna Lönsdottir als Agnes, Dora Johannsdottir als Rakel, sowie Nachwuchsschauspielerin Sigridur Sigurpalsdottir Scheving als Tochter Asa.

Der düstere Soundtrack, bestehend vor allem aus tiefem Piano und minimalistischen Synthesizern, stammt von Filmkomponisten Daniel Bjarnason. Gedreht wurde „Under the Tree“ auf Isländisch und wurde nicht synchronisiert. Untertitel finden sich unter Anderem jedoch in Englisch und Deutsch.

Inhalt & Handlung vom Film „Under the Tree“

Die Beziehung von Agnes und Atli beginnt bereits unromantisch als One-Night-Stand, aus dem jedoch eine positive Sache hervorging: Tochter Asa. Als Agnes Atli beim Pornofilmgucken erwischt – mit ihm und seiner Exfreundin Rakel als Darsteller – schmeißt sie ihn kurzerhand aus dem Haus und wirft ihm vor, sie betrogen zu haben.

Obdachlos und verzweifelt kehrt Atli zurück ins Reihenhaus seiner Eltern Baldvin und Inga. Die Familie belastet das Schicksal von Atlis verschollenem Bruder Uggi, dessen Verschwinden Inga nie überwunden hat und seitdem verbittert ihr Dasein fristet. Denn während Atli – und eigentlich jeder in der Nachbarschaft – sicher ist, dass Uggi Suizid begangen hat, hält Inga weiterhin daran fest, dass er wieder nach Hause kommt.

Nebenan lebt das enddreißiger Ehepaar Konrad und Eyebjorg, zu Ingas Ärger samt Hund und nicht weniger spießig samt obligatorischen Gartenzwergen im Vorgarten. Als sich das Paar über den alten Baum in Ingas und Baldvins Garten beschwert, da dieser einen Schatten wirft und Eyeborg beim Sonnenbad stört, kommt es zunehmend zu Spannungen, dessen Ursache zunächst „Banalitäten“ sind.

Während sich Baldvin bereit erklärt, den Baum ein wenig zu stutzen besteht Inga darauf, dass dieser nicht angerührt wird, verhält sich feindseelig, unnachgiebig und abweisend. Und auch in Atlis Privatleben Laufen die Dinge alles andere als rosig weiter.

Die Trennung von Agnes entwickelt sich zum Sorgerechtsstreit, und Atlie wird zu immer verzweifelteren Taten getrieben, die die Beziehung zu Agnes zusätzlich belasten. Als Ingas geliebte Katze verschwindet macht sie Eybjorg und Konrad dafür verantwortlich. Doch diese bestreiten, etwas mit dem Verschwinden zu tun zu haben und halten Inga ohnehin für verrückt.

In der Zwischenzeit ist das Paar noch erfolglos dabei, ein Kind zu bekommen – ganz gleich wie abgekühlt die Beziehung der beiden auch ist. Mit allen Mitteln versucht sich Inga am Verlust der Katze zu rächen und löst damit eine Reihe tragischer Ereignisse aus, die zunehmend absurdere Ausmaße annehmen.

Inga ist überzeugt, dass die Nachbarn einen Krieg gegen sie führen und beschließt sich zu rächen. Sie entführt Eybjorg und Konrads geliebten Schäferhund und lässt ihn einschläfern. Doch damit nicht genug: Ausgestopft finden beide ihr „Ersatzkind“ vor der Haustüre stehen.

Dies verursacht einen Nervenzusammenbruch bei dem ohnehin schon frustrierten Ehepaar, dem bald ein tragischer Unfall folgt. Was bleibt sind mehr Wut und Frustration, während die eigentlichen Tragödien unausgesprochen bleiben. All das endet in einer letzten Eskalation, die das Leben aller Beteiligten für immer verändern wird.

Filmkritik und Fazit zum Film „Under the Tree“

2017 wurde der Film „Under the Tree“ auf den Filmfestspielen Venedig uraufgeführt, und anschließend auf dem internationalen Filmfest Toronto gezeigt. Ferner kam er bei den 90. Academy Awards 2018 in die nähere Auswahl unter der Rubrik „Bester ausländischer Film“. Mit der schwarzen Komödie, die mehr einem grotesken Gesellschaftsbild auf scheinbar normale Familien gleicht, gelang Sigurðsson eine bitterböse Satire, die den Zeitgeist „Alle gegen Alle“ in den Charakteren und Szenen zum Ausdruck bringt.

Scheinbare Banalitäten wie ein Baum im Garten wachsen so zum existenziellen Kampf heran, denn Symbolik findet man hier in den meisten Szenen versteckt. Doch all das wird nicht nur bedrückend, sondern ebenso skuril und humoristisch dargestellt, und führt dabei zu so machen absurden Dialogen.

Es scheint, als wäre Wut die einzige Emotion, die die Beteiligten hier noch gelegentlich empfinden können. Und an diesem Gefühl gilt es festzuhalten, bevor die gesamte Existenz in der völligen Apathie versinkt.

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