Die Peanuts – Der Film
Manche Figuren gehören so fest zur Kulturgeschichte, dass jede Verfilmung ein Risiko ist. „Die Peanuts – Der Film“ wagt den Schritt vom Zeitungsstrip in den dreidimensionalen Computerraum. Charles M. Schulz zeichnete seine Kinderfiguren jahrzehntelang als Kommentar auf das Erwachsenenleben, ohne sie je erwachsen werden zu lassen. Sein Sohn Craig und sein Enkel Brian schrieben nun gemeinsam mit Cornelius Uliano das Drehbuch. Regie führte Steve Martino, produziert haben die Blue Sky Studios. In Deutschland kam der Film einen Tag vor Heiligabend 2015 ins Kino.
| Dauer: | 93 Min. |
|---|---|
| Jahr: | 2015 |
| Regie: | Steve Martino |
| Produzenten: | Paul Feig, Brian Schulz, Craig Schulz |
| Hauptdarsteller: | Noah Schnapp, Hadley Belle Miller, Kristin Chenoweth |
| Nebendarsteller: | Cosmo Clarén, Sarah Kunze, Jaro Haggege |
| Studio: | FOX |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Der letzte originale Peanuts-Comic erschien im Jahr 2000, sechs Jahre später hatte Craig Schulz die Idee zu einem Kinofilm. Bis zur Umsetzung vergingen weitere neun Jahre. 93 Minuten dauert das Ergebnis, freigegeben ohne Altersbeschränkung. Christophe Beck schrieb dafür deutlich mehr Orchestermusik als frühere Peanuts-Filme kannten. Snoopy und Woodstock sprechen mit Archivaufnahmen von Bill Meléndez. Neue Figuren führt der Film nicht ein. Wie modernisiert man etwas, dessen ganzer Reiz in seiner Beständigkeit liegt?
Besetzung, Drehorte & Infos
Der 3D-Animationsfilm „Die Peanuts – Der Film“ entstand 2015 in den Vereinigten Staaten und heißt im Original „The Peanuts Movie“. Regie führte Steve Martino, der zuvor für Blue Sky gearbeitet hatte. Das Drehbuch stammt von Brian Schulz, Craig Schulz und Cornelius Uliano. Die Musik komponierte Christophe Beck, den Schnitt verantwortete Randy Trager. Produziert wurde der Film von den Blue Sky Studios für 20th Century Fox. Der Titelsong Better When I’m Dancing stammt von Meghan Trainor, die ihn auch singt.
Im Mittelpunkt steht Charlie Brown, der im Original von Noah Schnapp gesprochen wird. Die deutsche Stimme übernimmt Cosmo Clarén. Zu seinen Freunden gehören Lucy van Pelt, gesprochen von Hadley Belle Miller und Sarah Kunze, sowie Linus mit den Stimmen von Alexander Garfin und Oliver Szerkus. Auch Peppermint Patty, Schroeder und Pig-Pen gehören zur bekannten Peanuts-Gruppe. Eine wichtige Rolle spielt außerdem das kleine rothaarige Mädchen, dem Francesca Capaldi und Heda Erlebach ihre Stimmen leihen. Snoopy ist durch Archivaufnahmen von Bill Meléndez zu hören, während Kristin Chenoweth dessen große Liebe Fifi spricht
Die Idee entstand 2006, sechs Jahre nach dem letzten originalen Peanuts-Comic. Im Oktober 2012 wurde der 3D-Kinofilm offiziell angekündigt, der erste Trailer folgte am 18. März 2014. Der US-Start war zunächst für den 25. November 2015 geplant und wurde auf den 6. November vorgezogen, in Deutschland lief der Film ab dem 23. Dezember. Die Laufzeit beträgt 93 Minuten, die FSK gab ihn ohne Altersbeschränkung frei. Die Deutsche Film- und Medienbewertung vergab das Prädikat besonders wertvoll. Bei den Golden Globe Awards im Januar 2016 gab es eine Nominierung als bester Animationsfilm.
Inhalt & Handlung von „Die Peanuts – Der Film“
Charlie Brown ist frustriert. Was er anpackt, geht schief, ob beim Drachensteigen, beim Baseball oder beim Eishockey. Mitten im Winter zieht ein neues Mädchen in das Haus auf der anderen Straßenseite und kommt in seine Klasse. Das kleine rothaarige Mädchen, so heißt sie im Sprachgebrauch der Kinder, wird für ihn zum Ziel aller Bemühungen. An Lucys Psychiaterstand sucht er Rat, um selbstsicherer zu werden. Mit Snoopys Hilfe bereitet er eine Zauberaufführung für die Talentshow der Schule vor. Die Nummer seiner Schwester Sally wird ausgelacht, woraufhin Charlie Brown seine eigene Auftrittszeit opfert, um ihr zu helfen. Der Applaus gehört danach ihr. Er selbst geht am Ende ohne Auftritt nach Hause.
Der nächste Anlauf gilt dem Wintertanz. Wieder mit Snoopy als Lehrmeister übt Charlie Brown das Tanzen, denn wer den Wettbewerb gewinnt, tanzt mit dem kleinen rothaarigen Mädchen den Tanz der Sieger. Seine Vorführung läuft glänzend, bis er auf einer Pfütze verschütteten Punschs ausrutscht und dabei die Sprinkleranlage auslöst. Die Veranstaltung ist damit beendet. Kurz darauf scheint sich das Blatt zu wenden, denn bei einem Literaturprojekt wird ihm ausgerechnet das kleine rothaarige Mädchen als Partnerin zugeteilt. Sie fehlt jedoch mehrere Tage, weil sie ihre kranke Großmutter besucht. Charlie Brown muss den Aufsatz allein schreiben und wählt gegen Marcies Rat Krieg und Frieden als Thema. Ein dickeres Buch war in der Bibliothek offenbar nicht aufzutreiben.
Ein Test verändert alles
In einem Standardtest erreicht Charlie Brown überraschend die volle Punktzahl. Als erster Schüler der Schulgeschichte soll er deshalb geehrt werden. Doch während seiner Dankesrede bemerkt er, dass der Test Peppermint Patty gehört. Sie hatte die Antworten zufällig richtig geraten, während die Bögen vertauscht wurden. Niedergeschlagen gesteht Charlie Brown den Irrtum. Kurz darauf wird zudem sein Aufsatz über Krieg und Frieden versehentlich zerstört. Währenddessen entdeckt Snoopy eine Schreibmaschine und beginnt, inspiriert von Linus’ Dreidecker, einen Roman zu schreiben.
Snoopys Geschichte handelt vom Kampf eines Fliegerasses im Ersten Weltkrieg. Sein Gegner ist der Rote Baron Manfred von Richthofen, während Fifi seine große Liebe ist. Woodstock unterstützt Snoopy, und gemeinsam versinken beide in der erfundenen Handlung. Unterdessen trifft Charlie Brown im Park einen Jungen, der ebenfalls keinen Drachen steigen lassen kann. Charlie Brown hilft ihm, woraufhin der Junge tatsächlich Erfolg hat. Am letzten Schultag wählen die Kinder schließlich Brieffreunde für den Sommer.
Das kleine rothaarige Mädchen wählt Charlie Brown, der sein Glück kaum fassen kann. Dennoch vermutet er zunächst Mitleid dahinter. Schließlich fasst er Mut und möchte sie persönlich ansprechen. Allerdings ist sie bereits auf dem Weg ins Sommerlager. Durch einen ungewöhnlichen Zufall gelangt Charlie Brown dennoch zum Bus. Dort fragt er sie nach ihrem Grund. Sie nennt seine selbstlosen Handlungen und beschreibt ihn als ehrlich, liebevoll und mitfühlend. Beide versprechen, einander zu schreiben. Schließlich umarmen ihn seine Freunde, während der Bus davonfährt.
Filmkritik und Fazit von „Die Peanuts – Der Film“
Steve Martino übersetzt die Flächigkeit der Vorlage in eine Computeranimation, die ihre Herkunft nie verleugnet. „Die Peanuts – Der Film“ verzichtet auf große Kamerafahrten und zeigt seine Figuren meist frontal oder von der Seite, als bewegten sie sich weiterhin auf zwei Ebenen. Augen und Augenbrauen sitzen mitunter außerhalb der Köpfe, genau wie im gezeichneten Original. Die Blue Sky Studios liefern damit ein Design, das keiner anderen Animationsproduktion gleicht. Christophe Becks Musik trägt mehr Orchester als frühere Peanuts-Filme und nimmt den Bildern etwas von ihrer Kargheit. Das Drehbuch der Familie Schulz reiht Episoden aneinander, statt einen durchgehenden Bogen zu spannen.
Das Tempo bleibt über 93 Minuten angenehm niedrig. Die Szene am Psychiaterstand, wo Lucy ihrem Kunden Selbstsicherheit verordnet, sitzt so präzise wie im Strip. Ähnlich gut funktionieren Snoopys Flugträume, die den Film für ein paar Minuten in ein anderes Genre kippen lassen. Neue Figuren führt der Film bewusst nicht ein, was den vertrauten Kosmos geschlossen hält. Die eingestreuten Popsongs stören diesen Effekt allerdings. Wer die Comics kennt, wird die Pointendichte vermissen, denn ein Spielfilm braucht Fläche, wo der Strip mit vier kleinen Bildern auskommt.
Für Familien mit jüngeren Kindern eignet sich der Film uneingeschränkt. Die Freigabe ohne Altersbeschränkung ist verdient, das Prädikat besonders wertvoll ebenfalls. Erwachsene Peanuts-Leser bekommen eine respektvolle Übersetzung, sollten aber keine Schärfe erwarten. Wer den Beagle im Flugrausch sehen möchte, kommt auf seine Kosten. Die 93 Minuten vergehen ohne Durchhänger. Wer eine Neuerfindung erwartet, wird enttäuscht, denn der Film hütet lieber das Bestehende. Als Weihnachtsfilm mit Anlauf auf die eigene Kindheit funktioniert das ausgezeichnet.

