L.A. Crash

Nicht jeder Konflikt beginnt mit offener Feindseligkeit. Manchmal reichen ein falscher Verdacht, eine unbedachte Bemerkung oder die Angst vor dem Gegenüber. „L.A. Crash“ verbindet solche alltäglichen Situationen mit den gesellschaftlichen Spannungen einer amerikanischen Großstadt. Das Drama aus dem Jahr 2004 konzentriert sich auf Menschen, deren persönliche Überzeugungen immer wieder mit der Wirklichkeit kollidieren. Dabei spielen Herkunft und sozialer Status ebenso eine Rolle wie berufliche Macht, familiäre Bindungen und das Bedürfnis nach Sicherheit.

L.A. Crash
Dauer: 113 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Paul Haggis
Produzenten: Paul Haggis, Don Cheadle, Betsy Danbury
Hauptdarsteller: Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon
Nebendarsteller: Thandiwe Newton, Jennifer Esposito, Ryan Philippe
Studio: ApolloProScreen Filmproduktion
Sprachen: Deutsch, English

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Innerhalb eines Tages überschneiden sich in Los Angeles mehrere Lebenswege. Ein Bezirksstaatsanwalt und seine Frau werden Opfer eines Raubüberfalls, während ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle seine Stellung missbraucht. Anderswo verdächtigt ein Ladenbesitzer einen unschuldigen Handwerker, für seinen finanziellen Ruin verantwortlich zu sein. Gleichzeitig untersucht ein Detective einen Todesfall und muss sich zwischen seiner beruflichen Überzeugung und politischem Druck entscheiden. Als weitere Begegnungen unerwartete Folgen haben, geraten bisherige Gewissheiten ins Wanken. Was geschieht, wenn aus einem flüchtigen Verdacht eine Entscheidung mit unumkehrbaren Konsequenzen wird?

Besetzung, Drehorte & Infos

„L.A. Crash“ (Originaltitel „Crash“) ist ein US-amerikanisch-deutsches Episodendrama aus dem Jahr 2004. Paul Haggis führte erstmals Regie und verfasste gemeinsam mit Robert Moresco das Drehbuch. Der 113 Minuten lange Film behandelt Rassismus, gesellschaftliche Vorurteile und zwischenmenschliche Konflikte in Los Angeles. Die FSK erteilte eine Freigabe ab zwölf Jahren. Für die Produktion zeichneten Don Cheadle, Paul Haggis, Mark R. Harris, Robert Moresco, Cathy Schulman und Bob Yari verantwortlich. Mark Isham komponierte die Filmmusik, während James Michael Muro die Kameraarbeit übernahm und Hughes Winborne den Schnitt verantwortete.

Zur prominent besetzten Darstellerriege gehören Sandra Bullock als Jean Cabot, Don Cheadle als Detective Graham Waters und Matt Dillon als Sgt. Ryan. Jennifer Esposito spielt Ria, William Fichtner verkörpert Jake Flanagan und Brendan Fraser übernimmt die Rolle des Rick Cabot. Außerdem wirken Terrence Howard als Cameron, Ludacris als Anthony, Thandie Newton als Christine sowie Ryan Phillippe als Officer Hansen mit. Larenz Tate spielt Peter Waters und Tony Danza den Fred. Die Dreharbeiten dauerten 32 Tage und fanden ausschließlich in Los Angeles statt, unter anderem in Studio City.

Bei der Oscarverleihung 2006 gewann der Film drei Oscars, darunter Bester Film, Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt. Weitere Auszeichnungen folgten bei den Critics’ Choice Movie Awards sowie durch die Austin Film Critics Association. Weltweit erzielte die Produktion rund 83,4 Millionen US-Dollar Einspielergebnis. 2008 setzte Haggis das Filmkonzept mit einer 26-teiligen Fernsehserie fort.

Inhalt & Handlung vom Film „L.A. Crash“

Die Handlung von „L.A. Crash“ beginnt in Los Angeles, wo Detective Graham Waters und seine Kollegin Ria nach einem Auffahrunfall an einem Tatort eintreffen. Anschließend führen Rückblenden zu den Ereignissen des Vortages. Die beiden jungen Männer Anthony und Peter überfallen den Bezirksstaatsanwalt Rick Cabot und dessen Ehefrau Jean, bevor sie mit deren Geländewagen flüchten. Unterwegs fahren sie den Koreaner Choi Jin Gui an und bringen ihn nach kurzem Zögern zu einem Krankenhaus. Jean reagiert auf den Überfall mit wachsendem Misstrauen und verdächtigt den Schlosser Daniel, der ihre Türschlösser austauscht, kriminelle Verbindungen zu unterhalten. Tatsächlich kümmert sich Daniel verantwortungsvoll um seine Familie und versucht, seiner kleinen Tochter Sicherheit zu geben.

Währenddessen hält der Polizist Ryan gemeinsam mit seinem Kollegen Hansen das afroamerikanische Ehepaar Cameron und Christine an. Bei der Kontrolle nutzt Ryan seine Stellung aus und belästigt Christine sexuell. Cameron greift aus Angst vor einer gewaltsamen Eskalation nicht ein, weshalb seine Frau ihm anschließend schwere Vorwürfe macht. Hansen missbilligt das Verhalten seines Kollegen, verzichtet jedoch nach einem Gespräch mit seinem Vorgesetzten auf eine offizielle Beschwerde. Privat versorgt Ryan seinen schwer kranken Vater und streitet mit dessen Krankenversicherung über die notwendige Behandlung. Zur gleichen Zeit untersucht Waters den Tod eines schwarzen Zivilfahnders, den ein weißer Polizist erschossen hat. Obwohl die Beweise unterschiedliche Deutungen zulassen, drängt die Staatsanwaltschaft ihn aus politischen Gründen zu einer bestimmten Einschätzung.

Ein Streit mit schweren Folgen

Der persische Ladenbesitzer Farhad möchte sein Geschäft schützen und kauft eine Schusswaffe. Wegen einer beschädigten Eingangstür beauftragt er Daniel mit der Reparatur. Dieser tauscht das Schloss aus, empfiehlt jedoch eine neue Tür. Farhad missversteht den Hinweis und verdächtigt ihn des Betrugs. Als Einbrecher seinen Laden verwüsten und die Versicherung nicht zahlt, macht er Daniel verantwortlich. Bewaffnet sucht er dessen Haus auf und bedroht ihn. Daniels Tochter springt schützend vor ihren Vater, woraufhin Farhad schießt. Das Mädchen bleibt unverletzt, weil die Waffe nur Platzpatronen enthält.

Am nächsten Tag rettet Ryan die eingeklemmte Christine aus einem brennenden Fahrzeug. Zunächst wehrt sie sich gegen seine Hilfe, da sie ihn von der erniedrigenden Polizeikontrolle wiedererkennt. Unterdessen versuchen Anthony und Peter, Camerons Auto zu stehlen. Cameron widersetzt sich und gerät während einer Polizeiverfolgung in Gefahr. Hansen verhindert eine Eskalation und ermöglicht seine Weiterfahrt. Später nimmt er Peter als Anhalter mit. Als dieser nach einer Christophorusfigur greift, hält Hansen die Bewegung für einen Griff zur Waffe und erschießt ihn. Anschließend beseitigt er Spuren seiner Tat.

Waters entdeckt schließlich, dass der Tote sein jüngerer Bruder Peter ist. Gemeinsam mit seiner drogenabhängigen Mutter identifiziert er die Leiche. Sie wirft Graham vor, Peter vernachlässigt zu haben, und glaubt, ihr jüngerer Sohn habe ihren Kühlschrank gefüllt. Tatsächlich hatte Waters die Lebensmittel gekauft. Währenddessen überdenkt Jean ihre Vorurteile gegenüber ihrer lateinamerikanischen Haushälterin Maria, nachdem diese ihr bei einem Treppensturz hilft. Auch Anthony trifft eine Entscheidung: Statt mehrere asiatische Gefangene aus einem gestohlenen Lieferwagen an einen Hehler zu verkaufen, lässt er sie frei. Dennoch bestehen die gesellschaftlichen Spannungen fort. Ein weiterer Verkehrsunfall führt erneut zu rassistischen Beschimpfungen, während über Los Angeles Schnee fällt.

Filmkritik und Fazit zum Film „L.A. Crash“

„L.A. Crash“ verbindet mehrere Konflikte, die vor allem durch Misstrauen, gesellschaftliche Unterschiede und rassistische Vorurteile entstehen. Besonders überzeugend gelingt die Gegenüberstellung widersprüchlicher Verhaltensweisen. Polizist Ryan missbraucht bei einer Verkehrskontrolle seine Macht, während er später dieselbe Frau aus einem brennenden Auto rettet. Seine Hilfe entschuldigt die vorherige Demütigung nicht, macht aber deutlich, dass Menschen selten ausschließlich nach einem festen Verhaltensmuster handeln. Ebenso trifft Hansens tödliche Fehlentscheidung besonders hart, weil er zuvor gegen das diskriminierende Verhalten seines Kollegen Stellung bezogen hat.

Problematischer erscheint dagegen die Häufung ungewöhnlicher Zufälle. Fast jede Begegnung führt zu einer Eskalation, während zahlreiche Figuren innerhalb kürzester Zeit ihre Überzeugungen ändern. Gerade die Szene mit Daniels Tochter, die einen Schuss unverletzt übersteht, setzt stärker auf einen überraschenden Ausgang als auf nachvollziehbare Konsequenzen. Auch Jeans plötzliche Dankbarkeit gegenüber ihrer Haushälterin vereinfacht einen Konflikt, der zuvor tief verwurzelte Vorurteile erkennen ließ. Solche Wendungen nehmen den persönlichen Entwicklungen teilweise ihre Glaubwürdigkeit.

Dennoch besitzt der Film klare Stärken. Camerons Reaktion auf die Polizeiwillkür verdeutlicht beispielsweise, wie schwer Betroffene zwischen Selbstbehauptung und persönlicher Sicherheit abwägen müssen. Zugleich bleibt die politische Einflussnahme auf Waters‘ Ermittlungen ein überzeugender Hinweis auf institutionelle Machtverhältnisse. „L.A. Crash“ überzeugt deshalb vor allem in einzelnen Konflikten, während die zahlreichen konstruierten Verbindungen und schnellen Sinneswandel seine gesellschaftliche Auseinandersetzung unnötig vereinfachen.