Steig. Nicht. Aus!

Der spanische Thriller Anrufer unbekannt von Dani de la Torre kam 2015 heraus. Drei Jahre später übernahm Christian Alvart das Drehbuch von Alberto Marini und verlegte die Handlung nach Berlin. „Steig. Nicht. Aus!“ lief am 12. April 2018 in den deutschen Kinos an. Einen Tag darauf folgte Österreich. Das Prinzip ist so alt wie das Actionkino selbst. Ein Mann, ein Fahrzeug, eine Stimme am Telefon und keine Möglichkeit, den Raum zu verlassen. Alvart baut daraus einen deutschen Genrefilm mit klarer Ansage im Titel.

STEIG. NICHT. AUS!
Dauer: 109 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Christian Alvart
Produzenten: Sigi Kamml, Timm Oberwelland
Hauptdarsteller: Wotan Wilke Möhring, Hannah Herzsprung, Christiane Paul
Nebendarsteller: Mavie Hörbiger, Aleksandar Jovanovic, Marc Hosemann
Studio: Syrreal Entertainment, Traumfabrik Babelsberg
Sprachen: Deutsch, English

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Wotan Wilke Möhring spielt den Vater am Steuer, während Emily Kusche und Carlo Thoma seine Kinder verkörpern. Der Wagen wird dabei zum einzigen Schauplatz, obwohl draußen eine ganze Stadt an ihm vorbeizieht. Für den kompletten Film standen der Produktion lediglich zwanzig Drehtage zur Verfügung, weshalb Christian Alvart im Frühjahr 2017 konzentriert in Berlin und Umgebung drehte. Dabei übernimmt er die Konstruktion des Originals, tauscht jedoch die Kulisse aus und verlegt die Handlung in ein neues Umfeld. Dadurch stellt sich zugleich die Frage: Wie viel Spannung hält ein einzelner Innenraum über 109 Minuten aus?

Besetzung, Drehorte & Infos

Steig. Nicht. Aus!“ entstand 2018 in Deutschland und läuft 109 Minuten. Die FSK gab den Actionfilm ab zwölf Jahren frei. Regie führte Christian Alvart, der auch das Drehbuch verfasste. Vorlage war das Skript von Alberto Marini zum spanischen Film El desconocido. Die Musik komponierte Christoph Schauer, hinter der Kamera stand Christoph Krauss. Den Schnitt besorgten Marc Hofmeister und Theo Strittmatter. Produziert wurde der Film von Syrreal Entertainment in Koproduktion mit der Sechsundzwanzigsten Babelsberg Film GmbH, Telepool, der Traumfabrik Babelsberg und dem ZDF.

Wotan Wilke Möhring spielt den Berliner Projektentwickler Karl Brendt, der am Steuer sitzt. Emily Kusche und Carlo Thoma stehen als seine Kinder Josefine und Marius neben ihm im Wagen. Hannah Herzsprung und Christiane Paul gehören ebenfalls zur Hauptbesetzung. Weitere Rollen übernehmen Fahri Yardım, Mavie Hörbiger und Aleksandar Jovanovic. Der Film versammelt damit fast durchgehend bekannte Gesichter des deutschen Kinos. Ein Großteil der Szenen entsteht am Telefon oder hinter einer Windschutzscheibe. Für die Darsteller bedeutet das über weite Strecken Spiel auf engstem Raum.

Gedreht wurde an zwanzig Tagen zwischen dem 22. März und dem 6. Mai 2017 in Berlin und Umgebung. Der Deutsche Filmförderfonds und das Medienboard Berlin-Brandenburg förderten die Produktion mit rund 575.000 Euro. Für das erste Quartal 2018 kam eine Verleihförderung von 30.000 Euro hinzu. Den Kinoverleih übernahm NFP marketing & distribution. EuroVideo brachte den Film noch im selben Jahr auf DVD und Blu-ray heraus. Der Kinostart in Österreich folgte am 13. April 2018, einen Tag nach dem deutschen.

Inhalt & Handlung vom Film „Steig. Nicht. Aus!“

Karl Brendt ist ein erfolgreicher Projektentwickler in der Berliner Immobilienbranche. An einem gewöhnlichen Morgen fährt er seine beiden Kinder Josefine und Marius zur Schule, als unterwegs plötzlich sein Telefon im Wagen klingelt. Ein Unbekannter teilt ihm daraufhin mit, dass unter den Autositzen Bomben montiert sind, die explodieren, sobald ein Sitz entlastet wird, oder jederzeit auf Knopfdruck aus der Ferne gezündet werden können. Gleichzeitig fordert der Anrufer ein hohes Lösegeld. Steigt einer der drei aus dem Wagen aus, zündet er die Ladungen, weshalb Brendt keine Möglichkeit sieht anzuhalten. Kurz darauf explodiert ganz in der Nähe der Wagen von Brendts Geschäftspartner, als dessen Mitfahrerin aussteigt, wodurch die Drohung endgültig als real bewiesen ist. Zudem wird Brendts Sohn bei dieser Explosion verletzt und beginnt deshalb stark zu bluten.

Das geforderte Geld liegt auf dem Konto von Brendts Ehefrau Simone, doch zunächst will sie es nicht herausgeben. Erst als ihre Tochter am Telefon darum bittet, begreift sie schließlich den Ernst der Lage und lässt sich umstimmen. Ihr Anwalt, der zugleich ihr Geliebter ist, fährt sie daraufhin zur Bank. Allerdings hat der Erpresser zur Bedingung gemacht, dass Brendt mit niemandem über ihn und seine Forderungen spricht. Für alle Außenstehenden sieht es deshalb so aus, als entführe der Vater seine eigenen Kinder. Daraufhin wird die Polizei alarmiert und nimmt mit einem Großaufgebot sowie einer Sprengstoffexpertin die Verfolgung auf. Brendt muss nun gleichzeitig vor der Polizei fliehen und seine Kinder vor dem Erpresser schützen. Währenddessen blutet der Sohn stark und braucht dringend medizinische Hilfe, sodass der Druck auf Brendt mit jeder Minute weiter wächst.

Der Kessel aus Streifenwagen

Die Polizei kreist Brendts Auto schließlich mit einem Großaufgebot ein. Sprengstoffexpertin Pia Zach stellt fest, dass tatsächlich Bomben am Fahrzeug angebracht sind. Im Gespräch mit Brendt kommen ihr jedoch Zweifel an der offiziellen Version, während Einsatzleiter Drache ihn weiterhin für hochgefährlich hält. Als sich zeigt, dass unter den Rücksitzen keine echten Sprengsätze liegen, kann der verletzte Sohn evakuiert werden. Die Tochter bleibt dagegen im Wagen, weil sie um ihren Vater fürchtet und bereits Scharfschützen Stellung bezogen haben. Ein angeblicher Bruder soll Brendt schließlich zur Aufgabe bewegen, doch tatsächlich ist dieser Mann der Erpresser.

Der Täter will sich für den Tod seiner Frau rächen, nachdem sie infolge einer von Brendt verantworteten Entmietung ihre Wohnung verloren und sich das Leben genommen hatte. Während er den Einsatzleiter weiter gegen Brendt aufbringt, setzt er den Vater mit einem Zeitzünder zusätzlich unter Druck. Deshalb flieht Brendt aus dem Polizeikessel. Pia Zach erfährt jedoch von Simone, dass der echte Bruder im Ausland lebt, nimmt den Schießbefehl zurück und eskortiert Brendt zum Spreeufer. Dort steigt der Erpresser zu, während die Tochter den Wagen verlassen kann.

Im Auto fordert der Erpresser von Brendt, Verantwortung für seine Machenschaften zu übernehmen. Brendt gesteht sein verantwortungsloses Handeln ein, doch das Geständnis genügt ihm nicht. Schließlich steuert Brendt den Wagen verzweifelt in die Spree und kann kurz vor der Explosion entkommen. Der Erpresser stirbt, während Brendt später eine Haftstrafe verbüßt. Danach versöhnt sich die Familie, sodass der Film trotz seines düsteren Verlaufs vergleichsweise versöhnlich endet.

Filmkritik und Fazit zum Film „Steig. Nicht. Aus!“

Christian Alvart hält „Steig. Nicht. Aus!“ konsequent im Fahrzeug und macht daraus seine wichtigste Entscheidung. Christoph Krauss filmt aus Positionen, die auch ein Beifahrer einnehmen könnte, und findet in einem Innenraum erstaunlich viele Blickachsen. Der Schnitt von Marc Hofmeister und Theo Strittmatter treibt das Tempo, ohne die Orientierung zu opfern. Wotan Wilke Möhring spielt einen Mann, dem die Kontrolle Stück für Stück abhandenkommt, und verzichtet dabei auf große Gesten. Die Kinderdarsteller tragen mehr, als deutsche Genrefilme ihnen sonst zutrauen. Alvarts eigenes Drehbuch bleibt eng an der spanischen Vorlage. Christoph Schauers Musik arbeitet mit Pulsen.

Zwei Momente zeigen, wozu das Konzept fähig ist. Der erste ist die Explosion eines fremden Wagens in Sichtweite, die aus einer abstrakten Drohung binnen Sekunden eine physische macht. Der zweite ist ein Telefonat zwischen einem Kind und seiner Mutter, in dem ein einziger Satz mehr bewirkt als jede Verhandlung. Alvart hält das Tempo über weite Strecken hoch. In der zweiten Hälfte übernimmt allerdings die Polizeioper, und der Film verlässt seinen stärksten Raum. Die Motivation des Erpressers kommt spät und wird schnell abgehandelt.

Für Freunde des Action-Thrillers lohnt sich der Film ohne größere Einschränkung. Wer deutsches Genrekino grundsätzlich für zu brav hält, wird hier eines Besseren belehrt. Alvart liefert eine Neuverfilmung, die ihr Vorbild respektiert und trotzdem eigene Berliner Härte hat. Wer das spanische Original kennt, kennt jede Wendung im Voraus. Alle anderen bekommen sauber gebautes und schnörkelloses Spannungskino. Für einen Freitagabend im Wohnzimmer reicht das vollkommen.