Michael

Kaum ein Filmprojekt der vergangenen Jahre hat so lange gebraucht, um die Leinwand zu erreichen. Graham King sicherte sich die Rechte bereits im November 2019, das Studio bestätigte das Vorhaben im Februar 2022. Dazwischen lagen ein Streik, verschobene Starttermine und ein juristisch erzwungener Nachdreh. „Michael“ kam schließlich am 22. April 2026 in die deutschen Kinos, zwei Tage vor dem Start in den Vereinigten Staaten. Antoine Fuqua führte Regie, das Drehbuch stammt von John Logan. Erste Ausschnitte hatten Kinobetreiber schon im April 2024 zu sehen bekommen.

Michael
Dauer: 127 Min.
FSK: ab 6 Jahren
Jahr:
Regie: Antoine Fuqua
Produzenten: Graham King, John Branca, John McClain
Hauptdarsteller: Jaafar Jackson, Nia Long, Laura Harrier
Nebendarsteller: Miles Teller, Colman Domingo, Amaya Mendoza
Studio: Universal Pictures
Sprachen: Deutsch, English

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Die Hauptrolle übernahm mit Jaafar Jackson ein Neffe des Sängers, für den es das Filmdebüt bedeutet. Die Weltpremiere fand am 10. April 2026 in der Berliner Uber Eats Music Hall statt, ein ungewöhnlicher Ort für einen amerikanischen Studiofilm. Seit Juni 2026 gilt der Film als erfolgreichste Filmbiografie überhaupt. Eine Milliarde Dollar weltweit sind eine Hausnummer, und im Juni 2026 fiel damit auch der bisherige Rekord des Genres. Wie erzählt man von einem Menschen, dessen Bild längst von allen Seiten beansprucht wird?

Besetzung, Drehorte & Infos

Der US-amerikanische Musikfilm „Michael“ läuft 127 Minuten und ist ab sechs Jahren freigegeben. Antoine Fuqua führte Regie, John Logan schrieb das Drehbuch über das Leben des Sängers Michael Jackson. Die Kamera führte Dion Beebe, den Schnitt besorgten John Ottman und Harry Yoon. Barbara Ling verantwortete das Produktionsdesign, Marci Rodgers die Kostüme. Lionsgate hält die weltweiten Vertriebsrechte, Universal Pictures erwarb im Oktober 2023 ausgewählte internationale Rechte. Das Casting leitete Kimberly Hardin, die im Juni mit der Arbeit begann. Angekündigt wurde das Projekt offiziell im Februar 2022.

Jaafar Jackson spielt die Titelfigur, Juliano Krue Valdi den jungen Michael. Colman Domingo verkörpert den Vater Joseph Jackson, Nia Long die Mutter Katherine. Miles Teller ist als Anwalt John Branca zu sehen, Derek Luke als Rechtsanwalt Johnnie Cochran. Laura Harrier spielt Suzanne de Passe, Larenz Tate den Motown-Gründer Berry Gordy. Weitere Rollen übernahmen Jamal R. Henderson und Jayden Harville. Die übrigen Rollen der Jackson Five wurden im Februar 2024 besetzt. Die bereits gedrehten Szenen mit Kat Graham als Diana Ross wurden aus rechtlichen Erwägungen aus der fertigen Fassung entfernt.

Gedreht wurde vom 22. Januar bis zum 30. Mai 2024, nachdem der SAG-AFTRA-Streik den ursprünglichen Termin gekippt hatte. Die California Film Commission veranschlagte 120 Millionen Dollar allein für Löhne und Zulieferer. Im Januar 2025 stellte sich heraus, dass Teile des Materials rechtlich unbrauchbar waren, weil die Darstellung der Vorwürfe aus den neunziger Jahren einer früheren Vereinbarung widersprach. Das Team schrieb entscheidende Passagen um und drehte nach. Mit dem Kinostart kehrten sechs Alben und vier Lieder in die deutschen Charts zurück.

Inhalt & Handlung vom Film „Michael“

1966 versammelt der Stahlarbeiter Joseph Jackson seine fünf Söhne zu einer Band, The Jackson Five, mit dem jüngsten an der Spitze. Dabei ziehen sich die Proben über Monate und werden vom Vater mit körperlicher Züchtigung begleitet. Schließlich wird aus kleinen Auftritten ein Vertrag bei Motown, nachdem Suzanne de Passe die Gruppe 1969 entdeckt hat. Die Alben führen die Charts an, während die Konzerte in den Vereinigten Staaten ausverkauft sind. Zwei Jahre später zieht die Familie aus einem kleinen Haus in Gary, Indiana, in ein Herrenhaus im kalifornischen Encino. Zudem sieht Motown-Gründer Berry Gordy in Michael das Potenzial für eine Solokarriere. Der Junge steht damit schon als Kind zwischen zwei Erwartungen, der des Vaters und der des Labels. Gary bleibt zurück, doch der Druck reist mit.

1978 unterschreibt Michael bei Epic Records für sein erstes Soloalbum als Erwachsener. Off the Wall produziert Quincy Jones, wobei sich der Erfolg einstellt. Joseph bremst dennoch, weil er sich allein für das Schicksal seiner Kinder verantwortlich sieht. Deshalb muss Michael mit den Brüdern auf der Triumph Tour weiter auftreten. Zugleich wächst seine Unsicherheit über das eigene Aussehen. Außerdem erkrankt er an Weißfleckenkrankheit und unterzieht sich einer Nasenkorrektur. Nach einem Streit mit dem Vater sucht er Rat bei seinem Leibwächter und engen Freund Bill Bray und geht schließlich seinen eigenen Weg. 1981 stellt er John G. Branca als Anwalt ein und lässt Joseph daraufhin per Fax entlassen. Der Bruch geschieht somit ohne Gespräch, über ein Blatt Papier. Von diesem Moment an führt Michael schließlich die eigenen Geschäfte.

Vom Bandmitglied zum Weltstar

Michael sammelt Ideen für sein nächstes Album. Ein Bericht über den Bandenkrieg zwischen Bloods und Crips bringt ihn dazu, Mitglieder beider Seiten für das Musikvideo zu Beat It zu engagieren. Thriller bricht weltweite Verkaufsrekorde. Beim Fernsehspecial Motown 25 liefert Michael eine Darbietung von Billie Jean, die alles verändert. Gemeinsam mit Branca reist er nach New York zu Walter Yetnikoff, dem Präsidenten von CBS Records. MTV spielt jedoch keine Musik schwarzer Künstler. Erst als Yetnikoff mit dem Abzug des Katalogs droht, lenkt der Sender ein.

Während Michael seinen Erfolg genießt, plant Joseph mit Don King eine Reunion-Tour der Jacksons. King bietet einen Sponsoringvertrag mit PepsiCo an, sofern Michael mitzieht. Bei Dreharbeiten zu einem Pepsi-Werbespot entzündet Pyrotechnik seine Haare. Er erleidet Verbrennungen dritten Grades und Nervenschäden. Gemeinsam mit Branca verklagt er den Konzern. Der Vergleichserlös geht an das Verbrennungszentrum. Die Genesung dauert, doch Joseph hält an der Tourplanung fest.

Nach seiner Genesung willigt Michael ein, mit seinen Geschwistern auf die Victory Tour zu gehen. Bei der letzten Show stehen Human Nature und Working Day and Night auf der Setlist. Vor dem Publikum kündigt Michael an, dass die Jacksons zum letzten Mal gemeinsam auftreten. Joseph reagiert wütend. Hinter der Bühne schiebt Michael seinen Vater zur Seite und kappt alle Verbindungen zu ihm. Der Film endet 1988 im Wembley-Stadion. Dort singt Michael auf seiner ersten Solo-Tour vor einem ekstatischen Publikum Bad. Der Bruch mit der Familie und der Aufstieg zum Solokünstler fallen zusammen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Michael“

Antoine Fuqua inszeniert „Michael“ als Aufstiegserzählung mit klarer Chronologie und wenigen Umwegen. Jaafar Jackson trägt in seinem Filmdebüt eine enorme Last und überzeugt besonders in den Musiknummern. Colman Domingo gibt Vater Joseph eine Härte, die nie zur bloßen Bösewichtnummer verkommt. Dion Beebes Kamera trennt zwei Welten: das enge Wohnzimmer in Gary und die großen Bühnen. John Logans Drehbuch bleibt jedoch auf Sicherheitsabstand. Nia Long bekommt als Mutter Katherine zu wenig Raum, während Miles Teller Anwalt Branca als nüchternen Gegenentwurf spielt.

Besonders bleiben die frühen Proben im Gedächtnis, in denen Fuqua den Druck des Vaters zeigt. Ebenso funktioniert der Videodreh mit Mitgliedern rivalisierender Banden. Der Schnitt von John Ottman und Harry Yoon hält die 127 Minuten in Bewegung, verliert aber im mittleren Drittel an Genauigkeit. Wo der Film unangenehm werden müsste, wählt er die Abkürzung. Die juristisch erzwungenen Umschreibungen sind dem Ergebnis anzumerken. Barbara Lings Produktionsdesign und Marci Rodgers Kostüme überzeugen dagegen vom Wohnzimmer der sechziger Jahre bis zur Stadionbühne. Auch der Ton sitzt besonders in den Konzertpassagen.

Wer Musikbiografien schätzt, bekommt eine handwerklich saubere Arbeit mit starken Bühnenszenen und einem überzeugenden Hauptdarsteller. Wer eine kritische Auseinandersetzung erwartet, wird dagegen enttäuscht. Der Film endet, bevor die schwierigen Jahre beginnen. Für den Kinobesuch spricht vor allem die Musik, insbesondere im IMAX-Format. Für Fans lohnt sich daher der Weg ins Kino, während für alle anderen eine gut gemachte, aber sehr kontrollierte Erzählung bleibt.

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