The Last Showgirl
Las Vegas lebt vom Versprechen, dass der Glanz nie verlischt. Hinter den Federboas arbeiten Menschen, deren Berufsleben an eine einzige Show gebunden ist. Gia Coppola richtet ihre Kamera auf eine Frau, die dieses Versprechen ein halbes Leben lang getragen hat. „The Last Showgirl“ erzählt vom Ende einer Revue und vom Anfang einer Ratlosigkeit. Pamela Anderson übernimmt darin die Titelrolle der Shelley Gardner. Die Besetzung wirkt wie ein Kommentar auf ihre eigene Laufbahn. Gedreht wurde in Las Vegas, in nur achtzehn Tagen.
| Dauer: | 89 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 12 Jahren |
| Jahr: | 2024 |
| Regie: | Gia Coppola |
| Produzenten: | Robert Schwartzman, Natalie Farrey |
| Hauptdarsteller: | Pamela Anderson, Dave Bautista, Jamie Lee Curtis |
| Nebendarsteller: | Kiernan Shipka, Brenda Song, Billie Lourd |
| Studio: | Constantin Film |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Das Drehbuch stammt von Kate Gersten, die zuvor vor allem für Fernsehserien geschrieben hat. Für Gia Coppola ist es der vierte Spielfilm nach „Palo Alto“, „Mainstream“ und „The Seven Faces of Jane“. Die Premiere lief im September 2024 in Toronto, der deutsche Start folgte im März 2025. Danach folgten Nominierungen bei Golden Globes, BAFTA und Screen Actors Guild. Im Zentrum steht eine Frage, die weit über Las Vegas hinausreicht. Was passiert mit einem Menschen, wenn die Bühne verschwindet, die ihn definiert hat?
Besetzung, Drehorte & Infos
Das Filmdrama „The Last Showgirl“ erschien 2024 und ist der vierte Spielfilm von Gia Coppola. Das Drehbuch schrieb Kate Gersten, bekannt durch Serien wie Mozart in the Jungle und Schmigadoon!. Hinter der Kamera stand Autumn Durald Arkapaw, die bereits bei Palo Alto und Mainstream mit Coppola arbeitete. Die Musik komponierte der Oscar-Preisträger Andrew Wyatt. Miley Cyrus schrieb und sang den eigens verfassten Song Beautiful That Way, gemeinsam mit Wyatt und Lykke Zachrisson. Produziert haben Natalie Farrey und Robert Coppola Schwartzman, ein Cousin der Regisseurin.
Pamela Anderson spielt das alternde Showgirl Shelley Gardner. Billie Lourd verkörpert deren Tochter Hannah. Kiernan Shipka, bekannt aus „Mad Men“, ist als jüngere Tänzerin Jodie zu sehen, Brenda Song als ihre Kollegin Marianne. Jamie Lee Curtis spielt Shelleys Freundin Annette, die in Las Vegas als Cocktailkellnerin arbeitet. Dave Bautista übernimmt die Rolle des Bühnenmanagers Eddie, Shelleys Ex und Hannahs Vater. Jason Schwartzman tritt als Regisseur auf, der Shelley bei einem Casting heruntermacht. In der deutschen Fassung sprechen Marion von Stengel und Tilo Schmitz die beiden Hauptfiguren.
Gedreht wurde in Las Vegas, Ende Januar 2024 waren die Aufnahmen nach achtzehn Tagen beendet. Die Premiere fand am 6. September 2024 beim Toronto International Film Festival statt. Stationen in San Sebastián, Zürich, Savannah, Denver, Whistler und Tromsø folgten. In San Sebastián erhielt Gia Coppola den Spezialpreis der Jury. Pamela Anderson wurde für Golden Globe und Screen Actors Guild Award nominiert, Jamie Lee Curtis für BAFTA und SAG Award. Der Song Beautiful That Way sammelte gleich mehrere Nominierungen und Preise.
Inhalt & Handlung vom Film „The Last Showgirl“
Schauplatz ist Las Vegas, genauer gesagt die Bühne einer Revue namens The Razzle Dazzle. Seit über dreißig Jahren läuft diese Show. Shelley Gardner steht bereits seit den Anfängen darin, inzwischen ist sie fast sechzig. Die Kostüme, die Federn und der Applaus, all das bildet dabei den Rahmen ihres Lebens. Neben ihr tanzen außerdem die deutlich jüngeren Kolleginnen Jodie und Marianne. Für einige aus dieser nächsten Generation ist Shelley inzwischen zu einer Art Mutterfigur geworden. Den Betrieb hinter der Bühne leitet hingegen Eddie, ihr früherer Partner. Eine enge Freundin hat Shelley zudem in Annette, die als Cocktailkellnerin in der Stadt arbeitet. Außerhalb des Theaters sieht ihr Leben allerdings weit weniger geordnet aus. Denn zu ihrer Tochter Hannah besteht seit Jahren ein schwieriges Verhältnis.
Eines Tages muss Eddie seinen Tänzerinnen jedoch eine Nachricht überbringen, die er selbst nicht gern ausspricht. Nach mehr als drei Jahrzehnten wird die Show nämlich abgesetzt, und der letzte Vorhang steht bevor. Für Jodie und Marianne bedeutet das einen Wechsel, für Shelley hingegen einen Bruch. Mit fast sechzig Jahren steht sie deshalb vor der Frage, wie ihre Zukunft aussehen soll. Denn einen anderen Beruf hat sie in ihrem Leben nie erlernt. Die Bühne war für sie Arbeitsplatz, Identität und Ordnung zugleich. Die Ankündigung verändert deshalb das Klima hinter den Kulissen von einem Tag auf den anderen. Annette hört dabei zu, tröstet und kennt die Lage zugleich aus eigener Erfahrung. Die jüngeren Tänzerinnen beginnen dagegen bereits, sich nach Alternativen umzusehen. Shelley reagiert zunächst jedoch so, wie sie es immer getan hat, mit Zuversicht und Verdrängung.
Zwischen Bühne und Küchentisch
Parallel dazu versucht Shelley, das Verhältnis zu ihrer Tochter zu verbessern. Hannah musste während der Karriere ihrer Mutter oft zurückstehen. Zudem spielt eine Adoptivmutter in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Hannah studiert Fotografie, wird von ihr jedoch Richtung Grafikdesign gedrängt. Die Gespräche zwischen Mutter und Tochter kreisen um versäumte Jahre. Shelley spricht von ihrer Show und der Bedeutung ihrer Auftritte. Hannah sieht darin hingegen den Grund für ihre Kindheit ohne Mutter. Beide reden aneinander vorbei, suchen aber dennoch die Nähe. Die Absetzung der Revue bringt diesen Konflikt schließlich an die Oberfläche.
Shelley entschließt sich daraufhin, für eine neue Show vorzutanzen. Beim Casting trifft sie jedoch auf einen Regisseur, der sie vor anderen demütigt. Was jahrzehntelang gefragt war, zählt plötzlich nicht mehr. Auch für die jüngeren Kolleginnen haben sich die Anforderungen verändert. Jodie bereitet sich deshalb auf ihre eigene Zukunft im Geschäft vor. Annette bleibt als Freundin an Shelleys Seite, während ihr Alltag als Cocktailkellnerin wenig Trost bietet. Eddie steht derweil zwischen den Fronten: als Vorgesetzter, Ex und Vater von Hannah.
Die Gespräche mit Hannah gehen weiter, nun jedoch ohne alte Abwehrreflexe. Shelley erzählt von der Revue und den vergangenen Jahren. Dabei erkennt sie, wie sehr sich Las Vegas verändert hat. Zugleich begreift sie ihren eigenen Anteil an dieser Entwicklung. Sie hat mitgetragen, was sie nun verliert. Eine große Versöhnung oder einen klaren Neuanfang gibt es allerdings nicht. Schließlich bleibt Shelley erstmals seit Jahrzehnten ohne Bühne zurück.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Last Showgirl“
Gia Coppola inszeniert dokumentarisch, mit Handkamera, weichen Rändern und sehr nahen Einstellungen. Autumn Durald Arkapaws Bilder verweigern den Glamour, den ihr Sujet verspricht. „The Last Showgirl“ wirkt dadurch rau, gelegentlich unruhig, in den besten Momenten unmittelbar. Pamela Anderson spielt Shelley ohne jede Eitelkeit und ohne den Rückgriff auf ihr eigenes Image. Jamie Lee Curtis nimmt ihr in einzelnen Szenen mühelos die Aufmerksamkeit weg. Dave Bautista gibt seinem Eddie eine schwere, leise Verlegenheit, die der Figur guttut. Kate Gerstens Drehbuch traut den Bildern allerdings zu wenig und formuliert vieles aus, was längst sichtbar ist.
Das Tempo bleibt beiläufig, große dramatische Zuspitzungen meidet der Film. Andrew Wyatts Score legt sich eher über die Szenen, als dass er sie trägt. Zur Ruhe kommt die Erzählung selten. Am stärksten wirkt sie dort, wo nur beobachtet wird, etwa in dem Moment, in dem der Bühnenmanager seinen Tänzerinnen die Absetzung mitteilt. Auch das Casting, bei dem ein Regisseur mit wenigen Sätzen ein halbes Berufsleben entwertet, sitzt genau. Die privaten Dialogszenen dagegen drehen sich im Kreis und wiederholen, was längst sichtbar war. Miley Cyrus‘ Beautiful That Way setzt am Ende einen Ton, der dem Rest fehlt.
Wer Charakterdramen mit Vorrang für Darstellerinnen schätzt, findet hier zwei bemerkenswerte Auftritte. Pamela Anderson und Jamie Lee Curtis rechtfertigen den Kinobesuch allein. Zuschauer, die klare Wendungen und ein rundes Ende erwarten, werden enttäuscht heimgehen. Die wacklige Bildsprache verlangt über die volle Laufzeit einige Geduld. Für Liebhaber leiser Milieustudien über Alter, Arbeit und Sichtbarkeit lohnt sich der Film dennoch. Er sagt über Las Vegas mehr aus, als seine Dialoge zugeben.

