The Voices
Marjane Satrapi wurde als Zeichnerin bekannt, lange bevor sie Filme drehte. Ihre Graphic Novel Persepolis machte sie zu einer prägenden Stimme des autobiografischen Comics. Mit „The Voices“ wechselte sie 2014 in ein Terrain, das man von ihr kaum erwartet hätte. Der Film entstand als deutsch-amerikanische Koproduktion im Studio Babelsberg. Michael R. Perry schrieb das Drehbuch, Ryan Reynolds übernahm die Hauptrolle. Die Weltpremiere fand im Januar 2014 auf dem Sundance Film Festival statt. Ein regulärer Kinostart in den USA blieb dem Film verwehrt.
| Dauer: | 104 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 16 Jahren |
| Jahr: | 2014 |
| Regie: | Marjane Satrapi |
| Produzenten: | Roy Lee, Matthew Rhodes, Adi Shankar |
| Hauptdarsteller: | Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick |
| Nebendarsteller: | Jacki Weaver, Sam Spruell, Adi Shankar |
| Studio: | 1984 Private Defense Contractors, Mandalay Vision |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Schwarze Komödien leben von der Frage, wie weit ein Publikum mitgeht. Satrapi verbindet Pastellfarben und freundliche Fabrikhallen mit Motiven, die eigentlich dem Horrorkino gehören. Im Zentrum steht eine Figur, deren Wahrnehmung der Welt nicht verlässlich ist. Sprechende Haustiere kommentieren dabei, was auf der Leinwand geschieht, und treiben die Handlung voran. Die Erzählung folgt konsequent der Perspektive ihres Protagonisten. Wie viel Sympathie darf ein Film für jemanden erzeugen, dessen Blick auf die Wirklichkeit grundlegend verschoben ist?
Besetzung, Drehorte & Infos
„The Voices“ ist eine US-amerikanisch-deutsche Produktion aus dem Jahr 2014 mit einer Laufzeit von 104 Minuten. Regie führte Marjane Satrapi, bekannt als Autorin und Zeichnerin der Graphic Novel Persepolis. Das Drehbuch der blutigen, makaberen Horrorkomödie schrieb Michael R. Perry. Für die Musik zeichnet Olivier Bernet verantwortlich. Die Kamera führte Maxime Alexandre, den Schnitt besorgte Stéphane Roche. Die Weltpremiere fand am 19. Januar 2014 auf dem Sundance Film Festival statt. Die FSK gab den Film ab sechzehn Jahren frei.
Ryan Reynolds spielt Jerry, der in einer Badewannenfabrik arbeitet. Gemma Arterton verkörpert die britischstämmige Buchhalterin Fiona, Anna Kendrick deren Kollegin Lisa. Jacki Weaver ist als Therapeutin Dr. Warren zu sehen. Gulliver McGrath, Sam Spruell, Adi Shankar und Ella Smith ergänzen das Ensemble. Hund Bosco und Kater Mr. Whiskers treten als ständige Gesprächspartner der Hauptfigur auf.
Die Dreharbeiten begannen im April 2013 im Studio Babelsberg in Potsdam sowie an Schauplätzen in Berlin und Brandenburg. Beteiligt waren Mandalay Vision, 1984 Private Defense Contractors, Vertigo Entertainment und Studio Babelsberg. Gefördert wurde die Produktion vom Deutschen Filmförderfonds, vom Medienboard Berlin-Brandenburg und der Filmförderungsanstalt. Lions Gate erwarb im März 2014 die US-Vermarktungsrechte. Die Auswertung erfolgte ab Februar 2015 per Video-on-Demand und in wenigen Independent-Kinos. Beim L’Etrange Festival gewann der Film den Großen Preis und den Publikumspreis.
Inhalt & Handlung vom Film „The Voices“
Jerry ist ein unerschütterlicher Optimist, der jedoch an paranoider Schizophrenie erkrankt ist. Deshalb befindet er sich in psychotherapeutischer Behandlung, arbeitet in einer Badewannenfabrik und lebt über einer Bowlingbahn. In seinen Halluzinationen spricht er außerdem mit seinem Hund Bosco und seinem Kater Mr. Whiskers. Dabei steht Bosco für die gewissenhafte Seite seiner Persönlichkeit, Mr. Whiskers hingegen für die triebhafte. Eines Tages lobt ihn sein Vorgesetzter und beauftragt ihn anschließend mit der Organisation eines Mitarbeiter-Barbecues. Bei den Vorbereitungen trifft Jerry schließlich auf Fiona, eine britischstämmige Kollegin aus der Buchhaltung, und bittet sie um ein Date. Aus der Stimmung des Augenblicks heraus sagt sie zunächst zu. Später bereut sie die Zusage jedoch und geht ihm deshalb aus dem Weg. Am Abend des Dates spricht sie ihm schließlich eine Absage auf die Mailbox und fährt stattdessen zu einer Karaoke-Party.
Jerry hört die Nachricht allerdings zu spät und wartet deshalb frustriert im Chinarestaurant. Fiona kommt nach der Party jedoch nicht allein nach Hause, denn Auto und Mobiltelefon sind defekt. Auf der Rückfahrt entdeckt Jerry sie schließlich trampend am Straßenrand und bietet ihr daraufhin eine Mitfahrt an. Aus schlechtem Gewissen schlägt sie deshalb vor, das verpasste Date in einem Diner nachzuholen. Der Weg dorthin führt allerdings durch abgelegenes Waldgebiet. Jerry achtet jedoch nicht auf die Straße und kollidiert frontal mit einem Hirsch, dessen Kopf daraufhin durch die Windschutzscheibe schlägt. Fiona reagiert hysterisch, während Jerry dagegen glaubt, das Tier bitte ihn um Erlösung. Daraufhin schneidet er dem Hirsch die Kehle durch. Verstört flieht Fiona anschließend in den Wald, doch Jerry folgt ihr und verletzt sie im Gerangel mit dem Messer. Um ihr Leiden schließlich zu beenden, sticht er ihr ins Herz.
Zwischen Tabletten und Stimmen
Zu Hause fordert Bosco Jerry auf, zur Polizei zu gehen und alles zu gestehen. Mr. Whiskers verlangt dagegen, Fionas Leiche verschwinden zu lassen. Jerry bringt sie in seine Wohnung, zerstückelt sie und stellt ihren Kopf in den Kühlschrank. Dieser beginnt zu sprechen und fordert ihn auf, seine Medikamente zu nehmen. Jerry gehorcht, wird jedoch von Kindheitserinnerungen geplagt. Ohne Halluzinationen erkennt er später den verwahrlosten Zustand seiner Wohnung. Daraufhin spült er die Tabletten hinunter, woraufhin die Stimmen zurückkehren.
Fiona verlangt Gesellschaft und setzt Jerry gemeinsam mit Mr. Whiskers unter Druck. Deshalb lädt er Lisa in sein verlassenes Elternhaus ein. Dort wird deutlich, dass seine Mutter ebenfalls psychisch erkrankt war. Vor ihrer Einweisung wollte sie sich das Leben nehmen. Schließlich bat sie Jerry, ihr Leiden zu beenden. Er erfüllte ihren Wunsch und wurde neben ihrer Leiche gefunden. Lisa tröstet Jerry, anschließend verbringen beide die Nacht miteinander. Dennoch verstummen die Stimmen nicht.
Bei einem Überraschungsbesuch entdeckt Lisa Fionas Kopf. Jerry weigert sich zunächst, ihr etwas anzutun. Bei ihrem Fluchtversuch verletzt er sie jedoch tödlich. Auch Kollegin Alison überlebt ihren Besuch nicht. Schließlich gesteht Jerry seiner Therapeutin Dr. Warren alles und nimmt sie als Geisel. Dave und John entdecken unterdessen die Überreste und alarmieren die Polizei. Während des Zugriffs beschädigt Jerry eine Gasleitung, woraufhin eine Explosion das Gebäude zerstört. Jerry legt sich auf die Bowlingbahn und erstickt. Danach trifft er in einem weißen Nichts seine Eltern, die getöteten Frauen und Jesus zum gemeinsamen Tanz.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Voices“
„The Voices“ arbeitet mit einem Kontrast, der zunächst unmöglich wirkt. Satrapi lässt Maxime Alexandre die Fabrikhallen in leuchtendem Rosa filmen und stellt die Freundlichkeit des Bildes gegen den Inhalt der Szene. Ryan Reynolds spielt Jerry ohne jede Distanz, mit einer Herzlichkeit, die das Publikum in eine unangenehme Nähe zwingt. Michael R. Perrys Drehbuch bindet die Erzählung so eng an diese Figur, dass jede Halluzination als Tatsache erscheint. Olivier Bernets Musik unterstreicht die freundliche Oberfläche, statt sie zu unterlaufen. Gemma Arterton und Anna Kendrick füllen ihre Rollen deutlich jenseits der reinen Opferfunktion.
Das Tempo wechselt zwischen behaglich und abrupt, was der ganzen Konstruktion sichtlich zugutekommt. Die Vorbereitung des Barbecues in der Fabrik zeigt, wie beiläufig der Film seine Fallhöhe aufbaut. Ähnlich funktioniert der Abend im Chinarestaurant, an dem Jerry allein an einem gedeckten Tisch sitzt und wartet. Die Kamera hält solche Momente deutlich länger, als es dem Publikum bequem wäre. Der makabere Humor trifft nicht durchgehend, und mancher Gag verpufft im Raum zwischen zwei Gewaltspitzen. Als schwarze Komödie bleibt der Film seinem einmal gewählten Ton bemerkenswert treu.
Wer schwarze Komödien mit scharfer Kante schätzt, findet hier genau das passende Angebot. Der Film verlangt Bereitschaft zu einem Perspektivwechsel, der nicht jedem behagt, weil er Mitleid und Entsetzen gleichzeitig bedient. Reynolds liefert hier eine der ungewöhnlichsten Arbeiten seiner Karriere ab. Freunde des konventionellen Genrekinos werden mit dem Schlussbild wenig anfangen können. Für 104 Minuten lohnt sich der Blick auf ein Werk, das seine Regeln selbst erfindet.

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