Geostorm
Der Katastrophenfilm lebt vom Versprechen, das Unvorstellbare sichtbar zu machen. Dean Devlin nimmt sich in „Geostorm“ das größte verfügbare Motiv vor: das Wetter selbst, als technisches System kontrolliert. Die Idee stammt aus einer Zeit, in der Hollywood den Weltuntergang noch als Unterhaltungsform verstand. Devlin hat diese Schule bei Stargate, Independence Day und Godzilla gelernt. Sein Regiedebüt verlegt die Bedrohung von der Natur in die Infrastruktur. Nicht der Sturm ist der Gegner, sondern der Apparat, der ihn verhindern soll.
| Dauer: | 109 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 12 Jahren |
| Jahr: | 2017 |
| Regie: | Dean Devlin |
| Produzenten: | Dean Devlin, David Ellison, Dana Goldberg |
| Hauptdarsteller: | Gerard Butler, Jim Sturgess, Abbie Cornish |
| Nebendarsteller: | Ed Harris, Andy García, Richard Schiff |
| Studio: | Warner Bros. |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Gerard Butler spielt den Konstrukteur des Satellitennetzes, Jim Sturgess seinen Bruder in Washington. Zwischen Raumstation und Weißem Haus verteilt der Film seine beiden Erzählstränge. Lorne Balfes Musik und Roberto Schaefers Kamera arbeiten dabei mit dem Kontrast aus Schwerelosigkeit und Bodenpolitik. Die Produktion selbst hatte eine bewegte Geschichte, mit Nachdrehs, neuen Figuren, ausgetauschten Rollen und einem nachträglich erhöhten Budget. Solche Eingriffe hinterlassen Spuren. Der Film trägt sie sichtbar. Was bleibt von einem Weltuntergang, der aus dem Serverraum kommt?
Besetzung, Drehorte & Infos
„Geostorm“ entstand 2017 in den Vereinigten Staaten und läuft 109 Minuten. Dean Devlin führte Regie und schrieb gemeinsam mit Paul Guyot das Drehbuch. Für Devlin war es das Kinodebüt als Regisseur, nachdem er sich zuvor als Produzent und Autor einen Namen gemacht hatte. An Stargate, Independence Day und Godzilla war er maßgeblich beteiligt. Die Musik komponierte Lorne Balfe, die Kamera führte Roberto Schaefer. Den Schnitt teilten sich Ron Rosen, Chris Lebenzon und John Refoua. Drei Cutter für einen Film sind bemerkenswert.
Gerard Butler übernimmt die Hauptrolle als Jake Lawson, leitender Konstrukteur des Satellitennetzes. Zum Ensemble gehören außerdem Jim Sturgess, Abbie Cornish, Alexandra Maria Lara, Daniel Wu, Eugenio Derbez, Ed Harris und Talitha Bateman. Besetzt werden damit Jakes Bruder Max, die Secret-Service-Mitarbeiterin Sarah und die Stationskommandantin Ute Fassbinder. Dazu kommen Cheng Long aus dem Hongkonger Büro, der Robotikexperte Hernandez, US-Außenminister Leonard Dekkom und Jakes Tochter. Ursprünglich war Katheryn Winnick gecastet worden, sie wurde im Zuge der Nachdrehs ersetzt. Solche Wechsel prägen den Film bis in die Figurenzeichnung.
Die Dreharbeiten begannen im Oktober 2014 in New Orleans, Louisiana. Einzelne Szenen entstanden vor Ort in der Michoud Assembly Facility, einer Montageeinrichtung der NASA. Testscreenings im Dezember 2015 ergaben laut The Hollywood Reporter, dass der Film noch nicht kinoreif war. Das Budget wurde daraufhin um 15 Millionen US-Dollar erhöht, Produzent Jerry Bruckheimer und Autorin Laeta Kalogridis kamen dazu. Bei den Nachdrehs sprang Danny Cannon für Devlin ein. In Deutschland startete der Film am 19. Oktober 2017, freigegeben ab zwölf Jahren.
Inhalt & Handlung vom Film „Geostorm“
Im Jahr 2019 nehmen die Naturkatastrophen weltweit immer weiter zu. Deshalb errichtet die internationale Gemeinschaft unter Führung der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China ein Netz aus Wetterkontroll-Satelliten, das den Spitznamen Dutch Boy trägt. Jacob Lawson, genannt Jake, leitet als Konstrukteur das ehrgeizige Projekt. Als er das Netzwerk jedoch eigenmächtig aktiviert, um Tausende Menschen vor schweren Stürmen zu schützen, entzieht ihm die Regierung seinen Posten. Daraufhin tritt sein Bruder Max die Nachfolge an und arbeitet für US-Außenminister Leonard Dekkom, der Jakes Entlassung bestätigt. Drei Jahre später will die US-Regierung Dutch Boy schließlich an die internationale Gemeinschaft übergeben. Doch plötzlich erfrieren sämtliche Bewohner eines afghanischen Dorfes, wobei offenbar ein defekter Satellit die Katastrophe verursacht. Deshalb beauftragt Präsident Andrew Palma Max mit der Untersuchung, während Dekkom ausgerechnet Jake als Experten dafür vorschlägt.
Jakes Ehe ist nach der Absetzung zerbrochen, weshalb er zurückgezogen in einer abgelegenen Gegend Floridas lebt, wo ihn seine Tochter zweimal im Monat besucht. Von Dutch Boy will er inzwischen nichts mehr wissen. Dennoch überredet Max ihn, seiner alten Crew auf der International Climate Space Station beizustehen, von der aus die Satelliten gesteuert werden. Unterdessen findet Cheng Long, ein Mitarbeiter von Max in Hongkong, Hinweise auf den Hintergrund des afghanischen Vorfalls. Er berichtet Max, dass er bei Gasleitungsexplosionen beinahe ums Leben kam, die möglicherweise ein weiterer Satellit ausgelöst hat. Allerdings hat er keinen Zugriff mehr auf die Protokolle. Deshalb warnt Cheng davor, dass weitere Systemfehler eine Kettenreaktion auslösen könnten, an deren Ende schließlich ein Geostorm steht. Dieser Begriff gibt dem Film seinen Titel.
Ein Datenträger im All
Auf der ICSS wird der verdächtige Hongkong-Satellit an Bord geholt. Techniker Mahmoud lädt dessen Daten auf einen Datenträger, stirbt jedoch kurz darauf, als mehrere Außenwand-Panels abgesprengt werden. Währenddessen trifft Jake mit einem Spaceshuttle ein und versucht gemeinsam mit Kommandantin Ute Fassbinder, Kontakt zu den fehlerhaften Satelliten herzustellen. Doch ein Kranfehler zerstört den geborgenen Satelliten. Allerdings hat sich eines der Panels außen an der Station verfangen. Deshalb bergen Jake und Ute den Datenträger bei einem Außenbordeinsatz, bei dem Jakes Raketenrucksack plötzlich versagt.
Jake verschweigt den Fund zunächst, weil er einen Verräter an Bord vermutet. Währenddessen reist Cheng mit brisanten Informationen nach Washington, wird jedoch kurz vor seinem Ziel vor ein Auto gestoßen und stirbt. Sein letztes Wort lautet Zeus. Daraufhin entschlüsselt Max gemeinsam mit Technikexpertin Dana eine versteckte Botschaft seines Bruders. Jake warnt darin vor Saboteuren in höchsten Regierungskreisen. Gleichzeitig erkennen Jake und Ute auf der Station, dass Mahmoud vorsätzlich getötet wurde und die Satelliten gezielt Städte angreifen. Schließlich finden sie in seinem Spind ein Backup mit einem Computervirus, das Dutch Boy befallen hat.
Zeus verwandelt Dutch Boy schließlich in eine Waffe. Allerdings kann nur ein Neustart mit den biometrischen Daten des Präsidenten das Virus löschen. In Orlando erfährt Max unterdessen, dass die Stadt als Nächstes getroffen werden soll. Als Dekkom versucht, ihn zu erschießen, entlarvt er sich dadurch selbst. Daraufhin bringen Max und Sarah Präsident Palma aus der Gefahrenzone und lassen Dekkom festnehmen. Während das Virus gleichzeitig die Selbstzerstörung der Station einleitet, stellt Jake den Softwareentwickler Duncan, der schließlich in den Weltraum gesogen wird. Anschließend gibt Palma den Kill Code frei. Dadurch können Jake und Ute das System neu starten und sich in einen Ersatzsatelliten retten. Sechs Monate später baut Jake schließlich an einer neuen internationalen Station.
Filmkritik und Fazit zum Film „Geostorm“
Dean Devlin inszeniert „Geostorm“ als Mischung aus Weltraumthriller und Politverschwörung, wobei beide Hälften ungleich stark wirken. Vor allem die Ausstattung stärkt den Orbit-Strang: Die Raumstation überzeugt als glaubwürdiges Bauwerk, während ihre Gänge und Schleusen spürbares Gewicht entwickeln. Roberto Schaefer nutzt die Kulisse mit ruhigen Einstellungen, die der Schwerelosigkeit genügend Raum geben. Auf der Erde bestimmt dagegen der Schnitt das Geschehen, ohne einen einheitlichen Rhythmus zu entwickeln. Gerard Butler gibt dem Ingenieur eine angestrengte Sachlichkeit, während das übrige Ensemble vor allem seine Funktionen erfüllt. Lorne Balfe treibt die Handlung mit seinem Score hörbar voran, kann die fehlende Fallhöhe jedoch nicht ausgleichen.
Lange hält der Film das Tempo zurück, weil er seine Prämisse erklärt, anstatt sie unmittelbar zu zeigen. Zwei Sequenzen stechen deutlich heraus. Im afghanischen Dorf finden die Figuren die Bewohner mitten in der Wüste erfroren vor, wobei die Bilder eine bedrückende Kälte erzeugen. Ebenso stark funktioniert das Manöver, bei dem die Crew einen defekten Satelliten in die Schleuse der Station bringt. Zwischen solchen Momenten verlagert Devlin das Geschehen jedoch häufig an Konferenztische. Die digitalen Katastrophenbilder verbinden sich unterschiedlich überzeugend mit den realen Kulissen und funktionieren im Orbit deutlich besser als am Boden. Statt permanenter Zerstörung bietet der Film deshalb über weite Strecken Ermittlungsarbeit.
Das Konzept bietet mehr als seine Umsetzung. Wer Katastrophenkino der neunziger Jahre schätzt, findet vertraute Muster und einen soliden Weltraumteil. Die großen Zerstörungsbilder bleiben dagegen selten. Für Genre-Fans reicht das zu einem unterhaltsamen Abend mit deutlichen Schwächen im Drehbuch. Als Beitrag zur Klimadebatte taugt der Film wenig, als Maschinenfilm über außer Kontrolle geratene Infrastruktur hat er dagegen seine Momente.

