Scala Adieu – Von Windeln verweht

Filmplakat von Scala Adieu - Von Windeln verweht

Copyright by Douglas Wolfsperger Filmproduktion / Wilder Süden Filmverleih

Der Titel „Scala Adieu – Von Windeln verweht“ machte es dem deutschen Dokumentarfilm schwer. Trotzdem schaffte es die Doku, nach der Premiere auf den 52. Internationalen Hofer Filmtagen am 25. Oktober, am 21. März 2019 in die deutschen Kinos. Douglas Wolfsperger lebt in Konstanz. Von dort berichtet er über das Aus des ansässigen Programmkinos „Scala“.

Aufgrund der tollen Lage musste das Kino schließen und eine neue DM-Filiale entstand an seiner Stelle. Im Jahre 2018 konnte „Scala Adieu – Von Windeln verweht“, bei den Biberacher Filmfestspiele, eine Auszeichnung als „Bester Dokumentarfilm“ erreichen. Der Tod des Filmpalastes interessierte eine Menge Leute.

Scala Adieu – Besetzung, Drehorte & Infos zum Film

Regisseur Douglas Wolfsperger hat in der Produktion der Dokumentation in vielen Bereichen seine Finger im Spiel. Mit einer Länge von 80 Minuten Filmzeit berichtet er im Film „Scala Adieu – Von Windeln verweht“ über die Geschehnisse in Konstanz. Jegliche Berichterstattung ist für alle Interessenten, ohne Altersbegrenzung, entstanden.

Die Idee für den Film entstammt ebenfalls der Feder von Douglas Wolfsperger. In der Produktion arbeitete er für die Filmproduktion Berlin. Schauplatz ist der Marktplatz von Konstanz und von dort alle Dinge, die mit Ökonomie, Luxusprobleme und Filmgenuss zusammenhängen. Das Kamerateam Frank Amann, Matthias Schellenberg, Börres Weiffenbach und Kai Lehmann arbeiten gut zusammen, sodass der Zuschauer die Kameraführung genießen kann. Nach dem Zuschnitt der einzelnen Szenen untermalte Michael Lauterbauch die Szenen mit passender Musik. Die Tradition des Filmpalastes wird mit tollen Bildern in Szene gesetzt.

Inhalt & Handlung vom Film „Scala Adieu – Von Windeln verweht“

Schnell machte eine Nachricht die Runde, vor allem bei den Filmjournalisten in München: Der Filmpalast, das „Gabriel Kino“, am Marktplatz Konstanz schließt. Jahrelange war es der Austragungsort für einen Großteil der Münchener Pressevorführungen. Es war ein Ort, an dem sich Menschen trafen, um neuste Filme zu sehen und hitzig zu diskutieren. Ein Traditionsort: 1907 wurde das älteste Kino der Welt gegründet. Jetzt steht der Filmpalast vor dem Aus. Seit Jahren sinken die Besucherzahlen und so rentiert sich das Kino im Familienbetrieb nicht mehr. Es wurde leider keine 80 Jahre alt. Dieser Trend bezieht sich natürlich auf ganz Deutschland. Erste Ideen, was den Platz einnehmen könnte, liefen. Es war zum Beispiel die Rede von einem Hotel.

Interessieren sich heute Menschen für den Ort, dann sind dort Hygieneartikel zu finden. Auf dem Platz entstand eine DM-Filiale. So weit, so gut, aber mit dem lauter werden der baldigen Benutzung wurde die Stimmen der Kulturbeflissenen lauter. Trotz des unermüdlichen Einsatzes, insgesamt 7000 zusammengetragene Unterschriften, war der Gegenwind groß. Die Politik wetterte offen gegen das Vorhaben. Am Ende zählt das liebe Geld. Eine Aussage ist prägnant: Kultur ist wichtig, darf dem Wachstum aber nicht im Wege stehen.

Dokumentationsleiter Douglas Wolfsperger lässt beide Seiten sprechen, die Aktivisten und auch die Gegner. Aber er ist nicht unparteiisch in seiner Sache. Ganz im Gegenteil, denn Wolfsperger verbinden viele Erinnerungen mit dem Kino. So kommentiert er kräftig das Geschehen und tritt selbst vor die Kamera. Es ist kein Dokumentarfilm mit nüchterner Distanz.

Die Frage nach dem „Warum“ kreist fast eineinhalb Stunden durch den Raum. Mögliche Anschuldigen werden verteilt, aber eine echte Antwort findet der Zuschauer nicht. Andererseits können mangelnde Besucherzahlen auch auf den Einfluss von Netflix und anderen Streamingdiensten zurückzuführen sein. Das Sehverhalten der Menschen hat sich im Laufe der Zeit verwandelt. Viel Wert wird darauf gelegt, dass die Politik und die Wirtschaft nicht ihrer Aufgabe nachkamen.

Scala Filmpalast

Copyright by Douglas Wolfsperger Filmproduktion / Wilder Süden Filmverleih

Die Diskussion wie neues Publikum für Kinosäle beworben werden kann, bleibt offen. Die Hauptbotschaft ist: Wie werden Orte, an denen wir träumen, zu Orten, an denen wir einkaufen? Alles vor dem Hintergrund der kommerziell orientierten Stadtplanung. Wolfsperger spricht mit glühenden Filmenthusiasten und den gegensätzlichen nüchternen Stadtverwaltern über die Expansionen und den Schwund, der Lustgewinn und das Handelszuwachsen und besonders die günstige Geschäftslage und die undurchsichtigen Interessen und günstigen Geschäftslagen. Kulturbegriffe und Innenstädte verändern sich, überall auf der Welt. Wie wollen wir in Zukunft leben?

Filmkritik und Fazit zum Film „Scala Adieu – Von Windeln verweht“

Scala Adieu – Von Windeln verweht“ ist ein von Wehmut und Wut geprägter Blick auf eine Kulturlandschaft, die in ganz Deutschland keinen Platz mehr findet. Wolfsperger lässt einige Fragen offen und bringt keine wirkliche Lösung. Dazu gehört auch die Frage: Warum die Deutschen so kinofaul sind im Gegensatz zu den Franzosen. Er interviewt und filmt die letzten Gäste des „Scalas“. Konstanz in aller Pracht wird dem Zuschauer vorgestellt und der Regisseur interviewt den Oberbürgermeister. Letzterer ist der Meinung, dass die Stadtentwicklung am Steuersäckel hängt. Woraus die marktwirtschaftliche Lösung mit einer DM-Filiale entstand.

Deutlich zu sehen ist, dass selbst die oberen fünfhundert der Einheimischen nicht mal den Anschein erwecken sich für Kunst zu interessieren. Es wird heute auf den Preis geschaut und nicht auf den Wert. „Scala Adieu – von Windeln verweht“ gewann auf den Biberacher Filmfestspielen den Doku-Biber-Preis. In der Jurybegründung liegt die Idee: Aus einem vermeintlichen Heimatfilm entstand ein Krimi, der ein überregionales Problem anreist und die unsozialen Unternehmer enttarnt. Konstanz wurde vom Zweiten Weltkrieg verschont und heute zerstört der Kommerz die Stadt.

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