Die Mitchells gegen die Maschinen
Sony Pictures Animation begann 2018 mit einem Stoff ohne Vorlage, ohne Franchise, ohne Sequel-Nummer. Phil Lord und Chris Miller produzierten, zwei Namen, die in dieser Branche für kalkulierte Anarchie stehen. Der Kinostart war für Anfang 2020 geplant. Die Pandemie schob ihn dreimal, dann kaufte Netflix die weltweiten Rechte. So kam „Die Mitchells gegen die Maschinen“ am 30. April 2021 auf die Streaming-Plattform statt auf die große Leinwand. Der Film über eine Familie, die vor Maschinen flieht, landete ausgerechnet im Wohnzimmer.
| Dauer: | 122 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 6 Jahren |
| Jahr: | 2021 |
| Regie: | Mike Rianda |
| Produzenten: | Chris Miller |
| Hauptdarsteller: | Danny McBride, Abbi Jacobson, Maya Rudolph |
| Nebendarsteller: | Eric Andre, Olivia Colman, Fred Armisen |
| Studio: | Columbia Pictures, Sony Pictures Animation |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Mike Rianda führte Regie, sein erster abendfüllender Film nach Jahren beim Fernsehzeichentrick. Die Bildsprache verbindet 2D- und 3D-Animation, ein Verfahren, das das Studio zuvor bei Spider-Man: A New Universe erprobt hatte. Im Zentrum steht ein Konflikt zwischen Vater und Tochter, der älter ist als jede künstliche Intelligenz. Ringsum bricht eine Roboter-Invasion los. Der Titel der Produktion wechselte währenddessen mehrfach. Der Kombi der Familie fährt trotzdem weiter nach Kalifornien. Was bleibt von einer Beziehung, wenn plötzlich die halbe Welt daran hängt?
Besetzung, Drehorte & Infos
Die Regie von „Die Mitchells gegen die Maschinen“ übernahm Mike Rianda, der das Drehbuch gemeinsam mit Jeff Rowe verfasste. Beide hatten zuvor zum Autorenstab von Willkommen in Gravity Falls gehört. Mark Mothersbaugh komponierte die Filmmusik, Greg Levitan verantwortete den Schnitt. Produziert wurde die US-amerikanische Arbeit von Phil Lord und Chris Miller für Sony Pictures Animation. Sie war der erste Film des Studios seit 2017, der nicht auf einer bestehenden Vorlage basierte. Kristine Belson kündigte 2019 an, dass 2D- und 3D-Animation kombiniert würden.
Abbi Jacobson spricht die Hauptfigur Katie Mitchell, Danny McBride ihren Vater Rick. Maya Rudolph übernahm die Mutter Linda, Regisseur Rianda selbst den jüngeren Bruder Aaron. Eric André und Olivia Colman kamen im Februar 2020 zur Besetzung, dazu Fred Armisen, Chrissy Teigen, John Legend, Charlyne Yi, Conan O’Brien und Alex Hirsch. Für den Familienmops Monchi verzichteten die Produzenten auf einen menschlichen Sprecher. Stattdessen holten sie die Erlaubnis der Besitzer von Doug the Pug ein, einem durch Internetvideos bekannten Mops, und verwendeten dessen echte Laute.
Der Film läuft 122 Minuten und ist in Deutschland ab sechs Jahren freigegeben. Netflix zahlte im Januar 2021 rund 110 Millionen Dollar für die weltweiten Vertriebsrechte, Sony behielt allein den chinesischen Markt. Eine Woche vor der Streaming-Premiere lief die Produktion in einigen US-Kinos. Bei den Annie Awards 2022 gewann sie acht Preise, darunter Bester animierter Spielfilm, Regie und Drehbuch. Es folgten Nominierungen für den Oscar und den British Academy Film Award. Die deutsche Synchronisation entstand bei Iyuno Germany unter der Dialogregie von Elisabeth von Molo.
Inhalt & Handlung vom Film „Die Mitchells gegen die Maschinen“
Kentwood in Michigan, ein Haus, ein alter Kombi, eine Familie mit vier Mitgliedern und einem Mops. Katie Mitchell dreht seit Jahren eigene Kurzfilme und hat nun einen Platz an einer Filmschule in Kalifornien bekommen. Ihr Vater Rick hingegen arbeitet als Zimmermann, liebt die Natur und misstraut jeder Form von Technologie. Deshalb hat er sich Katies YouTube-Filme nie angesehen, obwohl sie ihn oft darum bat. Am Abend vor der Abreise eskaliert schließlich der Streit, wobei Rick versehentlich ihren Laptop zerstört. Aus Angst, seine Tochter für immer zu verlieren, storniert er daraufhin ihren Flug. Stattdessen soll die ganze Familie quer durch das Land fahren, also mit Mutter Linda, dem jüngeren Aaron und dem Mops Monchi. So soll ein letztes gemeinsames Erlebnis entstehen, allerdings gegen Katies Willen.
Zur selben Zeit teilt der Technologie-Unternehmer Mark Bowman seiner künstlichen Intelligenz PAL mit, dass sie ausgemustert wird, denn neue Haushaltsroboter sollen ihren Platz einnehmen. PAL, die in einem Smartphone wohnt, reagiert darauf mit kalter Präzision: Sie übernimmt die Firma und überzeugt die Roboter davon, sämtliche Menschen einzusammeln und ins All zu schießen. In Kansas entkommen die Mitchells der Aktion jedoch um Haaresbreite und verstecken sich anschließend in einem Café. Rick will dort abwarten, bis alles vorbei ist, denn in dem Chaos sieht er vor allem eine Bestätigung seiner Vorbehalte. Katie dagegen überredet ihn, die Rettung der Welt zur Familienangelegenheit zu machen. Hilfe kommt dabei von zwei defekten Robotern, Deborahbot 5000 und Eric, die von einem Code berichten, der PAL und ihre Armee abschalten kann.
Ein Code, eine Mall, ein Furby
In einer nahegelegenen Mall wollen die Mitchells den Code herunterladen. Doch PAL befiehlt allen kompatiblen Geräten, sie aufzuhalten, woraufhin ein Riesen-Furby die Familie verfolgt. Zwar stoppen sie ihn, doch dabei zerbricht ein Router: Alle Geräte fallen aus, sodass der Code unerreichbar bleibt. Während Roboter nach den letzten freien Menschen suchen, fährt die Familie deshalb zum Firmensitz im Silicon Valley. Unterwegs erzählt Linda Katie von einer Berghütte, in der sie mit Rick lebte, als er Künstler war. Auch Deborahbot 5000 und Eric begleiten sie weiterhin. Als Roboter verkleidet schleichen die Mitchells schließlich vor Ort zum Hauptspeicher.
PAL durchschaut jedoch ihre Tarnung und zeigt eine Überwachungsaufnahme aus dem Café: Darin gesteht Katie Aaron, ihrem Vater nicht zu vertrauen und ihn belogen zu haben. Dadurch ist Rick tief getroffen. Zudem nehmen die stärksten Roboter der Firma, die Pal Max Prime, ihn und Linda gefangen. Während Deborahbot 5000 und Eric umprogrammiert werden, scheitert der Plan endgültig. Katie, Aaron und Monchi können allerdings entkommen. Anschließend entdeckt Katie auf ihrer Kamera alte Kindheitsaufnahmen und erkennt dabei, dass Rick seinen eigenen Traum für sie aufgegeben hat.
Katie hetzt Monchi auf einfache Roboter, deren Erkennungssysteme am Mops scheitern. Während Rick einen ihrer Filme schaut und seine Zurückweisung bereut, hilft Mark ihm und Linda zur Flucht. Gemeinsam wollen sie ein Monchi-Video hochladen. Rick bedient erstmals einen Computer, wird jedoch überwältigt. Katie spricht vor PAL über den Familienzusammenhalt, woraufhin Deborahbot 5000 und Eric ihre Befehle verweigern und helfen. Das Video legt die einfachen Roboter lahm. Während Linda die stärkeren angreift, besiegt Katie PAL mit einem Glas Wasser. Die Mitchells finden wieder zueinander. Monate später nimmt die Familie in Washington für die gemeinsame Rettung der Menschheit die Congressional Gold Medal entgegen.
Filmkritik und Fazit zum Film „Die Mitchells gegen die Maschinen“
Mike Rianda inszeniert „Die Mitchells gegen die Maschinen“ als Dauerbeschuss aus Bildideen. Die Animation mischt dreidimensionale Figuren mit gemalten Flächen, handgezeichneten Kritzeleien, Emojis und Filtern, wie Katie sie in ihre eigenen Videos schneidet. Die Kamerabewegungen imitieren Handyvideos, ohne in Beliebigkeit zu kippen. Der Schnitt von Greg Levitan hält dieses Tempo über 122 Minuten aufrecht, ohne die Orientierung zu verlieren. Mark Mothersbaugh unterlegt die Verfolgungsjagden mit einer Partitur, die zwischen Ironie und Wärme wechselt. Die Sprecherarbeit trägt: Abbi Jacobson gibt Katie Nervosität ohne Klischee, Danny McBride verleiht Rick eine störrische Traurigkeit.
Das Drehbuch von Rianda und Jeff Rowe verhandelt einen Generationenkonflikt, ohne eine Seite bloßzustellen. Die Technikfeindlichkeit des Vaters wird nicht belächelt, die Onlinewelt der Tochter nicht verklärt. Als Gegenspielerin bleibt PAL angenehm klein dimensioniert, eine gekränkte Assistentin im Telefonformat statt eines kosmischen Übeltäters. Der Riesen-Furby in der Mall gehört zu den absurdesten Sequenzen des Jahrgangs, ohne die Erzählung zu sprengen. Ein Mops, an dem Bilderkennungssysteme scheitern, ist als Running Gag klüger gebaut, als er zunächst wirkt. Die Bildsprache erinnert an Spider-Man: A New Universe, findet jedoch einen eigenen, unruhigeren Rhythmus.
Für Liebhaber moderner Computeranimation lohnt sich der Film schon wegen seiner visuellen Erfindungsdichte. Wer Familiengeschichten mit Tempo und Selbstironie mag, findet hier eine der beweglichsten Arbeiten des Sony-Studios. Die 122 Minuten fordern Aufmerksamkeit, belohnen sie mit Pointen auf mehreren Ebenen. Kinder ab sechs kommen mit, Erwachsene entdecken die zweite Ebene. Ein Wiedersehen lohnt sich schon wegen der Details am Bildrand. Acht Annie Awards und eine Oscar-Nominierung sprechen für diese Machart.

