Rental Family

Tokio kennt viele Formen der Höflichkeit. Eine davon ist die bezahlte Nähe, ein Dienstleistungszweig, in dem fremde Menschen für ein paar Stunden zu Vätern, Ehepartnern oder Trauergästen werden. Was westliche Augen zunächst irritiert, folgt dort einer eigenen Logik aus sozialem Druck, Rollenerwartung und dem Wunsch, das Gesicht zu wahren. Die Regisseurin Hikari nimmt dieses Phänomen als Ausgangspunkt für ihren zweiten Spielfilm. „Rental Family“ verhandelt die Frage, wo eine Rolle endet und ein Mensch beginnt. Zwischen Vertrag und Vertrautheit liegt hier nur ein schmaler Grat.

Rental Family
Dauer: 103 Min.
Jahr:
Regie: Hikari
Produzenten: Hikari, Julia Lebedev, Eddie Vaisman
Hauptdarsteller: Brendan Fraser, Takehiro Hira, Mari Yamamoto
Nebendarsteller: Shannon Mahina Gorman, Akira Emoto, Sei Matobu
Studio: ABC, Disney
Sprachen: Deutsch, English

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Brendan Fraser spielt den Mann, der diese Arbeit annimmt, mit einer Zurückhaltung, die seinem Comeback nach The Whale eine neue Farbe gibt. Der Film pendelt zwischen Komik und Melancholie, ohne eine der beiden Tonlagen zu verraten. Hikari erzählt davon in ruhigen, genau beobachteten Szenen. Er zeigt eine Metropole, die Einsamkeit eher verwaltet als benennt. Die Kamera von Takurô Ishizaka sucht dabei das Detail statt der Postkarte. Bleibt am Ende ein Trost, wenn Zuwendung sich buchen lässt?

Besetzung, Drehorte & Infos

Die japanisch-amerikanische Koproduktion „Rental Family“ erschien 2025 und läuft 103 Minuten. Regie führte Hikari, die das Drehbuch gemeinsam mit Stephen Blahut schrieb. Für die japanische Regisseurin ist es nach 37 Seconds der zweite Spielfilm, Blahut arbeitete dort als ihr Kameramann. Die Musik komponierten Jón Þór Birgisson und Alex Somers, die zuvor regelmäßig als Jónsi & Alex zusammenarbeiteten. Birgisson ist Gitarrist und Sänger der isländischen Postrock-Band Sigur Rós, bekannt für seine Falsettstimme. Hinter der Kamera stand Takurô Ishizaka, den Schnitt verantworteten Thomas A. Krueger und Alan Baumgarten.

Brendan Fraser spielt Phillip Vanderploeg, einen vom Pech verfolgten US-Amerikaner, der seit langem in Tokio lebt. Für seine Darstellung eines übergewichtigen, schwerkranken Englischprofessors in The Whale wurde Fraser mit einem Oscar ausgezeichnet. Takehiro Hira verkörpert seinen Chef Shinji Tada, Mari Yamamoto die Kollegin Aiko. Shino Shinozaki ist als Klientin Frau Kawasaki zu sehen, eine alleinerziehende Mutter, die einen Vater für ihre elfjährige Tochter Mia braucht. Shannon Mahina Gorman spielt das Mädchen. Akira Emoto übernimmt die Rolle von Kikuo Hasegawa, einem der berühmtesten Schauspieler Japans. Das Casting besorgten Keiko Hibi und Yumi Takada.

Gedreht wurde von März bis Mai 2024 in Japan. Die deutsche Synchronisation entstand bei der FFS Film- & Fernseh-Synchron in München, Dialogbuch und Dialogregie übernahm Matthias von Stegmann. Premiere feierte der Film im September 2025 beim Toronto International Film Festival, in die deutschen Kinos kam er am 8. Januar 2026. Die FSK gab ihn ohne Altersbeschränkung frei. Bei den Artios Awards 2026 wurde Kei Kawamura für das Casting ausgezeichnet. Das National Board of Review nahm den Film in seine Top Films auf.

Inhalt & Handlung vom Film „Rental Family“

Phillip Vanderploeg ist Schauspieler und lebt in Tokio, doch seit sieben Jahren zehrt er vom Erfolg eines Zahnpastawerbespots. Seither reicht es allerdings nur für Nebenrollen und Gelegenheitsjobs. Deshalb bestimmt die Suche nach Arbeit seinen Alltag, während das Geld knapp wird. Dann meldet sich eine Agentur namens Rental Family, die Darsteller als Ersatzangehörige und Ersatzfreunde an Fremde vermittelt. Die Prämisse hält Phillip zunächst für absurd, weshalb er zögert. Firmeninhaber Shinji besteht jedoch darauf, dass sein Unternehmen einen amerikanischen Vorzeigemann braucht. Aus Geldnot sagt Phillip schließlich zu. So beginnt eine Arbeit, in der Nähe zur Dienstleistung wird und zugleich jeder Auftrag ein neues Leben mit Ablaufdatum ist. Was ihn dabei erwartet, ahnt er nicht.

Sein erster großer Einsatz führt ihn schließlich vor einen Altar. Er soll den Verlobten von Yoshie geben, die ihren Eltern eine traditionelle Hochzeit bieten will. Kurz vor dem Termin will Phillip jedoch abspringen, weil ihm das Lügen gegenüber der Familie widerstrebt. Seine Kollegin Aiko überredet ihn allerdings, die Sache durchzuziehen. Später erfährt er schließlich, dass Yoshie lesbisch ist, längst verheiratet und mit ihrer Frau nach Kanada gehen will. Daraufhin bedanken sich beide überschwänglich bei ihm. Diese Begegnung verschiebt schließlich seinen Blick auf den Beruf. Kurz darauf übernimmt er deshalb zwei längerfristige Aufträge, die ihn tiefer in fremde Biografien ziehen, als ihm eigentlich lieb sein kann.

Wenn Rollen zu Bindungen werden

Im ersten Auftrag mimt Phillip den entfremdeten Vater der halbjapanischen Mia. Deren alleinerziehende Mutter Hitomi hofft, damit die Aufnahme an einer Privatschule zu sichern. Im zweiten Auftrag gibt er sich als Journalist aus. Er soll ein Porträt über den demenzkranken Schauspieler Kikuo Hasegawa schreiben. Dessen Tochter Masami möchte, dass ihr Vater sich erinnert fühlt. Mia begegnet Phillip zunächst mit Groll, fasst jedoch zunehmend Vertrauen. Als sein Agent ihm eine begehrte Rolle vermittelt, sagt Phillip deshalb Mia zuliebe ab. Hitomi warnt ihn allerdings davor, dem Mädchen zu nahezukommen.

Auf Masamis Drängen lehnt Phillip zunächst Kikuos Bitte ab, ihn in sein verlassenes Elternhaus nach Amakusa zu bringen. Zugleich erfährt er, dass Aiko bei Einsätzen die reuige Geliebte spielt. Nach Mias geglücktem Aufnahmegespräch muss Phillip ihr schließlich seine Rückkehr in die USA ankündigen. Der Abschied bewegt ihn jedoch dazu, Kikuo doch nach Amakusa zu fahren. Dort findet dieser eine Zeitkapsel mit Fotos seiner ersten Frau.

Da die Frau kurz nach Kikuos Aufbruch nach Tokio starb, bricht er beim Anblick der Bilder weinend zusammen. Kurz darauf kollabiert Kikuo vor Erschöpfung. Phillip bringt ihn ins Krankenhaus, wird jedoch wegen einer angeblichen Entführung festgenommen. Währenddessen erkennt Mia seine wahre Identität im Fernsehen. Auch Aiko zieht Konsequenzen, bricht einen Einsatz ab und kündigt.

Aiko, Kota und Shinji verhindern schließlich eine Anzeige durch Masami. Kikuo stirbt später im Schlaf. Bei der Beerdigung legt Phillip ihm die gefundenen Fotos bei. Anschließend begegnet er Mia an ihrer Schule und stellt sich ihr erstmals mit seinem echten Namen vor.

Filmkritik und Fazit zum Film „Rental Family“

Hikari inszeniert „Rental Family“ als eine Folge kleiner Rollenspiele, deren Regeln der Film nie erklären muss. Brendan Fraser trägt die Hauptfigur mit einer Sparsamkeit, die nach dem großen Gestus von The Whale überrascht. Sein Gesicht arbeitet in Pausen, in einem verzögerten Blinzeln, in der Sekunde zu langem Lächeln eines Mannes, der auf sein Stichwort wartet. Takurô Ishizaka fotografiert Tokio als Gefüge aus Ritualen und Zwischenräumen. Weite, anonyme Ansichten stoßen auf sehr nahe Einstellungen. Das Drehbuch von Hikari und Stephen Blahut hält die Balance zwischen absurder Situationskomik und leiser Trauer.

Der Rhythmus ist ruhig und lässt Szenen atmen, ohne sie auszuwalzen. Eine Hochzeitsfeier, bei der die halbe Gästeschar bezahlt ist, gewinnt ihre Komik allein aus Blicken und Räuspern. Die Musik von Jón Þór Birgisson und Alex Somers hält sich dabei angenehm zurück und setzt Flächen statt Kommentare. Erzählerisch verliert der Film dort an Kraft, wo er seine Themen ausformuliert, statt sie zu zeigen. Der Vater-Tochter-Strang gerät in eine Zuspitzung, die dem sonst so beiläufigen Ton widerspricht. Die stilleren Passagen wirken deutlich länger nach.

Wer Tragikomödien mit japanischem Setting und langem Atem mag, bekommt hier eine warmherzige, sorgfältig beobachtete Arbeit. Der Film verlangt Geduld und belohnt sie mit Figuren, die man ungern verabschiedet. Frasers Spiel allein rechtfertigt den Kinobesuch. Wer harte Konflikte und schnelle Pointen sucht, wird an mancher Stelle mit den Füßen scharren. Für alle anderen ist Hikaris zweiter Spielfilm eine klare Empfehlung.

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