Die My Love

Ariana Harwicz schrieb einen Roman über eine namenlose Erzählerin, die von Mordfantasien heimgesucht wird. Auf Deutsch erschien er 2019 unter dem Titel Stirb doch, Liebling. Lynne Ramsay hat daraus „Die My Love“ gemacht und den Schauplatz von Frankreich in die Vereinigten Staaten verlegt. Die Premiere fand am 17. Mai 2025 in Cannes statt. In Deutschland kam der Film am 13. November 2025 ins Kino. Es ist der fünfte Spielfilm der schottischen Regisseurin. Zwischen Thriller, schwarzer Komödie und Ehestudie wechselt der Film beständig die Tonlage.

Die My Love
Dauer: 118 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Jahr:
Regie: Lynne Ramsay
Produzenten: Andrea Calderwood, Justine Ciarrocchi, Jennifer Lawrence
Hauptdarsteller: Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Sissy Spacek
Nebendarsteller: Nick Nolte, Lakeith Stanfield, Gabrielle Rose
Studio: Black Label Media
Sprachen: Deutsch, English

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Jennifer Lawrence und Robert Pattinson spielen das Paar im Zentrum der Geschichte. Seamus McGarvey drehte auf 35-mm-Film im Seitenverhältnis 1:1,33, also in einem fast quadratischen Bild. Als Vorbilder nennt er Roman Polanskis Ekel und Rosemaries Baby. Ben Frost steuerte eine Musik zwischen Ambient, Noise und experimenteller Electronica bei. Ganz am Ende singt Ramsay selbst Love Will Tear Us Apart von Joy Division. Was passiert mit einem Menschen, der in ein Leben zieht, das er nie gewählt hat?

Besetzung, Drehorte & Infos

Die My Love“ entstand 2025 als britisch-amerikanische Koproduktion und läuft 118 Minuten. Die FSK gab den Thriller ab sechzehn Jahren frei. Regie führte Lynne Ramsay, die das Drehbuch gemeinsam mit Alice Birch und Enda Walsh schrieb. Vorlage ist der Roman Mátate, amor von Ariana Harwicz. Die Musik komponierte Ben Frost, hinter der Kamera stand Seamus McGarvey. Den Schnitt verantwortete der deutsche Editor Toni Froschhammer, der zuvor an Perfect Days von Wim Wenders arbeitete. Die deutsche Fassung entstand bei den K13 Studios Berlin nach einem Dialogbuch von Tanja Schmitz.

Jennifer Lawrence und Robert Pattinson spielen Grace und Jackson, wobei Pattinson für die Rolle Tanzunterricht nahm. Lawrence tritt außerdem als Produzentin auf, gemeinsam mit Andrea Calderwood, Justine Ciarrocchi, Trent Luckinbill, Martin Scorsese und Molly Smith. Sissy Spacek verkörpert Jacksons Mutter Pam, die in der Nähe wohnt. Nick Nolte spielt deren an Alzheimer erkrankten Ehemann. Lakeith Stanfield übernimmt die Rolle des Motorradfahrers aus der Nachbarschaft. In weiteren Rollen sind Sarah Lind, Debs Howard, Marcus Della Rosa und Victor Zinck Jr. zu sehen.

Gedreht wurde ab Mitte August 2024 im kanadischen Calgary, unter anderem am künstlichen Sikome Lake im Fish Creek Provincial Park. Weitere Aufnahmen entstanden in den Vereinigten Staaten, die Arbeiten endeten Mitte Oktober 2024. McGarvey arbeitet seit We Need to Talk About Kevin mit Ramsay zusammen. Bei den British Independent Film Awards 2025 gewann er den Preis für die beste Kamera. Ausgezeichnet wurde dort auch die Music Supervision von Ian Neil und Raife Burchell. Jennifer Lawrence war für einen Golden Globe nominiert.

Inhalt & Handlung vom Film „Die My Love“

Jackson erbt von seinem Onkel ein Haus im ländlichen Montana. Gemeinsam mit seiner Freundin Grace verlässt er deshalb New York. Das Haus liegt nahe dem Ort, in dem Jackson aufgewachsen ist und wo seine Eltern noch leben. Es ist geräumig und idyllisch, zugleich aber in großen Teilen dringend renovierungsbedürftig. In einem der Räume gibt es außerdem eine Rattensituation. Jackson schwärmt vom Schreibzimmer sowie von der Ruhe, die Graces Arbeit als Autorin guttun soll. Er selbst träumt wiederum davon, dort ein Album aufzunehmen. Das Paar tanzt durch die leeren Zimmer und weiht das Haus schließlich mit Sex auf dem Fußboden ein. Grace wird kurz darauf schwanger. Für einen kurzen Moment sieht deshalb alles nach einem gemeinsamen Anfang aus.

Die nächste Einstellung zeigt Grace mit einem Messer in der Hand, während sie auf allen Vieren durchs Gras auf das Haus zukriecht. Drinnen warten Jackson und das Baby bereits mit einem Kuchen. Jackson berichtet, er habe seine Mutter abwimmeln können, weil sie den Tod des Vaters schlecht verkraftet und noch immer für zwei kocht. Nach und nach zeigt sich jedoch, wie sehr Grace mit der Kleinstadt und den dortigen Erwartungen an eine Mutter kollidiert. Auf Hilfsangebote sowie Gespräche über postnatale Probleme reagiert sie deshalb mit Sarkasmus. Jackson ist beruflich dagegen oft tagelang fort. Ist er zu Hause, beschäftigt ihn außerdem eher die Astronomie als das schreiende Kind. Einsamkeit, sexuelle Frustration und die Arbeit im Haushalt bleiben dadurch an ihr hängen.

Risse im ländlichen Idyll

Eine Rückblende zeigt, wie gut Grace sich mit Jacksons Vater Karl verstand. Er akzeptierte ihren wilden Charakter und teilte ihre Abneigung gegen den Erziehungsalltag der Kleinstadt. Sein Tod verstärkt ihre Isolation. Statt einer Katze gegen die Ratten bringt Jackson einen unerzogenen Hund mit, dessen Bellen mit dem Schreien des Kindes konkurriert. Grace vermutet außerdem eine Affäre. Von Jacksons Mutter Pam erfährt sie, dass der Onkel sich mit einem Schuss das Leben nahm und Pam ein Gewehr besitzt. Pams vorsichtigen Versuch, über Graces Zustand nach der Geburt zu sprechen, blockt sie jedoch vollständig ab. Gleichzeitig beginnt sie eine Affäre mit dem Nachbarn, der regelmäßig mit seinem Motorrad am Haus vorbeifährt.

Nach einem heftigen Streit zwingt Jackson sie zu einer Autofahrt, damit beide reden können. Im Handschuhfach findet Grace Kondome, die angeblich seinem Freund Greg gehören. Sie bläst eines auf, worauf der Wagen mit einem Pferd kollidiert. Beide sowie der Hund werden verletzt. In der Nacht stiehlt Grace Pams Gewehr und fordert Jackson auf, das Tier zu erlösen. Er weigert sich und will zum Tierarzt. Grace erschießt den Hund selbst. Während Jackson ihn begräbt, wirft sie sich durch die Glastür.

Nach dem Krankenhausaufenthalt gesteht Grace ihrer Schwiegermutter, dass sie nicht mehr schreiben kann. Ein kurzer Spaziergang mit dem Kind endet in einer nächtlichen Suchaktion, nachdem Grace stundenlang verschwunden bleibt und niemand sie erreicht. Auf einer Geburtstagsfeier springt sie halbnackt in den Pool, während Jackson eine Panikattacke bekommt. Später versucht Grace, aus dem fahrenden Auto zu springen. Trotzdem macht Jackson ihr wenig später einen Heiratsantrag. Die Hochzeit eskaliert, anschließend bringt er sie in eine psychiatrische Anstalt. Dort wird deutlich, dass ihre Eltern früh starben. Zurück zu Hause erzählt Grace bei ihrer Genesungsfeier vom erschossenen Hund. Im Wald verbrennt sie ihr Therapietagebuch und geht schließlich in den Brand hinein, den sie selbst gelegt hat.

Filmkritik und Fazit zum Film „Die My Love“

Lynne Ramsay erzählt „Die My Love“ nicht als Fallgeschichte, sondern als Zustand. Der Schnitt von Toni Froschhammer springt zwischen Gegenwart, Erinnerung und Fantasie, ohne die Übergänge zu markieren. Seamus McGarveys fast quadratisches Bild schneidet den Raum um Grace herum ab und macht das Haus enger, als es ist. Jennifer Lawrence spielt die Rolle ohne Sicherheitsnetz und ohne den Versuch, Sympathie herzustellen. Robert Pattinson gibt Jackson eine gutmütige Trägheit, die genau deshalb wehtut. Ben Frosts Musik arbeitet mit Flächen und Störgeräuschen, die sich unter die Szenen legen. Das Drehbuch verweigert Erklärungen fast durchgehend.

Zwei Bilder aus diesem Film bleiben besonders haften. Das eine zeigt eine Frau, die auf allen Vieren durchs hohe Gras auf ihr eigenes Haus zukriecht, während drinnen ein Kuchen wartet. Das andere ist eine Autofahrt, bei der niemand das Radio ausschaltet, obwohl längst alles gesagt werden müsste. Ramsay hält solche Szenen länger, als es angenehm ist. Das Tempo folgt keiner Dramaturgie, sondern einer Stimmung, was die 118 Minuten stellenweise zäh macht. Die Tonspur trägt mehr Bedeutung als die Dialoge. Wer Erklärungen sucht, wird sie hier nicht finden.

Für Freunde des psychologischen Thrillers lohnt sich der Film, wenn sie Härte und Uneindeutigkeit aushalten. Wer eine klare Diagnose oder einen Ausweg erwartet, sollte einen Bogen darum machen. Jennifer Lawrence liefert hier ihre riskanteste Arbeit seit Jahren ab, und die Nominierungen sind verdient. Der Schluss ist kompromisslos und wird das Publikum mit Sicherheit spalten. Als Kinoerfahrung bleibt der Film noch lange im Kopf. Angenehm ist daran nichts.

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