Barbie
Eine Puppe aus Kunststoff gehört seit Jahrzehnten zu den meistdiskutierten Objekten der Popkultur. Über die Jahre entstanden zahllose Trickfilme und Fernsehserien, einen Realfilm brachte dagegen niemand zustande. Der Weg dorthin führte über zwei Studios, zahllose Drehbuchfassungen und mehrere abgesprungene Hauptdarstellerinnen. Am Ende übernahmen Greta Gerwig und Noah Baumbach das Buch, Gerwig zusätzlich die Regie. „Barbie“ kam 2023 in die Kinos und wurde zum Ereignis weit über das Kino hinaus. Acht Oscar-Nominierungen und über neunzig gewonnene Preise waren am Ende die Bilanz.
| Dauer: | 114 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 6 Jahren |
| Jahr: | 2023 |
| Regie: | Greta Gerwig |
| Produzenten: | Tom Ackerley, Robbie Brenner, David Heyman |
| Hauptdarsteller: | Margot Robbie, Ryan Gosling, America Ferrera |
| Nebendarsteller: | Kate McKinnon, Issa Rae, Alexandra Shipp |
| Studio: | RTL |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Margot Robbie spielt die Titelfigur und produzierte den Film mit ihrer Firma LuckyChap Entertainment. Ryan Gosling übernahm die Rolle des Ken, nachdem ein Foto mit ultrablondem Haar bereits monatelang durch die sozialen Netzwerke gegangen war. Rodrigo Prieto führte die Kamera, Jacqueline Durran entwarf die Kostüme. Der Soundtrack brachte gleich mehrere internationale Hits hervor. Als Koproduzent trat ausgerechnet Mattel Films auf, also der Spielzeughersteller selbst. Wie verfilmt man ein Produkt, ohne dabei zur Werbung dafür zu werden?
Besetzung, Drehorte & Infos
Die US-amerikanische Filmkomödie „Barbie“ erschien 2023 und dauert 114 Minuten. Regie führte Greta Gerwig, das Drehbuch schrieb sie gemeinsam mit Noah Baumbach. Rodrigo Prieto stand hinter der Kamera, den Schnitt verantwortete Nick Houy. Die Filmmusik stammt von Mark Ronson und Andrew Wyatt. Ursprünglich war dafür Alexandre Desplat engagiert, der schon an Little Women mitgewirkt hatte und das Projekt Ende Mai 2022 verließ. Produziert wurde der Film von Margot Robbies Gesellschaft LuckyChap Entertainment, als Koproduzenten traten Mattel Films und HeyDay Films auf. Warner gab dafür ein Budget zwischen 128 und 145 Millionen Dollar frei.
Margot Robbie verkörpert die Stereotyp-Barbie, für die sie ab Oktober 2018 gehandelt wurde. Ryan Gosling spielt ihren Gefährten Ken, über dessen Verpflichtung ab Oktober 2021 verhandelt wurde. Zuvor waren nacheinander Amy Schumer und Anne Hathaway für die Titelrolle vorgesehen, beide schieden im Lauf der langen Entwicklung aus. Auch die Regie wechselte mehrfach, im Gespräch waren unter anderem Alethea Jones und Patty Jenkins. Weitere Figuren sind die Teenagerin Sasha, deren Mutter Gloria und die Erfinderin Ruth Handler. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der FFS Film- & Fernseh-Synchron, Dialogbuch und Dialogregie übernahm Antonia Ganz.
Gedreht wurde ab März 2022 in den Warner Studios Leavesden in England, dazu kamen Aufnahmen in Venice Beach in Los Angeles. Dort trugen Robbie und Gosling neonfarbene Aerobic-Outfits, die stark an eine Puppe von 1994 erinnerten. Die FSK gab den Film ab sechs Jahren frei. Bei der Oscarverleihung 2024 folgten acht Nominierungen und ein Preis für den besten Song. In der Preissaison 2023/24 gewann die Produktion über neunzig Auszeichnungen. Mehrere Staaten verboten den Film, unter anderem wegen einer Landkarte in einer einzelnen Szene.
Inhalt & Handlung vom Film „Barbie“
Der Film beginnt mit einer Anspielung auf die Eröffnungssequenz von 2001: Odyssee im Weltraum. Eine Erzählstimme erklärt, dass es Puppen gebe, seit das allererste kleine Mädchen existierte. Diese Puppen seien immer Babypuppen gewesen, und die Mädchen konnten mit ihnen nur Mutter spielen. Dann erscheint eine überlebensgroße Barbie in der Landschaft. Die Mädchen bewundern die statuenhafte Schönheit und zerschlagen daraufhin ihre Baby-Puppen. Von diesem Moment an lässt sich mit Puppen mehr spielen als nur Mutter. Danach führt der Film ins Barbieland. Dort lebt Stereotyp-Barbie zwischen zahllosen anderen Plastikversionen ihrer selbst. Die Kens sind ihre Begleiter, mehr nicht. Alles wirkt perfekt und bis ins Detail geregelt, jeder Tag verläuft wie der vorige.
Eines Tages kommen Selbstzweifel dazu. Barbie wird von Angstgefühlen geplagt, und ihr Körper verändert sich auf beunruhigende Weise. In einer Welt ohne Zweifel fällt das sofort auf. Um die Ursache zu finden, verlässt sie das Barbieland und reist nach Los Angeles. Ken begleitet sie auf dieser Reise. In der realen Welt irritiert sie das Verhalten der Menschen sofort. Ken wird bewundert, sie selbst wird nur angegafft. Zugleich sucht sie ihre langjährige Besitzerin und glaubt, sie in der frechen Teenagerin Sasha gefunden zu haben. Ken entdeckt bei einem Spaziergang durch die Stadt, dass hier ein Patriarchat herrscht, und besorgt sich Bücher darüber, wie Männer die Welt regieren. Mit diesem Wissen kehrt er ins Barbieland zurück.
Wenn die Ordnung kippt
Dort baut Ken mit seinem neu erworbenen Wissen ein eigenes System auf: Aus Barbieland wird Kendom. Die verbliebenen Barbies finden das nach einer Gehirnwäsche wunderbar. Barbie wird unterdessen von Sasha schroff zurückgewiesen. Das Mädchen hält ihr die Diskrepanzen zwischen Barbieland und der realen Welt vor. Ihr Selbstbild als Vorbild für Generationen zerbricht. Barbie ist ratlos: Männer sehen sie als Objekt, Mädchen hassen sie. Kurz darauf bringen Agenten der Herstellerfirma Mattel sie in die Firmenzentrale. Dort fürchtet man die Folgen einer lebendigen Barbie in der realen Welt.
Nach einem Treffen mit dem ausschließlich männlichen Vorstand entkommt Barbie mithilfe ihrer Erfinderin Ruth Handler aus dem Hauptquartier. Das Gespräch offenbart, wie wenig die Firma mit einer eigenständigen Barbie anzufangen weiß. Draußen rettet Gloria sie vor den Agenten. Die Mattel-Designerin ist Sashas Mutter und zugleich Barbies langjährige Besitzerin. Ihre negativen Gefühle flossen in ihre Zeichnungen ein und übertrugen sich auf Stereotyp-Barbie. Damit ist die Ursache ihrer Angstgefühle gefunden. Erstmals hat Barbie Verbündete an ihrer Seite, die ihr helfen wollen, die Ordnung im Barbieland wiederherzustellen.
Zu dritt kehren die Frauen ins inzwischen von Ken beherrschte Barbieland zurück. Dort klären sie die anderen Barbies über die Unterdrückung von Frauen im Patriarchat auf und befreien sie so aus der Gehirnwäsche. Stück für Stück erobern die Barbies ihr Land zurück. Anschließend versöhnen sie sich mit den Kens. Diese sollen künftig nicht mehr bloße Anhängsel sein, sondern ihren eigenen Wert erkennen und unabhängig von den Barbies eine Identität entwickeln. Für Stereotyp-Barbie bleibt jedoch die Frage, wie sie selbst weiterleben möchte. In einem letzten Gespräch mit Ruth Handler setzt sie sich mit ihrer Zukunft auseinander. Danach entscheidet sie sich für ein Leben als Mensch in der realen Welt. Der Abschied vom Barbieland fällt ihr sichtlich leicht.
Filmkritik und Fazit zum Film „Barbie“
Greta Gerwig inszeniert „Barbie“ als Musical, Satire und Erweckungsgeschichte zugleich, und dieser Spagat gelingt erstaunlich oft. Rodrigo Prietos Kamera nimmt das Barbieland als Bühne, mit gemalten Horizonten und Kulissen, die ihre Künstlichkeit offen ausstellen. Jacqueline Durrans Kostüme zitieren jahrzehntelange Produktgeschichte, ohne zum Katalog zu werden. Margot Robbie spielt eine Figur ohne Innenleben, die sich eines erarbeiten muss, und findet dafür sehr feine Mittel. Ryan Gosling nimmt Ken so ernst, dass die Rolle komisch wird. Das Drehbuch von Gerwig und Baumbach traut sich sogar, den eigenen Auftraggeber ausgiebig zu verspotten.
Das Tempo ist hoch, die Gagdichte ebenfalls. Das Eingangsbild mit der überlebensgroßen Puppe in der Urlandschaft sitzt sofort und legt den Ton für alles Weitere fest. Auch der erste Morgen im Barbieland, in dem jede Bewegung einem Choreografiemuster folgt, ist präzise gebaut. Mark Ronson und Andrew Wyatt liefern eine Musik, die zwischen Discofläche und Ironie pendelt. Im letzten Drittel gewinnt die Botschaft allerdings die Oberhand über die Erzählung. Einzelne Reden erklären dort ausführlich, was die Bilder längst gezeigt haben. Das nimmt dem Schluss einiges von seiner Leichtigkeit.
Wer Komödien mit doppeltem Boden mag, bekommt eine der eigenwilligsten Studioproduktionen der letzten Jahre. Die Ausstattung allein lohnt die einhundertvierzehn Minuten. Wer eine harmlose Spielzeugverfilmung erwartet, wird überrascht, und zwar in beide Richtungen. Wer scharfe Gesellschaftssatire sucht, wird die versöhnlichen Passagen dagegen zu weich finden. Freigegeben ist der Film ab sechs Jahren, ein Großteil der Anspielungen richtet sich jedoch an Erwachsene. Für Genre-Liebhaber bleibt er eine klare Empfehlung.

