Into the Woods
Der Wald ist im Märchen nie nur ein Ort. Er ist die Strecke zwischen dem, was man hat, und dem, was man zu brauchen glaubt. Stephen Sondheim und James Lapine haben diesen Gedanken 1986 auf die Bühne gebracht und mehrere Grimmsche Erzählungen ineinandergeschoben. Rob Marshall übertrug das Bühnenwerk 2014 für Disney ins Kino, und „Into the Woods“ wurde damit zum seltenen Fall eines Familienfilms, der seinen Figuren die Wunscherfüllung erst gewährt und danach die Rechnung präsentiert. Die zweite Hälfte kippt das Vertraute.
| Dauer: | 124 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 6 Jahren |
| Jahr: | 2014 |
| Regie: | Rob Marshall |
| Produzenten: | Rob Marshall, John De Luca, Marc Platt |
| Hauptdarsteller: | Meryl Streep, Emily Blunt, James Corden |
| Nebendarsteller: | Chris Pine, Christine Baranski, Johnny Depp |
| Studio: | Disney |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Rob Marshall hatte mit Chicago gezeigt, dass er Musicalstoffe fürs Kino öffnen kann. Zehn Jahre vergingen, ehe er sich dem nächsten großen Bühnenwerk zuwandte, diesmal mit vielen Mitarbeitern von damals. Gedreht wurde in London, ergänzt um Außenaufnahmen in Wales und New York, die Gesangsnummern entstanden vorab im Studio. Die deutsche Fassung ließ die Lieder im Original stehen und übersetzte sie stattdessen in Untertiteln. Disney kündigte den Start bereits im Sommer 2013 für das Weihnachtsgeschäft an. Wie viel Grimm verträgt ein Familienfilm aus diesem Haus?
Besetzung, Drehorte & Infos
„Into the Woods“ entstand 2014 in den USA und verfilmt das gleichnamige Broadway-Musical. Regie führte Rob Marshall, das Drehbuch schrieb James Lapine, der schon das Buch der Bühnenfassung verantwortet hatte. Die Musik stammt von Stephen Sondheim, der ebenfalls an der Verfilmung beteiligt war. Hinter der Kamera stand Dion Beebe, den Schnitt übernahm Wyatt Smith. Die Vorlage verwebt mehrere bekannte Märchen miteinander, darunter Rotkäppchen, Rapunzel und Aschenputtel. Produziert wurde die Verfilmung von der Walt Disney Company, die den Start für das Weihnachtsgeschäft 2014 vorsah.
Meryl Streep spielt die Hexe, Emily Blunt und James Corden das Bäckerpaar. Anna Kendrick ist als Aschenputtel zu sehen, Chris Pine als deren Prinz. Tracey Ullman verkörpert die Mutter von Hans, Daniel Huttlestone übernimmt eine der jungen Rollen, Christine Baranski gehört ebenfalls zum Ensemble. Die Besetzung wurde zwischen Oktober 2012 und September 2013 zusammengestellt. Für die deutsche Synchronisation zeichnete die Berliner FFS Film- und Fernseh-Synchron verantwortlich, das Dialogbuch schrieb Nana Spier, die zugleich Cinderellas Mutter sprach und Dialogregie führte.
Gedreht wurde ab 2013 in London, hinzu kamen Außenaufnahmen in Wales und New York. Die Fassung läuft 124 Minuten und ist ab sechs Jahren freigegeben. Weltpremiere war am 8. Dezember 2014 in New York, der deutsche Kinostart folgte am 19. Februar 2015. Bei der Oscarverleihung 2015 gab es drei Nominierungen, für Kostümdesign, Szenenbild und Meryl Streep als Nebendarstellerin. Die Satellite Awards zeichneten das Ensemble aus, die FBW in Wiesbaden vergab das Prädikat wertvoll. Das American Film Institute nahm den Film in seine Zehnerliste des Jahres 2014 auf.
Inhalt & Handlung vom Film „Into the Woods“
Ein Bäcker und seine Frau wünschen sich ein Kind, das ihnen versagt bleibt. Der Grund liegt eine Generation zurück. Der Vater des Bäckers hatte den Garten einer Hexe geplündert und dabei Salat und magische Bohnen gestohlen. Die Hexe belegte die Familie daraufhin mit einem Fluch. Sie bietet dem Paar nun einen Handel an: Bringen die beiden ihr vier Dinge, hebt sie den Bann auf. Verlangt werden eine Kuh so weiß wie Milch, ein Umhang so rot wie Blut, Haare so gelb wie Mais und ein Schuh aus reinem Gold. Der Weg dorthin führt in den Wald, in dem sich die Pfade zahlreicher Märchenfiguren kreuzen. Drei Tage bleiben dem Paar, um die Sammlung zusammenzutragen. Was als überschaubare Suche beginnt, verstrickt die beiden zusehends in fremde Geschichten.
Die Hexe bringt das Bäckerpaar mit dem Burschen Hans zusammen, der seine weiße Kuh Milchweiß hergibt. Als Gegenwert erhält er einige der magischen Bohnen, die die Bäckersfrau zuvor gefunden hat, und aus ihnen wächst eine gewaltige Ranke in den Himmel. Rotkäppchen kreuzt den Weg des Bäckers, dem der rote Mantel sofort ins Auge fällt. Die Bäckersfrau entdeckt bei ihrem Gang durch den Wald einen Turm und darin Rapunzel mit maisgelbem Haar. Aschenputtel wiederum läuft der Bäckersfrau direkt in die Arme, weil sie gerade vor einem Prinzen flieht, und trägt dabei den goldenen Schuh. Jede dieser Begegnungen kostet die beiden mehr, als sie eingeplant hatten. Mehrere Anläufe scheitern, ehe alle vier Gegenstände endlich beisammen sind, und das Paar erkennt dabei, wie weit es für seinen Wunsch zu gehen bereit ist.
Wenn der Wunsch erfüllt ist
Der Fluch wird gebrochen, und für einen Moment fügt sich alles: Aschenputtel heiratet ihren Prinzen, während Hans die Bohnenranke erklimmt und einen Riesen bestiehlt. Als dieser ihn verfolgt, kappt Hans die Ranke, woraufhin der Riese stirbt. Unterdessen rettet der Bäcker Rotkäppchen und deren Großmutter vor dem Wolf, während ein Zaubertrank der Hexe ihre Schönheit zurückgibt. Doch der Frieden währt nur kurz, denn der Bäcker fürchtet, seinem neugeborenen Kind ein armer Vater zu sein. Zudem bemerkt die Hexe, dass ihre Zauberkraft verschwunden ist. Schließlich steigt die Witwe des Riesen über die Rankenreste herab und zerstört das mühsam errungene Glück.
Weil die Riesin ihren Mann rächen will, fordert sie Hans. Während die Übrigen über seine Auslieferung streiten, eskaliert die Lage, wobei seine Mutter stirbt. Zugleich verführt der Prinz die Bäckersfrau, lässt sie jedoch anschließend stehen. Daraufhin erkennt sie ihren Fehler, stürzt aber von einer Klippe und stirbt. Rapunzel entkommt derweil mit ihrem Prinzen aus dem Turm und damit aus der Geschichte. Anstatt gemeinsam gegen die Riesin vorzugehen, schieben die Zurückgebliebenen einander die Schuld zu, sodass aus Verbündeten binnen Minuten Beschuldigte werden.
Schließlich beschuldigen alle die Hexe, die daraufhin ihre letzten Bohnen zu Boden wirft, die Anwesenden für ihre Uneinsichtigkeit verflucht und verschwindet. Daraufhin stellen sich der Bäcker, Rotkäppchen, Hans und Aschenputtel gemeinsam der Riesin und töten sie. Obwohl die Gefahr gebannt ist, bleibt ihr Leben grundlegend verändert. So verlässt Aschenputtel ihren untreuen Prinzen und unterstützt fortan den Bäcker, während die Waisen Hans und Rotkäppchen bei ihnen einziehen. Dennoch zweifelt der Bäcker weiterhin an seinen Fähigkeiten als Vater, bis ihm seine verstorbene Frau erscheint. Sie rät ihm, dem Kind die gesamte Geschichte zu erzählen. Deshalb beginnt er mit denselben Worten, mit denen er bereits als Erzähler den Film eröffnet hatte, und schließt so den Kreis zwischen Erzählung und Erlebtem.
Filmkritik und Fazit zum Film „Into the Woods“
Rob Marshall inszeniert „Into the Woods“ als Kammerspiel im Grünen, und genau darin liegt die Stärke der Verfilmung. Dion Beebe hält den Wald in gedämpften Braun- und Grüntönen, aus denen einzelne Farbflächen herausstechen, allen voran der rote Umhang. Stephen Sondheims Partitur verlangt Textverständlichkeit statt großer Stimmen, und die Besetzung liefert das. Meryl Streep singt die Hexe als lauernde, gekränkte Figur, Emily Blunt gibt der Bäckersfrau eine trockene Ungeduld. James Corden trägt die Erzählerrolle ruhig und ohne Anbiederung, was der Konstruktion des Films sehr zugutekommt. Wyatt Smiths Schnitt hält die parallel laufenden Handlungsstränge erstaunlich sauber auseinander.
Der Bruch nach der ersten Stunde ist das eigentliche Wagnis. Die Vorabaufnahmen der Gesangsnummern nehmen einzelnen Auftritten etwas Unmittelbarkeit, die Choreografie der Blicke gleicht das aus. Zwei Szenen zeigen das Prinzip: der Auftritt der Hexe in der Backstube, die ihre Bedingungen wie eine Einkaufsliste vorträgt, und der Zusammenprall von Bäckersfrau und Aschenputtel, die auf der Flucht vor ihrem Verehrer aus dem Unterholz stolpert. Die zweite Hälfte verliert etwas an Tempo, weil zu viele Fäden gleichzeitig aufgelöst werden wollen und der Wald sich dabei allmählich leert. Wer allein wegen der Namen im Vorspann kommt, wird sich an dieser Stelle wundern.
Wer Musicals mag und bereit ist, sich vom Märchenversprechen der ersten Stunde lösen zu lassen, findet hier ein kluges, überraschend hartes Stück Familienkino. Sondheim-Kenner bekommen eine respektvolle Übertragung, Zuschauer ohne Bühnenvorwissen einen Film, dessen zweite Hälfte deutlich mehr fordert als der Trailer verspricht. Für Kinder unter zehn ist der Stoff trotz der Freigabe ab sechs Jahren streckenweise schwer. Sehenswert bleibt der Film vor allem für alle, die Märchen konsequent zu Ende denken wollen.

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