House of Wax
Wachs ist ein unheimliches Material, weil es die Grenze zwischen Abbild und Körper verwischt. Wachsfigurenkabinette galten schon im neunzehnten Jahrhundert als Jahrmarktsattraktion mit morbidem Beigeschmack. Das Kino hat dieses Motiv zweimal prominent aufgegriffen, 1933 und 1953. Jaume Collet-Serra nahm sich den Stoff 2005 ein drittes Mal vor und behielt davon vor allem den Titel. „House of Wax“ verlegt die Idee in eine entvölkerte amerikanische Kleinstadt und in ein Subgenre, das damals Konjunktur hatte. Der Ruf des Films eilte ihm voraus, allerdings in die falsche Richtung.
| Dauer: | 113 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 18 Jahren |
| Jahr: | 2005 |
| Regie: | Jaume Collet-Serra |
| Produzenten: | Joel Silver, Robert Zemeckis, Susan Downey |
| Hauptdarsteller: | Elisha Cuthbert, Chad Michael Murray, Brian Van Holt |
| Nebendarsteller: | Paris Hilton, Jared Padalecki, Jon Abrahams |
| Studio: | Warner Bros. |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Sechs College-Studenten, zwei Autos, ein Ort namens Ambrose. Die Besetzung liest sich wie ein Querschnitt durch das damalige Angebot an Jungdarstellern, mit Elisha Cuthbert, Chad Michael Murray und Jared Padalecki. Für Aufsehen sorgte vor allem Paris Hilton, die für ihre Nebenrolle eine Goldene Himbeere erhielt. Gedreht wurde an der Goldküste Australiens, weit weg vom vermeintlichen Schauplatz. Bleibt hinter dem Spott von 2005 ein Film, der eine zweite Betrachtung verdient?
Besetzung, Drehorte & Infos
Der US-amerikanische Horrorfilm „House of Wax“ erschien 2005 und dauert 113 Minuten. Regie führte Jaume Collet-Serra, das Drehbuch schrieben Chad Hayes und Carey Hayes auf Grundlage einer Vorlage von Charles Belden. Der Film gilt als Neuverfilmung von Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts aus dem Jahr 1933 und von Das Kabinett des Professor Bondi von 1953. Mit deren Handlung hat er kaum Berührungspunkte. Die Musik komponierte John Ottman, die Kamera führte Stephen F. Windon. Für den Schnitt war Joel Negron verantwortlich.
Elisha Cuthbert spielt Carly Jones, Chad Michael Murray ihren Bruder Nick. Jared Padalecki verkörpert Carlys Freund Wade, Jon Abrahams den Mitreisenden Dalton und Robert Ri’chard dessen Kumpel Blake. Paris Hilton übernahm die Rolle der Paige. Brian Van Holt ist in einer Doppelrolle als die Zwillingsbrüder Bo und Vincent zu sehen. Damon Herriman spielt den Wilderer Lester Sinclair, der zwei der Freunde in seinem verdreckten Wagen mitnimmt und ihnen sein Bowiemesser zeigt. Der Name eines der Zwillinge verweist auf Vincent Price, der 1953 mitgespielt hatte.
Gedreht wurde an der Goldküste Australiens, in Oxenford im Bundesstaat Queensland. Die ungeschnittene Fassung gab die FSK erst ab achtzehn Jahren frei. Bei Kosten von 30 Millionen Dollar spielte der Film in den USA 32 Millionen ein, weltweit kamen weitere 30 Millionen hinzu, dazu 40 Millionen aus dem DVD-Geschäft. Die Goldene Himbeere nominierte ihn als schlechtesten Film des Jahres, Paris Hilton gewann als schlechteste Nebendarstellerin. Für deren Figur fertigte Madame Tussauds in London eigens eine Wachsfigur an. Von den Teen Choice Awards bekam Hilton zudem einen Preis für den besten Schrei.
Inhalt & Handlung vom Film „House of Wax“
Sechs befreundete College-Studenten fahren in zwei Wagen zu einem der wichtigsten Footballspiele des Jahres. Carly, ihr Freund Wade, ihr Bruder Nick sowie Paige, Blake und Dalton beschließen, unterwegs im Freien zu übernachten. Ihr Schlafplatz liegt allerdings in der Nähe einer Grube voller stinkender Tierkadaver. Am Abend fährt ein unbekannter Trucker auf die Zelte zu, bleibt eine Weile mit eingeschalteten Scheinwerfern stehen und entfernt sich dann wieder. Weil die Begegnung unerklärt bleibt, verstört sie die Gruppe. Am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass der Keilriemen an Wades Wagen gerissen ist. Ein mysteriöser Fremder bietet deshalb an, Carly und Wade in die nahe Kleinstadt Ambrose zu bringen. Die übrigen vier fahren zunächst in Blakes Auto weiter, kehren wegen eines Staus jedoch bald um.
In Ambrose treffen Carly und Wade an der Tankstelle niemanden an, weshalb sie zur nahen Kirche gehen. Dort stören sie allerdings unabsichtlich eine Totenmesse und verlassen peinlich berührt das Gotteshaus. Tankstellenbesitzer Bo, einer der Trauergäste, folgt ihnen und sagt seine Hilfe nach der Beerdigung zu. Um die Wartezeit zu überbrücken, besichtigen die beiden das markante örtliche Wachsfigurenkabinett. Obwohl das Gebäude vollständig aus Wachs besteht, enthält es zu Wades Erstaunen keine einzige Nachbildung eines Prominenten. Später fordert Bo sie auf, ihn zu seinem Haus zu begleiten, wo das Ersatzteil liegen soll. Die beiden sind zwar etwas verwundert, willigen aber dennoch ein. Zuvor möchte Wade noch die Toilette benutzen, weshalb Bo ihm sein Privat-WC anbietet.
Was unter dem Wachs liegt
Auf dem Rückweg vom Badezimmer entdeckt Wade am Ende des Flurs einen Raum voller befremdlicher Gegenstände, darunter Rinderembryos. Als er sich neugierig umsieht, erlischt das Licht und die Tür bleibt verschlossen. Unbemerkt dringt Vincent durch ein loses Bodenbrett ein und durchtrennt Wade mit einer Schere die Achillessehne. Bos Zwillingsbruder trägt eine Wachsmaske, weil sein Gesicht bei der Trennung der siamesischen Zwillinge entstellt wurde. Er bringt den bewusstlosen Wade in seine Wachsfigurenwerkstatt, fixiert ihn und überzieht ihn mit flüssigem Wachs, sodass er einer echten Wachsfigur zum Verwechseln ähnlich sieht. Unterdessen kämpft Carly um ihr Leben.
Bo ist der Trucker der vergangenen Nacht. Carly flieht in die Kirche, entdeckt dort jedoch ausschließlich mit Wachs überzogene Leichen. Bo fängt sie ein und fesselt sie im Tankstellenkeller. Als Carly und Wade nicht zum Treffpunkt kommen, suchen Nick und Dalton nach ihnen. Dalton entdeckt den zur Wachsfigur erstarrten Wade an einem Flügel, bevor Vincent ihn mit zwei Messern enthauptet. Auch Blake und Paige sterben: Blake durch einen Stich in den Hals, Paige durch ein Stahlrohr, das ihren Schädel durchbohrt.
Nick begegnet Bo vor der Tankstelle und befreit seine Schwester. Im Wachsfigurenkabinett finden die Geschwister Daltons präparierte Leiche. Vincent greift an, doch Nick verschüttet einen Kessel kochenden Wachses, das sofort Feuer fängt. Im anschließenden Kampf gelingt es den Geschwistern, Bo und Vincent zu töten. Während die Flammen das Gebäude erfassen, schmelzen die Wände und eine Treppenstufe bricht unter Nick weg. Die beiden graben sich gerade noch durch das weiche Mauerwerk, bevor das Haus zusammenstürzt. Der Rauch ruft die Polizei auf den Plan. Ermittler durchsuchen die verlassene Stadt, während Rettungskräfte Carly und Nick ins Krankenhaus bringen. Schließlich stellt sich heraus, dass Bo und Vincent einen dritten Bruder haben: den Fremden, der die Freunde nach Ambrose gebracht hat. Er winkt dem abfahrenden Krankenwagen lächelnd hinterher.
Filmkritik und Fazit zum Film „House of Wax“
Jaume Collet-Serra inszeniert „House of Wax“ als Backwood-Horror mit einer ungewöhnlich guten Idee im Zentrum. Das Haus aus Wachs ist Kulisse, Falle und Waffe zugleich, und der Film spielt diese Möglichkeit im letzten Drittel konsequent aus. Brian Van Holt legt die beiden Brüder so unterschiedlich an, dass man die Doppelbesetzung erst im Abspann bemerkt. Die Maskenarbeit leistet dabei mindestens ebenso viel wie sein Spiel. Stephen F. Windon greift immer wieder zur Handkamera und hält die Farben schmutzig. John Ottmans Musik erinnert stellenweise an klassische Gruselhörspiele.
Am stärksten ist der Film in seinen stillen Momenten, etwa wenn ein Truck mit brennenden Scheinwerfern vor den Zelten steht und einfach nichts geschieht. Auch der Gang durch ein Kabinett ohne eine einzige prominente Figur wirkt lange nach. Das Tempo leidet dagegen unter Dialogen, die zwischen Selbstironie und Leerlauf schwanken. Die Schockmomente kommen unvorbereitet, verlieren durch das Geplauder davor allerdings an Wirkung. Die Splattereffekte rechtfertigen die Freigabe ab achtzehn Jahren mühelos. Erst auf der Zielgeraden findet die Inszenierung zu einem eigenen Bild, wenn Wachs zur Substanz wird, die Räume und Körper gleichermaßen verschlingt.
Wer Backwood-Horror mag und mit Klischeefiguren leben kann, findet hier einen weit besseren Film als seinen Ruf. Die Prämisse ist originell, der Antagonist stark gespielt, das Finale visuell erstaunlich. Wer feine Figurenzeichnung und pointierte Dialoge sucht, wird die erste Stunde als zäh empfinden. Zart besaitete Zuschauer sollten die ungeschnittene Fassung meiden. Für Genre-Liebhaber lohnt sich der Film, schon wegen der letzten zwanzig Minuten.

