The Unholy

Wunder sind im Kino ein heikles Motiv, weil sie erklärt werden wollen und sich der Erklärung zugleich entziehen. Evan Spiliotopoulos setzt in „The Unholy“ genau an dieser Stelle an und lässt ein gehörloses Mädchen sprechen. Für ihn war der Film das Regiedebüt, das Drehbuch schrieb er selbst. Als Vorlage diente der 1983 erschienene Horrorroman Erscheinung von James Herbert, im Original Shrine betitelt. Produzent Sam Raimi brachte das Projekt mit auf den Weg. Schauplatz ist eine Kleinstadt in Massachusetts mit sehr langem Gedächtnis.

The Unholy
Dauer: 99 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Jahr:
Regie: Evan Spiliotopoulos
Produzenten: Sam Raimi, Evan Spiliotopoulos, Rob Tapert
Hauptdarsteller: Jeffrey Dean Morgan, Katie Aselton, William Sadler
Nebendarsteller: Cricket Brown, Diogo Morgado, Cary Elwes
Studio: Screen Gems
Sprachen: Deutsch, English

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Die Dreharbeiten sollten kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie beginnen und wurden prompt unterbrochen. Fortgesetzt werden konnten sie erst einige Zeit später, unter stark eingeschränkten Bedingungen. Der endgültige Titel stand lange nicht fest, erst im März 2021 wurde er gemeinsam mit dem Trailer bekannt gegeben. Solche Umstände hinterlassen in einem fertigen Film ihre Spuren, im Rhythmus ebenso wie in der Größe der Schauplätze. Wie weit trägt ein Glaube, dessen Ursprung niemand überprüft?

Besetzung, Drehorte & Infos

Bei „The Unholy“ handelt es sich um einen US-amerikanischen Horrorfilm aus dem Jahr 2021. Evan Spiliotopoulos führte Regie und schrieb das Drehbuch, für ihn war es das Regiedebüt. Die Musik komponierte Joseph Bishara, hinter der Kamera stand Craig Wrobleski. Den Schnitt übernahm Jake York. Die Geschichte geht auf den Roman Erscheinung von James Herbert zurück. Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass Sam Raimi und Screen Gems gemeinsam an dieser Adaption arbeiteten. Bereits damals stand Spiliotopoulos als Debütregisseur fest.

Jeffrey Dean Morgan steht an der Spitze der Besetzung, an seiner Seite ist Cricket Brown zu sehen. William Sadler, Katie Aselton und Cary Elwes gehören ebenfalls zum Ensemble. Diogo Morgado, Bates Wilder und Marina Mazepa vervollständigen es. Ursprünglich war Jordana Brewster besetzt, sie wurde Anfang 2020 durch Katie Aselton ersetzt. Die Figurenliste umfasst den Journalisten Gerry Fenn, das gehörlose Mädchen Alice Pagett und deren Onkel, Pater William Hagan. Dazu kommen Monsignore Delgarde, Bischof Gyles und die Ärztin Natalie Gates.

Der Film läuft 99 Minuten und ist ab sechzehn Jahren freigegeben. In den USA erschien er am 2. April 2021, in den deutschen Kinos startete er am 17. Juni 2021. Seit dem 28. Oktober 2021 ist er fürs Heimkino erhältlich. Die deutsche Synchronbearbeitung entstand bei der Iyuno Germany in Berlin, Dialogbuch und Dialogregie verantwortete Beate Gerlach. Kameramann Craig Wrobleski war 2022 bei den Canadian Society of Cinematographers Awards nominiert. Die Auszeichnung ging an Sara Mishara.

Inhalt & Handlung vom Film „The Unholy“

Banfield, Massachusetts, im Jahr 1845. Eine Frau wird der Hexerei beschuldigt und daraufhin an einem Baum aufgehängt und angezündet. Später wird sie als Mary Elnor identifiziert, während man ihre Asche in einer Erntepuppe aufbewahrt, in der ihr Geist offenbar weiterlebt. In der Gegenwart arbeitet der in Ungnade gefallene Journalist Gerry Fenn als Reporter für alles Paranormale. Sein neuester Auftrag führt ihn nach Boston, wo sich die vermeintlich übernatürlichen Aktivitäten allerdings als Teenager-Streich entpuppen. Vor der Abreise entdeckt er die Puppe und zertritt sie, wodurch er, ohne es zu ahnen, den Geist der Verbrannten befreit. Damit setzt der Zufall eine Kette von Ereignissen in Gang, die niemand mehr aufhalten kann.

Kurz darauf wird Gerry in einen Unfall verwickelt, weil ein junges Mädchen über die Straße läuft. Anschließend folgt er Alice Pagett zu jenem Baum, an dem Mary einst hing, und hört sie sprechen, bevor sie zusammenbricht. In einer nahe gelegenen Kirche erfährt er jedoch, dass Alice gehörlos ist und sich ausschließlich über Gebärden verständigt. Gerry beschließt deshalb zu bleiben, weil er hier endlich eine echte Geschichte über das Übernatürliche wittert. Bereits am nächsten Tag spricht Alice vor der Gemeinde und verkündet, dass die Jungfrau Maria sie geheilt habe. Daraufhin setzt ein Medienrummel ein, der durch weitere scheinbar wundersame Heilungen noch verstärkt wird. Während einer dieser Heilungen weint sogar eine Marienstatue nahe dem Altarraum blutige Tränen.

Wer spricht wirklich zu Alice

Die katholische Kirche beauftragt Monsignore Delgarde und Bischof Gyles, Alices Wunder zu untersuchen. Gerry freundet sich mit ihr an und erfährt, dass sie eine Erscheinung namens Maria gesehen, diese jedoch nur für die Jungfrau gehalten hat. Zugleich verfolgen ihn Visionen einer schrecklichen Kreatur. Pater William Hagan, Alices Onkel, entdeckt ein Buch über Mary Elnor, die für Satan Wunder vollbrachte. Bevor er jemanden warnen kann, wird er getötet und später erhängt in der Kirche gefunden.

Gyles überredet Gerry, den vermeintlichen Selbstmord zu verschweigen, damit die Wunder nicht infrage gestellt werden. Deshalb gilt Hagans Tod offiziell als Unfall. Unterdessen vertraut Gerry der Ärztin Natalie Gates an, dass er früher Geschichten erfunden hat und nun seine Karriere retten will. Gemeinsam untersuchen sie Hagans Unterlagen und entdecken, dass Elnor ihre Seele für übernatürliche Macht an Satan verkaufte. Dadurch konnten auch ihre Nachkommen Wunder vollbringen, mussten dafür jedoch Menschen an Satan binden. Als Elnor Gerry angreift, vertreibt Delgarde sie mit Gebeten und einem Kruzifix.

Gyles kannte Banfields Vergangenheit, unterschätzte jedoch ihre Bedeutung. Alice plant einen Gottesdienst am Baum, während ein Ritual dies verhindern soll. Doch Elnor erscheint und tötet Delgarde mit einem brennenden Kreuz. Beim Gottesdienst fordert Alice die Gläubigen auf, sich Maria zu verschreiben. Gerry erklärt daraufhin die Wunder zu seinen Erfindungen, während Natalie Alice durch Gebärdensprache über die Erscheinung aufklärt. Der Baum brennt, Maria erscheint und tötet Gyles. Alice opfert sich für Gerry, wodurch die Kreatur verschwindet. Durch sein Gebet erwacht Alice wieder, bleibt jedoch gehörlos. Auch die übrigen Heilungen werden rückgängig gemacht.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Unholy“

Evan Spiliotopoulos inszeniert „The Unholy“ als klassischen Studio-Horror mit sauberem Aufbau und ohne Experimente. Craig Wrobleskis Kamera arbeitet mit tiefen Schatten in Kirchenräumen und einem Weiß, das bei den Wundern fast schmerzt. Dafür erhielt er eine Nominierung bei den Canadian Society of Cinematographers Awards. Joseph Bisharas Musik setzt auf genretypische Streicherstiche und tiefe Flächen. Jeffrey Dean Morgan gibt dem abgehalfterten Zyniker mehr Kontur, als das Drehbuch verlangt. Cricket Brown hält den Film mit stiller Präsenz zusammen.

Der Film erzählt zügig, folgt aber einer vorhersehbaren Struktur. Eine Statue, die im Halbdunkel blutige Tränen weint, zeigt, was Spiliotopoulos gelingt, wenn er sich Zeit lässt. Weniger überzeugen die Schreckmomente, die er im Sekundentakt einstreut. Der Auftakt mit der Hinrichtung an einem Baum setzt einen Ton, den die Gegenwartshandlung selten wieder erreicht. Spiliotopoulos liefert solides Handwerk, entwickelt aber keine eigene Handschrift. Das Thema, Glaube als Ware und als Falle, hätte mehr hergegeben. Den Medienrummel um die angeblichen Heilungen behauptet der Film lediglich, statt ihn in eindringliche Bilder zu übersetzen.

Wer geradlinigen Grusel mit religiösem Anstrich mag, bekommt ordentliche Horrorunterhaltung. Die Freigabe ab sechzehn Jahren passt zu den drastischeren Momenten. Wer eigenwillige Bildideen oder eine überraschende Auflösung sucht, erlebt dagegen eine Enttäuschung. Für Liebhaber des religiös grundierten Horrorkinos lohnt sich der Film als Abendunterhaltung. Für mehr reicht er nicht. Wer James Herberts Vorlage kennt, bemerkt die Kürzungen, ohne dass sie den Abend verderben. Auch beim zweiten Ansehen entdeckt das Publikum wenig Neues.