The Hateful 8
Ein Schneesturm über Wyoming, eine Kutsche, acht Menschen in einer Hütte. Quentin Tarantino verlegt seinen achten Spielfilm in ein Kammerspiel aus Holz und Frost. „The Hateful 8“ trägt die Form des Westerns und den Rhythmus eines Bühnenstücks. Die Kapitelstruktur gibt dem Abend eine literarische Ordnung, die im Gegensatz zur Gewalt steht. Ennio Morricone kehrte für diesen Film nach Jahrzehnten zum Genre zurück. Gedreht wurde auf 65-mm-Material in einem Format, das seit 1966 niemand mehr benutzt hatte. Der Aufwand ist Programm.
| Dauer: | 168 Min. |
|---|---|
| FSK: | ab 16 Jahren |
| Jahr: | 2015 |
| Regie: | Quentin Tarantino |
| Produzenten: | Stacey Sher, Shannon McIntosh |
| Hauptdarsteller: | Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh |
| Nebendarsteller: | Walton Goggins, Tim Roth, Demian Bichir |
| Studio: | The Weinstein Company |
| Sprachen: | Deutsch, English |
Der Western war lange ein Genre der Weite. Tarantino nutzt das breiteste verfügbare Bildformat und sperrt seine Figuren dann in einen einzigen Raum. Aus diesem Widerspruch zwischen Format und Enge bezieht der Film seine Energie. Draußen tobt das Wetter, drinnen wird geredet, gelogen, gedroht und schließlich geschossen. Niemand in dieser Runde verdient Sympathie, und genau darauf setzt das Drehbuch. Wie lange hält ein Waffenstillstand zwischen Menschen, die einander bereits im Krieg an unterschiedlichen Fronten gegenübergestanden haben?
Besetzung, Drehorte & Infos
„The Hateful 8“ ist der achte Spielfilm von Quentin Tarantino, der auch das Drehbuch verfasste. Die Musik komponierte Ennio Morricone, der damit erstmals seit 1981 wieder für einen Western arbeitete und dafür den Oscar erhielt. Ergänzt wurde sie um ältere Stücke aus seinen Arbeiten zu „Exorzist II“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“. Robert Richardson führte die Kamera, Fred Raskin verantwortete den Schnitt. Gedreht wurde auf 65-mm-Film im Format Ultra Panavision 70. Panavision holte dafür anamorphe Objektive aus dem Archiv, die seit 1966 stillgelegt waren.
Samuel L. Jackson spielt den Kopfgeldjäger Marquis Warren, Kurt Russell dessen Kollegen John Ruth. Jennifer Jason Leigh ist die Gefangene Daisy Domergue, eine Rolle, die ihr Nominierungen für Oscar und Golden Globe einbrachte. Walton Goggins verkörpert den angeblichen Sheriff Chris Mannix, Tim Roth den Henker Oswaldo Mobray. Michael Madsen ist der Cowboy Joe Gage, Demián Bichir der Mexikaner Bob, Bruce Dern der frühere Konföderiertengeneral Sanford Smithers. Fast alle Beteiligten hatten zuvor schon in Tarantino-Filmen gespielt. Roth und Madsen waren bereits in Reservoir Dogs dabei.
Gedreht wurde vom 23. Januar bis zum 12. März 2015 in Telluride, Colorado. Die deutsche Digitalfassung läuft 168 Minuten und ist ab sechzehn Jahren freigegeben. Daneben existiert eine Roadshow-Fassung von 187 Minuten, die im deutschsprachigen Raum nur in fünf Kinos von 70-mm-Material projiziert wurde. Allein dafür wurden 80.000 Karten verkauft. Der deutsche Kinostart war der 28. Januar 2016. Seit 2019 gibt es zusätzlich eine vierteilige Miniserienfassung. Morricone gewann für die Musik Oscar, Golden Globe und BAFTA.
Inhalt & Handlung vom Film „The Hateful 8“
In den 1870er Jahren fährt der Kopfgeldjäger Marquis Warren mit drei Leichen im Gepäck nach Red Rock. Nachdem sein Pferd verendet ist, zieht auch noch ein Schneesturm auf. Deshalb hält Warren eine Kutsche an, die O. B. lenkt. An Bord sitzen der Kopfgeldjäger John Ruth, genannt Der Henker, und seine Gefangene Daisy Domergue, die in Red Rock gehängt werden soll. Obwohl Ruth dem Konkurrenten misstraut, nimmt er ihn widerwillig mit. Warren zeigt ihm daraufhin einen Brief, den angeblich Abraham Lincoln persönlich geschrieben hat. Als Domergue darauf spuckt, schlägt Warren sie aus der Kutsche. Weil sie jedoch an Ruth gekettet ist, reißt sie ihn mit in den Schnee. Kurz darauf stößt auch Chris Mannix dazu, der behauptet, künftiger Sheriff von Red Rock zu sein.
Ruth traut dem Neuankömmling nicht und verbündet sich deshalb mit Warren, damit beide ihre Kopfgelder behalten. Unterdessen provoziert Mannix Warren mit seiner Sicht auf die Schlacht von Baton Rouge, in der sein Vater für die Konföderierten kämpfte. Außerdem bringt er Warrens unehrenhafte Entlassung aus der Armee zur Sprache. Warren war aus einem Südstaatengefängnis ausgebrochen, indem er es niederbrannte, wobei auch Mitgefangene der Union starben. Schließlich erreicht das Gespann Minnies Miederwarenladen, eine Kutschenstation im Sturm. Dort empfängt sie Bob, der die Herberge angeblich in Minnies Abwesenheit führt. Im Raum warten bereits der Henker Oswaldo Mobray, der Cowboy Joe Gage und der ehemalige General Sanford Smithers. Während Ruth Gage und Mobray entwaffnet, entdeckt Warren eine einzelne Geleebohne zwischen den Bodendielen und bemerkt außerdem ein fehlendes Bonbonglas im Regal.
Ein Raum voller Lügen
Zwischen Warren und Smithers besteht eine alte Feindschaft, während Mannix den ehemaligen General unterstützt. Mobray versucht zu schlichten und teilt den Laden symbolisch in Nord- und Südstaaten. Beim Essen beschuldigt Mannix Warren, den Lincoln-Brief gefälscht zu haben. Warren gesteht und erklärt, das Schreiben verschaffe ihm bei weißen Rassisten Vorteile. Ruth reagiert empört. Später erzählt Warren Smithers, er habe dessen Sohn Chester Charles gefoltert und getötet. Anschließend legt er ihm einen Revolver hin. Als der General danach greift, erschießt Warren ihn in Notwehr.
Während alle abgelenkt sind, vergiftet jemand den Kaffee. Domergue sieht es, schweigt aber. Ruth und O. B. trinken davon, erbrechen Blut und brechen zusammen. Ruth kann Mannix noch rechtzeitig warnen. Sterbend schlägt er Domergue, doch sie entreißt ihm den Revolver und erschießt ihn. Warren entwaffnet sie und kettet sie an Ruths Leiche. Dann stellt er Mobray, Gage und Bob an die Wand. Weil Indizien auf Bob als Mörder von Minnie und Sweet Dave deuten, erschießt Warren ihn. Als er Domergue mit Gift bedroht, gesteht Gage schließlich, den Kaffee vergiftet zu haben.
Genau in diesem Moment steht Warren über einer Falltür. Jody, Daisys Bruder und Anführer der Bande, schießt ihm aus dem Keller in den Unterleib. Mobray zieht eine versteckte Waffe und verwundet Mannix, der zurückschießt. Eine Rückblende enthüllt, dass Jody und seine Komplizen am Vormittag Minnie, Sweet Dave und die Angestellten ermordeten. Lediglich Smithers ließen sie am Leben. In der Gegenwart ergibt sich Jody, doch Warren erschießt ihn. Domergue bietet Mannix einen Handel an, den er als Bluff erkennt. Gage und Mobray sterben, während Domergue ebenfalls angeschossen wird. Schließlich hängen die schwer verletzten Warren und Mannix sie zu Ehren Ruths am Dachbalken auf. Danach liest Mannix den gefälschten Lincoln-Brief vor.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Hateful 8“
„The Hateful 8“ ist ein Film über das Sprechen, bevor er einer über das Sterben wird. Tarantino nimmt sich fast zwei Stunden, um Misstrauen aufzubauen, und die Kapitelstruktur macht diesen Aufbau sichtbar. Robert Richardsons Kamera arbeitet mit dem extrem breiten Bild wie ein Bühnenbildner: Sie hält mehrere Figuren gleichzeitig im Rahmen und lässt den Zuschauer selbst suchen, wer gerade lügt. Samuel L. Jackson trägt die Hauptlast und wechselt mühelos zwischen Charme und Kälte. Jennifer Jason Leigh spielt Daisy Domergue als grinsende Wunde, blutig, störrisch und immer einen Gedanken voraus. Walton Goggins hält als Mannix die Balance zwischen Clown und Bedrohung.
Morricones Musik ist der heimliche Hauptdarsteller. Ihre tiefen Bläser und schleppenden Streicher legen sich wie ein Frostfilm über jede Szene und kündigen Unheil an, lange bevor etwas geschieht. Das Tempo bleibt lange gemächlich, was manche ermüden wird und andere zu genauem Hinsehen zwingt. Zwei Momente zeigen die Qualität dieser Regie: die Teilung des Ladens in eine Südstaaten- und eine Nordstaatenhälfte, ausgehandelt wie ein Friedensvertrag, und Daisy Domergues Ballade auf der Gitarre, die John Ruth mit einem Griff beendet. Das Sounddesign nutzt den Sturm als Dauerdruck vor der Tür. Die Gewalt kommt spät und dann mit einer Drastik, die den FSK-Vermerk erklärt.
Für Western-Liebhaber lohnt sich der Film, sofern sie Geduld für lange Dialoge mitbringen und Gewalt vertragen. Tarantino liefert kein Panorama, sondern ein Verhör mit Revolvern. Wer Corbuccis verschneite Italo-Western schätzt, wird die zahlreichen Bezüge mit Vergnügen erkennen. Wer Weite und Reittempo sucht, wird enttäuscht sein. Als Kammerspiel im Breitwandformat ist das Ergebnis eine der eigenwilligsten Genrearbeiten der letzten Jahre. Morricones Musik allein rechtfertigt den Abend im Kino.

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