The New Mutants

Zwischen dem Ende der Dreharbeiten und dem deutschen Kinostart lagen fast drei Jahre. Josh Boones Beitrag zur X-Men-Reihe wurde immer wieder verschoben, zuletzt durch den Ausbruch des Coronavirus. „The New Mutants“ kam am 10. September 2020 in die deutschen und österreichischen Kinos. Es ist der dreizehnte und zugleich letzte Film dieser Reihe. Boone hatte früh angekündigt, einen Horrorfilm ohne Kostüme und ohne Superschurken drehen zu wollen. Der Wechsel des Studios von Fox zu Disney fiel mitten in diese Wartezeit.

The New Mutants
Dauer: 94 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Jahr:
Regie: Josh Boone
Produzenten: Simon Kinberg, Karen Rosenfelt
Hauptdarsteller: Maisie Williams, Anya Taylor-Joy, Charlie Heaton
Nebendarsteller: Alice Braga, Blu Hunt, Henry Zaga
Studio: Twentieth Century Studios
Sprachen: Deutsch, English

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Fünf Jugendliche mit Fähigkeiten, die sie nicht steuern können, sitzen in einer nahezu leeren Klinik fest. Statt um die Rettung der Welt geht es um Schuld, Trauma und die Frage, wer sie hier festhält. Mark Snow komponierte die Musik, Peter Deming führte die Kamera. Gedreht wurde in Boston und Montreal, überwiegend in wenigen Innenräumen. Die FSK gab den Film ab sechzehn Jahren frei. Was macht eine Comicverfilmung, wenn sie sich ihrem eigenen Genre verweigert?

Besetzung, Drehorte & Infos

Die Regie von „The New Mutants“ übernahm Josh Boone, der das Drehbuch gemeinsam mit Knate Gwaltney schrieb. 20th Century Fox verkündete das Engagement im Mai 2015. Scott Neustadter und Michael H. Webb überarbeiteten das Buch im August 2016. Mark Snow komponierte die Filmmusik, nachdem ursprünglich Nate Walcott und Mike Mogis dafür vorgesehen waren. Peter Deming führte die Kamera, für den Schnitt zeichneten Andrew Buckland, Matthew Rundell und Robb Sullivan verantwortlich. Als Produzenten fungierten Simon Kinberg und Lauren Shuler Donner.

Blu Hunt spielt Dani, die als Letzte in die Einrichtung kommt. Maisie Williams übernahm die Rolle der Rahne, im Comic bekannt als Wolfsbane, Anya Taylor-Joy die der Illyana alias Magik. Henry Zaga verkörpert Roberto da Costa, genannt Sunspot, Charlie Heaton spielt Sam. Alice Braga ist als Dr. Cecilia Reyes zu sehen, nachdem im Juni 2017 ein Wechsel bekannt wurde: Zuvor stand Rosario Dawson für diese Rolle im Gespräch. Happy Anderson und Adam Beach ergänzen die Besetzung des Films.

Die Dreharbeiten begannen am 11. Juli 2017 in Boston und wurden in Montreal fortgesetzt. Mitte September 2017 waren sie abgeschlossen. Der erste Trailer erschien bereits im Oktober 2017, danach verschob sich der Start mehrfach. Der Film läuft 94 Minuten, ist in Deutschland ab sechzehn Jahren freigegeben und in Österreich ab zwölf. Bei den Saturn Awards 2021 war er als beste Comicverfilmung nominiert, dazu kam bei den Hollywood Music in Media Awards eine Nominierung für die Filmmusik.

Inhalt & Handlung vom Film „The New Mutants“

Ein Tornado zerstört ein Reservat der Cheyenne, wobei die sechzehnjährige Dani überlebt, während ihr Vater ums Leben kommt. Sie erwacht im Milbury Hospital, das von Dr. Cecilia Reyes geführt wird. Reyes erklärt ihr, dass sie eine Mutantin sei und zunächst lernen müsse, ihre unbekannte Fähigkeit zu kontrollieren. Erst danach komme eine Aufnahme in Charles Xaviers Institut für begabte Jugendliche infrage. Bis dahin überwachen Kameras jeden ihrer Schritte, während eine von Reyes erzeugte Kuppel das Gelände umschließt und jede Flucht verhindert. Angeblich diene dies ihrem Schutz und dem aller anderen. Doch Dani weiß weder, welche Kräfte sie besitzt, noch, wovor man sie bewahren will. Von ihrem alten Leben ist nichts geblieben.

Vier weitere Jugendliche leben in dem Haus, wobei jeder seine eigene Geschichte mitbringt. Rahne, Illyana, Roberto und Sam haben allesamt traumatische Ereignisse erlebt, bei denen häufig Menschen starben. Obwohl diese Erfahrungen sie verbinden, bleiben sie einander fremd. Besonders Illyana begegnet Dani misstrauisch und erschwert ihr den Alltag. Dani fühlt sich zunehmend fehl am Platz, sodass sie schließlich versucht, sich das Leben zu nehmen. Doch Rahne verhindert dies, woraufhin zwischen beiden zunächst eine Freundschaft und später eine Liebesbeziehung entsteht. Währenddessen versucht Reyes, den Jugendlichen durch regelmäßige Sitzungen Selbstbeherrschung beizubringen, damit sie ihre Kräfte kontrollieren können. Die Aussicht auf das Institut gibt ihnen weiterhin Hoffnung.

Hinter der Kuppel

Danis Fähigkeit bleibt zunächst unklar, bis Reyes sie mithilfe von Drogen zum Vorschein bringt. Daraufhin erleben die Jugendlichen ihre größten Ängste als erschreckend reale Erscheinungen. Ein lächelnder Mann verfolgt Illyana, während Danis Furcht die Gestalt eines Dämonenbären annimmt. Erinnerungen und Gegenwart verschwimmen, denn die bedrohlichen Bilder dringen aus den Köpfen in die Wirklichkeit. Als Reyes die Ergebnisse ihrer Tests sieht, entscheidet sie, dass Dani sterben muss, um die anderen zu schützen. Damit wird die vermeintliche Betreuerin selbst zur größten Bedrohung.

Die anderen Jugendlichen verhindern jedoch, dass Reyes ihren Plan ausführt. Inzwischen betrachten sie Dani als Freundin und nicht mehr als Gefahr. Geheime Akten enthüllen zudem, dass Reyes nie für Charles Xavier gearbeitet hat. Tatsächlich steht sie im Dienst der Essex Corporation, die junge Mutanten zu Waffen ausbilden will. Das vermeintliche Krankenhaus entpuppt sich damit als Labor, in dem die Jugendlichen überwacht und für fremde Zwecke benutzt werden. Dani, Rahne, Illyana, Roberto und Sam beschließen deshalb gemeinsam, Reyes zu töten, die schützende Kuppel zu zerstören und zu fliehen. Aus den bislang isolierten Einzelgängern ist eine entschlossene Gruppe geworden.

Doch der Weg in die Freiheit führt mitten durch ihre schlimmsten Ängste. Während Illyana gegen den lächelnden Mann kämpft, müssen sich die anderen dem gewaltigen Dämonenbären stellen, den Danis Kräfte hervorgebracht haben. Das Wesen tötet Reyes und lässt sich auch von den vereinten Fähigkeiten der Jugendlichen nicht bezwingen. Illyana, Roberto und Sam versuchen vergeblich, es aufzuhalten. Schließlich erkennt Dani, dass der Bär ein Teil ihrer selbst ist. Statt ihn weiter zu bekämpfen, nimmt sie ihre Fähigkeit an und zähmt die Kreatur. So rettet sie ihre vier Freunde und beendet die Gefahr, die von ihren unkontrollierten Kräften ausgegangen ist. Gemeinsam verlassen die fünf schließlich die Einrichtung und brechen in Richtung der nächsten Stadt auf. Erstmals können sie selbst entscheiden, wohin ihr weiterer Weg führt.

Filmkritik und Fazit zum Film „The New Mutants“

Josh Boone inszeniert „The New Mutants“ als Hybrid zwischen Internatsdrama und Gruselstück. Peter Demings Kamera hält sich an lange Flure, vergitterte Fenster und Räume, in denen zu wenig Licht ankommt. Mark Snows Musik arbeitet mit dünnen, hohen Klangflächen statt mit orchestralem Pathos. Blu Hunt spielt Dani als Figur, die ihre eigene Gefährlichkeit zuletzt begreift. Maisie Williams und Anya Taylor-Joy bilden den Gegenpol, die eine warm und zurückgenommen, die andere hart und provozierend. Alice Braga hält ihre Ärztin lange in der Schwebe zwischen Fürsorge und Kalkül. Der Schnitt lässt den Szenen Zeit, ohne zu bummeln.

Das Tempo bleibt über weite Strecken niedrig, was der Erzählung mehr nützt als schadet. Bei 94 Minuten fehlt am Ende trotzdem Raum für den Übergang vom Kammerspiel zum Kampf. Die Sequenz, in der Danis Fähigkeit erstmals durchbricht und alle ihre Ängste durchleben, gehört zu den stärksten Momenten. Auch der Blick auf die Kuppel von innen bleibt haften, ein Zaun aus Nichts. Die Liebesgeschichte zwischen zwei der Figuren bekommt mehr Raum als jede Actionsequenz. Als Actionfilm hat die Arbeit deshalb wenig zu bieten, als Schauerstück durchaus einiges.

Für Genre-Liebhaber lohnt sich der Film mit Einschränkung. Wer aus der X-Men-Reihe große Schauwerte erwartet, wird enttäuscht, denn hier gibt es weder Kostüme noch Weltrettung. Wer Horror mit jugendlichen Figuren mag, findet eine kompakte Erzählung über Schuld und Kontrollverlust. Als Abschluss einer dreizehn Filme umfassenden Reihe wirkt das Ergebnis zu klein geraten. Für sich genommen funktioniert der Film jedoch besser als sein Ruf, gerade wegen der engen Räume und der kleinen Besetzung.