Bugonia

Der Titel stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich Ochsengeburt. Dahinter steht ein antiker Glaube, nach dem Bienen aus den Kadavern toter Tiere entstehen. Vergil hat den Vorgang im vierten Buch der Georgica ausführlich geschildert. Yorgos Lanthimos hat sich diesen Begriff für „Bugonia“ ausgeliehen, ein Remake der südkoreanischen Komödie Save the Green Planet! von 2003. Premiere war am 28. August 2025 in Venedig. In Deutschland lief der Film ab dem 30. Oktober 2025. Vier Oscar-Nominierungen folgten bei der Verleihung 2026, darunter die als bester Film.


Bugonia

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Dauer: 118 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Jahr:
Regie: Yorgos Lanthimos
Produzenten: Ed Guiney, Andrew Lowe, Yorgos Lanthimos,
Hauptdarsteller: Emma Stone, Jesse Plemons
Nebendarsteller: Aidan Delbis, Stavros Halkias, Alicia Silverstone
Studio: Focus Features, Element Pictures, Universal
Sprachen: Deutsch, English

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Emma Stone steht in Bugonia zum vierten Mal für Lanthimos vor der Kamera. Jesse Plemons spielte zuletzt in Kinds of Kindness für ihn. Das Drehbuch überarbeitete Will Tracy, der zuvor The Menu geschrieben hatte. Robbie Ryan führte wie schon bei den vier vorangegangenen Filmen die Kamera, Jerskin Fendrix komponierte die Musik. Gedreht wurde von Juli bis September 2024 im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten. Wie erzählt man von einem Mann, dessen Weltbild komplett geschlossen ist?

Besetzung, Drehorte & Infos

Bugonia“ entstand 2025 als Koproduktion der Vereinigten Staaten, Südkoreas und Irlands und läuft 120 Minuten. Die FSK gab den Film ab sechzehn Jahren frei. Regie führte Yorgos Lanthimos, das Drehbuch stammt von Will Tracy nach der Vorlage von Jang Joon-hwan. Die Musik komponierte der britische Singer-Songwriter Jerskin Fendrix. Hinter der Kamera stand Robbie Ryan, den Schnitt übernahm Yorgos Mavropsaridis. Beide arbeiten seit mehreren Filmen mit dem Regisseur. Die deutsche Fassung entstand bei FFS Film- & Fernseh-Synchron in Berlin nach Dialogbuch und Dialogregie von Marius Clarén.

Emma Stone spielt die Geschäftsführerin Michelle Fuller, Jesse Plemons ihren Entführer Teddy Gatz. Aidan Delbis verkörpert dessen Cousin Don. Alicia Silverstone ist in Rückblenden als Teddys Mutter Sandy zu sehen. Der Comedian Stavros Halkias spielt den Polizisten Casey. Das Casting übernahm Jennifer Venditti. In der deutschen Fassung sprechen Leonhard Mahlich für Plemons, Anja Stadlober für Stone und Daniel Steiner für Delbis. Emma Stone und Jesse Plemons wurden 2026 unter anderem für Golden Globe, BAFTA und Actor Award nominiert, Stone zusätzlich für den Oscar.

Die Dreharbeiten liefen von Anfang Juli bis Mitte September 2024 im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten. Das Soundtrack-Album mit fünfzehn Stücken erschien am 31. Oktober 2025. Der Film verwendet zudem Basket Case von Green Day. Bei den Filmfestspielen von Venedig gewann Bugonia den Green Drop Award. Beim Europäischen Filmpreis 2026 gab es sechs Nominierungen und eine Auszeichnung für das Maskenbild von Torsten Witte. Das American Film Institute nahm den Film in seine Top 10 des Jahres auf.

Inhalt & Handlung vom Film „Bugonia“

Michelle Fuller führt den Pharmakonzern Auxolith als Vorstandsvorsitzende, während Teddy Gatz als Imker arbeitet und seit Jahren den Rückgang der Honigbienen verfolgt. Die Schuld dafür gibt er dem Konzern, den Michelle leitet. Seine Erklärung reicht allerdings noch weiter, denn Teddy hält Michelle für ein Mitglied einer außerirdischen Spezies, der Andromedaner, die die Bienen ausrotten, Gemeinschaften zerstören und schließlich die Menschheit in Unterwerfung zwingen wollen. Gemeinsam mit seinem geistig behinderten Cousin Don entführt er deshalb die Managerin. Anschließend sperren die beiden sie in den Keller seines abgelegenen Hauses. Dort rasieren sie ihr den Kopf und cremen ihren Körper mit Antihistaminikum ein, denn über ihre Haare soll sie kein Notsignal senden können. Nun bleiben ihr vier Tage, um vor der Mondfinsternis ein Treffen mit dem andromedanischen Kaiser auszuhandeln.

Rückblenden erklären unterdessen Teddys Wut, denn seine Mutter Sandy nahm an einer klinischen Studie für ein Auxolith-Medikament teil und fiel dadurch ins Koma. Im Keller foltert Teddy die Gefangene anschließend mit Elektroschocks. Wegen ihrer hohen Schmerztoleranz schließt er daraufhin, dass sie der andromedanischen Königsfamilie angehören muss. Also lässt er von ihr ab und bittet sie stattdessen stilvoll zum Abendessen nach oben. Der Abend verläuft jedoch angespannt und endet nach einer Diskussion schließlich in einer Schlägerei. Unterbrochen wird sie allerdings vom Auftauchen des örtlichen Sheriffs Casey, der Teddy früher babysittete und nun nach der als entführt gemeldeten Managerin sucht. Währenddessen bringt Don Michelle mit vorgehaltener Waffe zurück in den Keller. Teddy lenkt den Sheriff derweil ab, indem er ihm seinen Bienenstand im Garten zeigt.

Verhandeln im Keller

Michelle hat neben Chemie einen Universitätsabschluss in Psychologie und setzt ihr Wissen im Keller gezielt ein. Sie bietet Don ihre Hilfe an, wenn er Teddy bei der Polizei anzeigt. Don will jedoch nur mit Teddy ins Weltall fliegen. Als Michelle ihm diese Reise zusagt, lässt er sich überzeugen, erschießt sich kurz darauf aber selbst. Draußen entschuldigt sich Casey bei Teddy für einen lange zurückliegenden Übergriff. Beide hören den Schuss. Damit Casey die Entführung nicht entdeckt, erschlägt Teddy den Sheriff mit einem Spaten.

Im Keller findet Teddy den toten Don. Michelle nutzt seine Verzweiflung und behauptet, ein andromedanisches Gegenmittel könne seine Mutter heilen. Es liege als Frostschutzmittel getarnt in ihrem Auto. Teddy fährt ins Krankenhaus und spritzt die Flüssigkeit in den Infusionsbeutel seiner Mutter, die daran stirbt. Währenddessen befreit sich Michelle und entdeckt mehrere Opfer, die Teddy für Andromedaner hielt. Nach seiner Rückkehr konfrontiert sie ihn mit ihrer eigenen Version der Verschwörung.

Michelle behauptet, die Andromedaner hätten die Menschheit erschaffen, und verspricht Teddy ein Treffen im Auxolith-Hauptquartier. Dort trägt er eine Sprengstoffweste. Michelle erklärt ihren Kleiderschrank zum Teleporter. Teddy betritt ihn und stirbt bei der Detonation. Michelle erwacht im Krankenwagen und gelangt anschließend über den Schrank tatsächlich zum Mutterschiff. Als Kaiserin von Andromeda beendet sie das Experiment und tötet dadurch die gesamte Menschheit. Nur die Bienen kehren zu Teddys Bienenstand zurück.

Filmkritik und Fazit zum Film „Bugonia“

Yorgos Lanthimos inszeniert „Bugonia“ als Zweikampf in einem Keller und lässt dabei die Frage nach der Wahrheit lange offen. Robbie Ryans Kamera arbeitet zudem mit Weitwinkeln, die Räume verzerren und Gesichter unangenehm nah heranholen. Emma Stone spielt währenddessen eine Frau, die jede Situation sofort auf ihren Nutzen abklopft, mit rasiertem Kopf und ohne jede Eitelkeit. Jesse Plemons wiederum gibt seinem Teddy eine Sanftheit, die den Schrecken größer macht als jedes Brüllen. Will Tracys Drehbuch hält deshalb beide Deutungen bis weit ins letzte Drittel in der Schwebe, während Jerskin Fendrix‘ Musik harte Kontraste setzt. Yorgos Mavropsaridis schneidet dagegen konsequent trocken.

Vor allem zwei Szenen tragen den Film. Die erste ist ein Abendessen, bei dem Entführer und Entführte einander zunächst mit tadellosen Manieren gegenübersitzen, bis schließlich der Ton kippt. Die zweite ist ein Gespräch am Gartenzaun, in dem ein Sheriff einen alten Bienenstand bewundert, während wenige Meter entfernt ein Mensch angekettet liegt. Beide Szenen leben dabei von Timing und nicht von Effekten. Über 120 Minuten hält Lanthimos den Ton zwischen Groteske und Grausamkeit erstaunlich stabil. Allerdings verliert das mittlere Drittel etwas an Zug, weil die Machtverhältnisse zu oft in dieselbe Richtung kippen. Der Schluss geht dagegen noch einmal sehr weit.

Für Freunde des unbequemen Kinos lohnt sich der Film ohne jeden Vorbehalt. Wer bei Lanthimos bislang aussteigen musste, wird auch hier aussteigen. Die vier Oscar-Nominierungen sind nachvollziehbar, besonders die für Emma Stone und das adaptierte Drehbuch. Wer Save the Green Planet! kennt, wird die Verschiebungen bemerken und darüber streiten wollen. Als Satire auf Konzerne und Verschwörungsdenken funktioniert der Film in beide Richtungen. Angenehm wird er dabei zu keinem Zeitpunkt.

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